Über Verträge, Steuern und Rechnungen im Unterricht reden?

vom 18.09.2019, 12:28 Uhr

Immer wieder werden ich mit Jugendlichen im Beruf konfrontiert, die mich fragen, was wir früher im Unterricht gelernt haben. Wir hatten ein Fach, welches Arbeitslehrewirtschaft hieß, aber was haben wir dort gelernt? Preise in Supermärkten vergleichen, eine schöne Praktikumsmappe machen und mehr nicht. Und ja, das war wirklich unsere gesamte Zeit so.

Nützliche Themen wie man zum Beispiel Steuererklärungen macht, eine Rechnung versteht, wie sich eine Miete zusammensetzt und Verträge. Das waren Themen, die ich nie behandelt habe und die Jugendlichen wohl auch bis heute nicht behandeln. Jedenfalls nicht die, die ich kennenlerne und die regen sich wirklich darüber auf.

Ich finde auch, dass wie in meinem Fall durch die Supermärkte rennen, Preise vergleichen und aufschreiben, nicht zielführende Unterrichtslehrwerke sind. Doch leider hat dieser Lehrer das mit jeder Klasse von Klasse 5 bis 10 so gemacht. Wir kennen es, die von der Schule kamen, alle nicht anders.

Daher mal die Frage an Euch, würdet Ihr es begrüßen, wenn Eure Kinder oder Jugendliche/Kinder im Allgemeinen diesen Stoff wirklich lernen. Zum Beispiel wie sie Rechnungen verstehen, Verträge, Steuererklärungen aufsetzen, wie sich Mieten zusammensetzen usw. Würdet Ihr es gut finden, wenn man dies in der Schule erlernen kann?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4939 » Talkpoints: 2,12 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ich finde das vollkommen unnötig. Wer gelernt hat, Texte zu lesen und zu verstehen, Informationen zu beschaffen und Quellen zu beurteilen, der kann nicht nur Gedichte interpretieren und Argumentationen schreiben, der versteht auch Rechnungen und Verträge und die Steuerklärung. Und wenn es hakt, weiß er, so er die fehlenden Informationen her bekommt.

Das nennt sich Lerntransfer. Und den hinzubekommen, halte ich für viel wichtiger, als irgendwelche Dinge durchzukauen, die die Eltern vermitteln sollten, und die sich bis zum Abschluss sowieso wieder ändern. Normalerweise sollte man nach der Schule in der Lage sein, solche Dinge allein zu erfassen. Das hat bei mir funktioniert und ich bin überzeugt davon, dass es bei meinen Kindern auch klappt.

» cooper75 » Beiträge: 11591 » Talkpoints: 511,21 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Meine Schulzeit ist gefühlte zweihundert Jahre her, aber ich muss heute noch manchmal Dinge bei Google nachschlagen, über die man als Erwachsener im Leben so stolpert, weil ich bis dato mit Thematik X oder Y noch nicht konfrontiert gewesen bin. Es kommen immer mal wieder neue Dinge auf einen zu, mit denen man auch mit 40 Plus noch keine Erfahrung hat. Wie hätten mir die Lehrer das vor über zwei Jahrzehnten beibringen sollen, wenn sich doch die Rechtslage ständig ändert? Und ich muss ziemlich müde schmunzeln, wenn sich ausgerechnet die Generation Smartphone über mangelnden Informationsfluss beschwert!

Wie haben denn die jungen Erwachsenen bis vor zwanzig oder auch fünfzehn Jahren ohne Internetzugang überlebt und sich im Dschungel von Alltag, Beruf, Recht und Bürokratie zurechtgefunden? Meine erste Steuererklärung habe ich für meinen damaligen Freund gemacht, ganz alleine und ohne jede Hilfe, direkt nach dem Abitur. Für die Möglichkeit jede Unsicherheit in einer Suchmaschine zu erfragen, wäre ich sehr dankbar gewesen. Aber es wundert mich immer wieder, wie viele Leute heute trotz der ständigen Omnipräsenz des Internets nicht mehr in der Lage sind, sich ihre Informationen selbst bei Google oder auch anderen Suchmaschinen zusammenzusuchen.

» Verbena » Beiträge: 3963 » Talkpoints: 1,15 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Bei uns gab es damals auf dem Gymnasium ein komplettes Schulfach, das auf diesen Themen basiert hat. Wir haben Rechnungen selbst aufsetzen müssen, Verträge verstehen gelernt und zusätzlich kamen noch einige Texte aus dem Zivilrecht, die wir bearbeiten mussten. Ich fand es damals wie heute nicht schlimm und finde es sogar gut, dass man mal gesehen hat, wie manche Dinge so laufen, selbst wenn man es in Zukunft anscheinend weniger braucht. Aber mir hat diesen Schulfach einiges gebracht, weil auch andere Prozesse, die die Gesellschaft betreffen, erklärt wurden.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 10938 » Talkpoints: 66,22 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Für mich sind derlei Fragen nur die Umkehrung des berühmten Lamentos, dass wir alle in der Schule nichts gelernt haben, was wir im täglichen Leben brauchen können. Diese Ansichten habe ich schon öfter in unterschiedlichen Zusammenhängen gehört. Mal war es die leidige Algebra ("Wann muss man schon eine Parabel berechnen?"), dann wieder Erdkunde ("Was interessieren mich die afrikanischen Hauptstädte?") oder Musik. Bei jedem Unterrichtsfach gibt es das Gemecker, dass die vermittelten Inhalte sinnlos seien und man den Kindern und Jugendlichen lieber lebenspraktische Fähigkeiten wie die erwähnte Steuererklärung einbläuen sollte.

Aber andererseits heißt es dann auch wieder, dass Schulen nicht nur Fakten einhämmern, sondern den Jugendlichen selbstständiges Denken und Fähigkeiten zur Aufnahme und Interpretation von Informationen vermitteln. Und damit wären auch alltägliche Fähigkeiten wie besagte Steuererklärung ja durchaus abgedeckt durch Lesen, schreiben, Probleme lösen und im Zweifelsfall wissen, wo man sich weitere Informationen holen kann.

Zu meiner Zeit wurden grundlegende Fragen der Wirtschafts- und Sozialkunde auch in der Schule behandelt, aber bei einem Haufen pubertierender Teenager bleibt eben generell nicht viel hängen und muss dann eben Jahre später nachgeholt werden, wenn die erste Wohnung gemietet wird oder die Einkommensteuer ansteht.

» Gerbera » Beiträge: 8275 » Talkpoints: 4,63 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


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