Sprecht ihr gelegentlich mit verstorbenen Angehörigen?

vom 27.06.2020, 23:59 Uhr

In Filmen sieht man ja immer wieder mal Menschen die mit ihren verstorbenen Angehörigen oder auch Freunden sprechen. Meist sieht man dann die Person an sich auch noch eingeblendet. Oft geht es dabei um Szenen in denen diese Leute besonders glücklich oder traurig sind, oder einfach einen bestimmten Ratschlag / Tipp benötigen.

Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass es im realen Leben auch sehr viele Menschen gibt, die tatsächlich hin und wieder mal aktiv - also laut - mit einem verstorbenen Angehörigen sprechen. Meine Oma zum Beispiel macht das hin und wieder dass sie ihren Ehemann auch in unserer Anwesenheit anspricht, obwohl dieser schon seit 12 Jahren verstorben ist. Zum Beispiel haben wir ihren Garten vor kurzem ein bisschen umgestaltet und dann hat sie gesagt: "Gel Robert, der neue Garten hätte dir auch sehr gut gefallen. Was sagst du dazu?" Ihr ist dabei schon bewusst, dass ihr Ehemann schon verstorben ist und sie keine reale Antwort auf ihre Frage bekommen wird, ihr tut es aber gut.

Manche Menschen nehmen auch ein Foto in die Hand und sprechen dann mit der Person oder stellen sich ans Grab und führen dann ein richtiges Gespräch. Wie handhabt ihr das, sprecht ihr manchmal noch mit verstorbenen Personen? Handelt es sich dabei um Personen, die früher wichtige Bezugspersonen für euch waren? In welchen Situationen kommt es dazu, fehlt euch in diesem Moment ein passender Rat?

» EngelmitHerz » Beiträge: 2066 » Talkpoints: 26,57 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Das kann man ja super gerne so machen, aber für mich wäre das nichts. Ich bin da recht realistisch und denke nicht, dass mir das wirklich etwas bringen würde. Als Trauerverarbeitung oder psychischen Rückhalt ist das sicherlich ein guter Schritt, wenn man es nicht übertreibt, aber ich mache das anders mit mir aus und nicht auf diese Art und Weise. Würde das ein Verwandter von mir nach so vielen Jahren machen würde ich das auch durchaus bedenklich finden.

Ich meine irgendwann muss man ja auch mal durch sein damit und abschließen. Wenn man das nicht kann, dann ist das nicht gesund und man muss sich gezielter damit auseinandersetzen. Wobei Trauer und deren Dauer sicherlich auch sehr abhängig von der Person ist.

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» Ramones » Beiträge: 42074 » Talkpoints: 19,04 » Auszeichnung für 42000 Beiträge


Ich spreche normalerweise nicht mit verstorbenen Angehörigen, habe es aber schon einmal gemacht. Ich hatte Schuldgefühle, weil ich mich um meine verstorbene Mutter nicht so gekümmert hatte, wie ich es vielleicht hätte tun müssen. Ich hatte gerade eine Familie gegründet und war weit weg von zu Hause. Jeder sagt zwar, dass ich keine Schuldgefühle haben müsse. Immerhin war ja mein Vater noch da und mein Bruder, aber ich hätte ein bisschen mehr tun können, trotz kleiner Kinder und großer Entfernung. Als ich sie dann besuchen wollte, war es zu spät.

Manchmal entschuldige ich mich bei ihr für mein Verhalten und hoffe, dass es irgendwie bei ihr ankommt. Auch mit einer früh verstorbenen Schwester habe ich schon "geredet", ebenfalls um mich zu entschuldigen. Ich bin zwar ein rationaler Mensch und überhaupt nicht gläubig, aber es gibt zweifelsfrei Dinge im Himmel und auf Erden, die man als Mensch nicht verstehen kann. Zum Beispiel ist die Zeit noch ein großes Rätsel. Vielleicht läuft sie ja irgendwann rückwärts und dann kommt die Entschuldigung an und ich bekomme vielleicht die Absolution.

» blümchen » Beiträge: 1019 » Talkpoints: 8,21 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich selber kenne das nur von älteren Angehörigen. Meine Oma ist auch jemand der gerne mal mit ihrem verstorbenen Partner Gespräche führt. Die beiden waren fast 60 Jahre verheiratet und haben ihr ganzes Leben miteinander verbracht. Es gab kaum einen Tag den sie nicht zusammen waren. Da ist es natürlich ein riesen Einschnitt im Leben wenn dieser geliebte Partner mehr oder weniger plötzlich nicht mehr da ist.

Meiner Oma ist natürlich auch klar, dass ihr Mann nicht mehr real bei uns ist und trotzdem bindet sie ihn auch immer wieder mal in Gespräche ein. Meist betrifft dass dann Erzählungen von früher oder das Thema "Früher war alles besser". Da sagt sie dann auch mal "Gel Wolfang, das waren ganz andere Zeiten früher." Sie stellt sich auch gerne mal ans Grab ihres Mannes und erzählt ihm von ihrem Tag bzw. den Neuigkeiten der vergangenen Woche während sie ein wenig Grabpflege betreibt.

Sie ist dabei ganz heiter und fröhlich sodass wir sie einfach reden lassen und ihr die Freude dieser Gespräche auch nicht nehmen. Ansonsten ist sie geistig auch noch voll fit. Mag sein, dass es eine eher "unnormale" Art der Trauerbewältigung ist, aber sie beeinflusst den Alltag meiner Oma nicht negativ insofern wir da keinen Handlungsbedarf sehen. Sorgen würde ich mir nur machen, wenn die Person mehr Zeit mit den Toten-Gesprächen verbringt, als mit lebendigen sozialen Kontakten.

» Huibuu » Beiträge: 212 » Talkpoints: 30,13 » Auszeichnung für 100 Beiträge



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