Kommt Online-Lebensmittelhandel bei Deutschen nicht an?

vom 03.01.2022, 00:44 Uhr

Laut Handelsexperte Thomas Montiel Castro ist Deutschland beim Onlineshopping im Bereich Lebensmittel und Körperpflege in Europa Schlusslicht. Die meisten Menschen halten vor allem immer noch den bekannten Discountern die Treue.

Obwohl es immer mehr Lieferdienste wie Gorillas, Flink oder Picnic gibt, kommt dies wohl in Deutschland noch nicht so ganz an. Teilweise bauen zwar auch bekannte Lebensmittel-Ketten wie Rewe ihr Angebot diesbezüglich schon aus, aber scheinbar noch zu wenig breit gestreut.

Was denkt ihr, warum kann der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland noch nicht so richtig Fuß fassen? Ist das Angebot noch zu wenig breit gestreut oder haben die Menschen zu wenig Vertrauen in die "neue Branche"? Würdet ihr auf Onlineshopping umstellen, wenn das Angebot stimmt?

» EngelmitHerz » Beiträge: 3073 » Talkpoints: 64,34 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich habe viele Geschäfte in der Nähe und benötige keine Lebensmittel, die ich online bestellen muss. Mein ältester Sohn ist der einzige Mensch, den ich kenne, der Lebensmittel eine Zeit lang online bestellt hat, weil er abends lange arbeitet und die Geschäfte bei uns schon um 20 Uhr schließen. Er hasst es einkaufen zu gehen und schaut sich die Sachen lieber am Computer an. Er geht mittlerweile aber wieder einkaufen, weil ihm Rewe teilweise andere Dinge einpackt, als er bestellt hat, wenn die gewünschten Produkte gerade nicht lieferbar sind. Er ist wenig flexibel, was das Kochen anbelangt, und kocht genau nach Rezept. Oft kann er mit den Ersatzprodukten dann nichts anfangen.

Ich kaufe zwar viel online, aber bei Lebensmitteln würde ich das nie tun, weil ich das frische Obst und Gemüse vorher sehen möchte. Außerdem bin ich, was Lebensmittel anbelangt, sehr spontan und ändere auch schon einmal während des Einkaufs meine Kochideen für die nächsten Tage. Zudem habe ich viel Zeit und bin flexibel. Ich muss nicht dann einkaufen gehen, wenn die Berufstätigen einkaufen.

Der Online-Lebensmittelhandel hat wahrscheinlich nur eine sehr kleine Zielgruppe. Die meisten Leute kommen doch auf ihren täglichen Wegen an Discountern vorbei oder haben irgendwo auf der grünen Wiese einen Aldi oder Lidl, wo sie ihren Wocheneinkauf mit dem Auto erledigen. Das ist fast immer billiger als die Online-Lebensmittel zum Beispiel von Rewe.

Da fällt mir ein, dass ich noch jemanden kenne, der sich die Lebensmittel liefern lässt. Es handelt sich um einen guten Freund einer Freundin, der psychische Probleme hat und sehr selten vor die Türe geht. Es ist zwar teurer als selber einkaufen zu gehen, aber er hat ja sonst keine Ausgaben. Er würde seine Lage aber nicht als Problem bezeichnen.

Ich denke nicht, dass der Onlinehandel seine Zielgruppe vergrößern kann. Außer der sehr kleinen Zielgruppe, die das Einkaufen hasst, nicht so sehr aufs Geld achten muss oder keine Zeit hat, nehmen das wahrscheinlich auch Leute temporär in Anspruch, wenn sie vielleicht krank sind oder in Pandemiezeiten. Im Frühling 2020 hatte ich mir das auch mal angesehen, aber es waren keine Zeitfenster von Rewe in näherer Zukunft mehr frei.

