Können einzelne Politiker wirklich ihrer Partei schaden?

vom 11.05.2020, 09:57 Uhr

Zur Zeit steht Thomas Kemmerich von der FDP in der Kritik. Ihm wird parteischädigendes Verhalten vorgeworfen, weil er an einer Demonstration teilgenommen hat, bei der auch Verschwörungstheoretiker dabei waren. Andere Politiker, mit denen die meisten Parteimitglieder überhaupt nicht übereinstimmen und denen parteischädigendes Verhalten vorgeworfen wird, waren oder sind zum Beispiel Thilo Sarrazin von der SPD, Boris Palmer von den Grünen oder einzelne Politiker vom sogenannten Flügel, der der AFD nahesteht.

Aber kann ein einzelner Politiker, der in Einzelfällen andere Meinungen vertritt als die meisten Parteimitglieder, wirklich die ganze Partei so schädigen, dass sie bei der nächsten Wahl weniger Stimmen bekommt? Ich denke, nicht. Der Entsetzensschrei dauert doch im Allgemeinen nur kurz und ist bis zur nächsten Wahl wieder vergessen. Außerdem gibt es in den Parteien genügend Leute, die das zurechtrücken. Wählt ihr Parteien nicht mehr, nur weil einzelne Politiker ausscheren?

» blümchen » Beiträge: 1651 » Talkpoints: 9,15 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich glaube schon, dass ein einzelner Politiker einer ganzen Partei schaden kann. Wenn nun beispielsweise ein Vorsitzender einer Partei sagen würde, dass alle Frauen an den Herd gehören, dann wäre der Aufschrei groß und man würde sich fragen warum die Partei so jemanden zum Vorsitzenden hat und dann würde man zwangsläufig davon ausgehen, dass die das unterstützen. Jeder kann eine eigene Meinung haben, aber ein Politiker vertritt ja auch eine Partei und sollte daher auch deren gesamtheitliche Meinung widerspiegeln.

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» Ramones » Beiträge: 42835 » Talkpoints: 11,48 » Auszeichnung für 42000 Beiträge


Es kommt halt darauf an, wie der Rest der Partei mit dem einzelnen umgeht. Bei Thilo Sarrazin besteht wohl spätestens seit dem Parteiausschlussverfahren nicht mehr der Verdacht, dass er irgendwie für die SPD sprechen oder deren Werte vertreten würde. Da macht es keinen Unterschied, ob er nun formal noch Parteimitglied ist oder nicht.

Boris Palmer ist Kommunalpolitiker und hat mit der Landes- oder Bundespolitik eh nichts zu tun, von daher glaube ich nicht, dass er den Grünen irgendwie schaden kann. Schließlich haben sich alle wichtigen Leute direkt distanziert von seinen menschenverachtenden Aussagen. Und in der Kommunalpolitik ist die Parteizugehörigkeit eh zweitrangig, viel wichtiger ist doch, was jemand für die Stadt getan hat.

Von Thomas Kemmerich und seinem Griff nach der Macht hat sich die FDP hingegen erst distanziert nachdem die Empörung schon richtig hohe Wellen geschlagen hat. Da könnte schon was hängen bleiben. Und die sogenannte AfD mit ihrem Flügel ist eh eine Lachnummer. Was ändert es denn, wenn man eine Gruppe offiziell auflöst und die Mitglieder weiterhin in der Partei aktiv sind? Die legen doch deshalb ihre rechtsextreme Gesinnung nicht ab.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25656 » Talkpoints: 14,50 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



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