Häufige Fehldiagnose bei Borreliose und Depressionen?

vom 26.09.2021, 16:22 Uhr

Eine Bekannte von mir hat seit zwei Jahren ständig geschwollene Lymphknoten. Anfänglich wurden ihre Symptome nicht wirklich ernst genommen, sodass sie 2019 eine wirkliche Odyssee an Ärzte hinter sich bringen musste.

Dabei wurde nichts Auffälliges festgestellt. Von der Magenspiegelung über ein Kopf-MRT bis zur Darmuntersuchung war wirklich alles dabei. Klassische Blutuntersuchungen und die Untersuchungen beim Frauenarzt sowie eine Dopplersonografie folgten. Insgesamt war sie also wirklich überall und trotzdem gab es keine Diagnose.

2021 hat sie dann endlich mal erfahren, dass sie Borreliose hat und auch ihr neuer HNO-Arzt meinte, dass es durchaus möglich ist, dass sie dies seit zwei Jahren hatte, weil die Erkrankung schon sehr tückisch ist. Nun wurde sie in dieser Zeit allerdings auch für depressiv eingestuft und der HNO-Arzt meinte sofort, dass weitere Untersuchungen folgen sollen, ehe man die Diagnose wirklich im Zusammenhang bringen kann.

Laut seiner Aussage kommt es gar nicht selten vor, dass Borreliose-Erkrankungen mit Depressionen verwechselt werden und dadurch falsch diagnostiziert werden. Denn die Müdigkeit, Lustlosigkeit und andere weitere Erscheinungen sind da sehr ähnlich, sodass er die Depressionsdiagnose nicht ganz unterstreichen möchte, weil er eben weiß, dass bei Borreliose dies sehr häufig passiert.

Ich persönlich habe davon jedoch das erste Mal gelesen und komischerweise seither viele ähnliche Artikel im WWW dazu gefunden, die darauf wirklich schließen lassen, dass man Depressionen und Borreliose häufig verwechselt. Doch kennt Ihr auch solche Fälle und wenn ja, wie weiß man denn jetzt, ob es Depressionen oder die Borreliose ist/war, die für all das verantwortlich war?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5842 » Talkpoints: 12,27 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Im Endeffekt kann man es nur sicher wissen, wenn nach Abschluss der Antibiose die Depression verschwindet oder sich zumindest sehr stark verbessert hat. Dass hierzulande massenweise Depressionspatienten rumlaufen, die in Wahrheit eine unerkannte Borreliose mit Hirnbeteiligung haben, glaube ich irgendwie nicht so richtig. Umgekehrt wird wahrscheinlich eher ein Schuh draus: Leute, die mal im Laufe ihres Lebens eine Borreliose oder entsprechende Antikörper im Blut hatten und glauben, dass all ihre Beschwerden einer nicht gut erkannten Borreliose zuzuordnen sind.

Ich kann mich noch erinnern, dass es schon vor fast zwanzig Jahren im Netz Menschen gab, die jedem mit unklaren Symptomen eine Borreliose anhängen wollten, eine Zeitlang war das ein richtiger Trend. Ich will damit nicht sagen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Infektion und Depression gibt, dazu sind in den letzten Jahren viele interessante Erkenntnisse publiziert worden, aber man muss auch aufpassen, nicht in die falsche Schiene zu rutschen. Auf den Seiten des RKI zum Beispiel taucht im Steckbrief der Borreliose die Depression als Symptom nicht auf, auch nicht unter der Neuroborreliose, die ganz andere Symptome wie Lähmungen oder Neuropathien auflistet.

» Verbena » Beiträge: 4410 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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