Und da fällt mir doch noch jemand ein, der kürzlich bei Rewe bestellt hat, nämlich meine Schwägerin, die einen Bandscheibenvorfall hatte. Also gibt es schon einige Leute in meinem Umfeld, die das nutzen, aber die meisten gehen ganz normal in Lebensmittelgeschäften einkaufen. Ich zähle aber die Getränkelieferungen, die man online bestellen kann, nicht dazu. Das machen wahrscheinlich mehr Leute.

» blümchen » Beiträge: 4517 » Talkpoints: 75,18 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Abgesehen von Phasen, in denen ich nicht vor die Tür gehen könnte oder dürfte (wie z.B. während einer Quarantäne), würde ich keine Lebensmittel online bestellen. Generell bin ich kein Fan von Online-Bestellungen, und dazu kommt, dass in meiner Nähe mehrere Lebensmittelgeschäfte sind (Discounter und auch kleinere Gemüse- und Feinkosthändler). Da gibt es für mich einfach keine Notwendigkeit, die Sachen zu bestellen, wenn ich sie gleich beim Nachhauseweg einkaufen kann. Das würde sich vielleicht erst dann ändern, wenn ringsum alle Geschäfte schließen würden und man mehr oder weniger auf den Onlinehandel angewiesen wäre.

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» lascar » Beiträge: 3777 » Talkpoints: 688,27 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



EngelmitHerz hat geschrieben:Was denkt ihr, warum kann der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland noch nicht so richtig Fuß fassen? Ist das Angebot noch zu wenig breit gestreut oder haben die Menschen zu wenig Vertrauen in die "neue Branche"? Würdet ihr auf Onlineshopping umstellen, wenn das Angebot stimmt?

Stimmt das Angebot denn? Eigentlich sind durchschnittlich 5 Euro Versandkosten und ein Mindestbestellwert völlig angemessen bei der erbrachten Leistung, aber die Frage ist halt, wie attraktiv das ist wenn man genauso gut selber einkaufen und sich das Geld sparen kann? Bei DM bezahlt man zum Beispiel 4,95 für den Versand und ich gebe da oft nicht mal so viel aus im Geschäft weil das so günstig liegt, dass ich da auch mal schnell nur so etwas wie eine Tube Zahnpasta oder eine Flasche Spülmittel kaufen gehe.

Und wenn man sich jetzt anschaut für wen die Kosten das Angebot nicht unattraktiv machen würden dann sind das oft Leute, die dieses Angebot gar nicht nutzen können. Beispiel aus meiner Region: Ein Lieferservice, der mit Edeka zusammen arbeitet, ist in der Stadt und diversen Vororten verfügbar, aber genau dahin, wo man für jeden Einkauf ein Auto braucht, weil es in wohnortnähe kein einziges Geschäft (mehr) gibt, liefert auch der Bringservice nicht.

Vielleicht sollte man sich in dieser neuen Branche einfach mal überlegen was man für eine Zielgruppe ansprechen möchte. Mag sein, dass man mit dem Berliner Hippster im Szeneviertel potentiell mehr Geld machen kann, aber mit den Omas auf dem Land kann man sich wahrscheinlich mittelfristig einen treueren Kundenstamm aufbauen.

Ich selber würde auf online Shopping umstellen wenn für mich keine zusätzlichen Kosten entstehen würden und wenn kein zusätzlicher Verpackungsmüll entstehen würde. Wobei das aber dann eh nur für Supermarktprodukte gelten würde. Bei den frischen Lebensmitteln vom Hofladen oder Markt muss man ja immer erst mal schauen, was überhaupt im Angebot ist, und außerdem werden die sich auch gar keinen Lieferservice leisten können. Aber klar, ich hätte kein Problem damit mir alle zwei Wochen Nudeln und Kaffee liefern zu lassen, bei Getränken in Flaschen machen wir das heute schon.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26891 » Talkpoints: 167,17 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



Ich denke, dass es primär ein Problem des zu geringen Angebots ist. Gorillas und Co gibt es (zumindest meines Wissens nach) bisher nur in größeren Städten, und Lieferdienste von Supermärkten kenne ich in meiner direkten Umgebung auch nicht. Wenn man sich Lebensmittel von weiter weg oder von Online-Plattformen liefern lässt, sind die Versandkosten oftmals unverhältnismäßig hoch, und ich persönlich bin dafür dann zu geizig und nehme lieber doch den Einkauf im lokalen Markt auf mich.

