Unter welchen Bedingungen Gehalt nachverhandeln?
Eine Menge Menschen sind froh eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle zu haben. Doch manchmal müssen sie im Alltag mehr leisten, als im Arbeitsvertrag steht und auch mehr Bereiche an Tätigkeiten abdecken als noch am allerersten Arbeitstag. Gerade wenn man sich im Unternehmen verdient und scheinbar unentbehrlich gemacht hat, kann man als Arbeitnehmer, der sich bewiesen hat überlegen, mal nach mehr Geld zu fragen beziehungsweise das eigene spärliche Gehalt nachzuverhandeln, die Möglichkeiten diesbezüglich dezent aber bestimmend auszuloten.
Kein Arbeitnehmer möchte sich und seine Fähigkeiten sowie Potenziale dauerhaft unter Wert "verkaufen und dem Arbeitgeber zur Verfügung stellen, wo diese vielleicht auch ausgenutzt werden. Doch unter welchen Bedingungen und wann sollte man sein Gehalt versuchen nachzuverhandeln? Wann sollte man dies nicht versuchen und so einen Versuch nicht starten?
Wenn man wirklich viel macht und auch Dinge macht, die man eigentlich gar nicht machen müsste, ständig da ist und auch kommt, wenn man das zusätzlich möchte und so weiter, also schlichtweg sehr gut in der Arbeit ist, dann kann man das natürlich machen. Man kann das ja erfragen und auch vielleicht die Gelegenheit nutzen. Das finde ich auch gar nicht schlimm. Man muss einfach auch mal die Gelegenheit nutzen, wenn man sie sieht. Ich meine mehr Geld kann ja jeder gebrauchen und nachfragen kostet ja auch nichts.
Sich "unentbehrlich" zu machen und "mal nachfragen", weil es ja "nicht schlimm" sei, für seine Tätigkeit auch Geld zu bekommen, klingt für mich ehrlich gesagt nicht nach einem Erfolgsrezept für leistungsgerechte Entlohnung. Gut, dass nicht jede/r darauf angewiesen ist.
Gerade die "Unentbehrlichen" schauen oft genug in die Röhre, weil es eben für eine Gehaltserhöhung nicht ausreicht, immer brav seine Arbeit zu machen und das Beste zu hoffen. Wenn jemand seine Position gut ausfüllt, wieso sollte man die Person dann befördern oder ihr mehr Geld geben? Schließlich nützt das fleißige Arbeitsbienchen, das vielleicht mal bescheiden "nachfragt", dem Unternehmen so noch am meisten und macht am wenigsten Arbeit.
Im Kapitalismus geht es schon ganz anders zu. Wenn man hieb- und stichfest nachweisen kann und sich auch nicht scheut, deutlich vorzubringen, dass man sich beruflich weiterentwickelt hat, mehr Verantwortung hat und dem Arbeitgeber schlichtweg mehr einbringt, sei es Expertise, Kundengewinnung oder höhere Qualifikation, hat man eine Grundlage für Neuverhandlungen, sonst ist es ein Bitten um Almosen.
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