Außerdem finde ich, dass wir hierzulande eigentlich ein sehr flächendeckendes Angebot an Lebensmittelhändlern haben, was einen Onlinemarkt dafür fast obsolet macht. Ich kann von meiner Wohnung aus in weniger als 30 Minuten Fußweg fünf verschiedene Supermarktketten erreichen, davon zwei Discounter. Würde ich das Auto nehmen, hätte ich sogar noch mehr Optionen. Dabei ist meine Stadt noch nicht einmal so riesig, und dafür finde ich die Auswahl schon enorm komfortabel. Wozu sollte ich mir also Lieferzeiten von mehreren Tagen und Versandkosten on top antun, wenn ich in knapp einer Stunde und mit wirklich geringem Aufwand alles bekommen kann, was ich benötige?

» MaximumEntropy » Beiträge: 8434 » Talkpoints: 979,57 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Bei mir ist es so, dass ich während meiner Arbeit auch nicht sonderlich viel Zeit oder Lust auf das Einkaufen habe. Wenn ich Feierabend habe, dann haben die meisten Läden noch nicht geöffnet und wenn ich anfange zu arbeiten, dann schließen einige schon wieder beziehungsweise Sachen, die ich nicht über Nacht im Auto lassen kann, kann ich dann ebenfalls nicht kaufen und muss dann auch erneut los. Dennoch würde ich mir die Sachen aber auch nicht liefern lassen, da es mich ebenso einschränkt wie ein Einkauf, weil ich für die Lieferung dann ebenfalls Zuhause sein muss. Deswegen kann ich die Zeit dann auch lieber zum direkten Einkaufen nutzen.

Des Weiteren finde ich das richtige Einkaufen, also nicht online, auch gar nicht so abstoßend. Wenn man die Möglichkeit hat zu Zeiten einkaufen zu gehen, in denen nicht so viele Leute im Laden sind, dann ist es auch nicht so stressig. Man kann sich dann in Ruhe eine Auswahl an Lebensmitteln anschauen und sich überlegen, was man kaufen möchte. Einige Sachen sind im Laden wahrscheinlich auch noch ansprechender als Online. Bei anderen Sachen, wie zum Beispiel Obst und Gemüse, möchte ich die Qualität vor Ort im Laden prüfen und mich nicht darauf verlassen, dass andere Leute dies für mich aussuchen.

Im Gesamten denke ich also, dass der Online-Lebensmittelhandel eine gute Option ist, wenn man nicht einkaufen kann oder einkaufen will. Allerdings würde ich ihn selbst nur in Ausnahmen nutzen, zum Beispiel wenn ich daheim in Quarantäne sitze oder aus anderen Gründen nicht selbst einkaufen gehen kann.

» Hufeisen » Beiträge: 6033 » Talkpoints: 4,50 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Ich muss auch sagen, dass das Einkaufen von Lebensmitteln in einem richtigen Lebensmittelladen auch durchaus reizvoll sein kann, vor allem, wenn man die Produkte sehen und ggf. auch riechen kann. Es ist für mich ein Unterschied, ob ich mir irgendwelche Waren im Internet zusammenklicke, oder ob ich durch einen Feinkostladen gehe, wo es nach frischen Gemüsesorten, Gewürzen etc. riecht, und die Sachen farbig leuchten. Für mich wird der Online-Lebensmittelhandel bis auf weiteres ein Angebot für Sonderfälle bleiben, wenn eine andere Art des Einkaufens nicht möglich ist.

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» lascar » Beiträge: 3777 » Talkpoints: 688,27 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



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