Erfahrungen mit dem gynäkologischen Notdienst

vom 15.02.2019, 10:35 Uhr

Es ist sehr präsent in den Medien, dass Notfallambulanzen überfüllt sind von Patienten, die keine echten Notfälle darstellen und die Krankenhäuser somit an Ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Patienten möchten damit wohl lange Wartezeiten verhindern und erhoffen sich sofortige Hilfe. Diese Tatsache an sich finde ich schon schlimm genug, wenn man bedenkt das jeder von uns schneller als man glaubt zum echten Notfall werden kann und dann möchte jeder das genug Personal zur Verfügung steht um wirklich Leben zu retten und nicht mit Fällen beschäftigt ist die auch am nächsten Tag zum Arzt gehen könnten.

Aber besonders erschreckend empfand ich die Einstellung der Menschen, die mir in meiner Schwangerschaft immer wieder begegneten, meistens von „Mitschwangeren“. Die grobe Einstellung war erstmal, dass man jeder Zeit ins Krankenhaus fahren könnte, egal in welcher Woche oder Monat, da es eben nicht nur um sich selbst geht, sondern auch um einen kleinen neuen Menschen. Dies ist ja grundsätzlich natürlich auch richtig, aber mit „jeder Zeit“ meinten Sie eben auch immer und egal aus welchem Anlass.

Eine Schwangere in der Frühschwangerschaft äußerte zum Beispiel im bei sein von mir und mehreren anderen, dass sie sich gar nicht mehr schwanger fühle und alle Symptome weg seien, die sie ein paar Tage vorher noch hatte und prompt wurde geraten (da es ein Samstag war) ins Krankenhaus zu fahren. Dazu muss ich sagen, dass sie keine Blutungen und keine Schmerzen hatte, sondern eher bedenken, weil es Ihr gut ging.

Und was mir mal geraten wurde, war als ich beklagte, dass mein Mann bis zur 20igsten Schwangerschaftswoche noch nie mit zum Ultraschall war, erst weil wir es nicht so für nötig empfunden haben und dann als wir es wollte ihm beruflich etwas dazwischen kam, da kam doch tatsächlich der Ratschlag, geht doch Sonntag ins Krankenhaus und schaut eure Kleine an. Ich muss wohl sehr entsetzt geschaut haben, denn dann kam noch als Ergänzung, dass ich sagen solle mir ginge es nicht so gut und dann würden die auf jeden Fall eine Ultraschalluntersuchung machen.

Ich konnte das kaum fassen und habe in beiden beschrieben Fällen auch klar geäußert, dass ich eine absolut konträre Auffassung besitze. Stehe ich damit so allein da gerade im Fall von gynäkologischen Notdiensten? Wann hat sich die Meinung und das Handeln der Menschen so rapide verändert?

» Maysen » Beiträge: 175 » Talkpoints: 66,82 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich finde das es hier schon einen Unterschied macht, ob man in eine Notaufnahme fährt oder in eine Frauenklinik um eine Schwangerschaft abklären zu lassen. Natürlich ist ein komisches Gefühl von außen betrachtet vielleicht ein schlechter Indikator und wenn das Baby tot ist, dann kann man auch nichts mehr machen, aber ich bin der Meinung dass man es lieber abklären lassen sollte, bevor man dem Baby einen Haufen Stress zumutet.

Ich war bei beiden Schwangerschaften wegen Blutungen in der Klinik. Beim ersten Mal musste ich sogar da bleiben und Medikamente nehmen, da ich da auch noch eine Blasenentzündung hatte oder zumindest Symptome in diese Richtung hatte. Bei der zweiten Schwangerschaft hatte ich Blutungen, die zunächst ganz leicht waren nach einem Frauenarztbesuch und das kann ja auch schon mal vorkommen in der frühen Schwangerschaft, weswegen ich noch etwas warten wollte. Als ich dann aber pünktlich zum Wochenende stärkere Blutungen hatte, wollte ich das abklären lassen und mir, falls die Schwangerschaft noch besteht, Medikamente geben lassen. Diese habe ich dann auch bekommen. Der Frauenarztbesuch war am Donnerstag.

Ich hätte natürlich auch das Wochenende abwarten können, aber bei uns gibt es nun mal die Frauenklinik, in der wir auch vorher angerufen haben und die meinten auch, dass es sinnvoll ist lieber ein Mal zu viel nachzusehen als ein Mal zu wenig. Letztendlich ist da auch nicht viel los gewesen. Also wegen einer fehlenden Ultraschalluntersuchung mit dem Mann würde ich so etwas nicht machen, aber wenn man sich komisch fühlt oder gar Blutungen oder Schmerzen hat, sollte man hingehen und sich dafür auch nicht schämen. Ich würde aber vorher einfach anrufen und fragen, ob man damit kommen sollte oder nicht.

Generell finde ich es sehr vermessen zu sagen, dass manche Dinge ja nicht so schlimm wären und man damit warten kann. Man selber hat ja schon ein gutes Gefühl, wenn was nicht richtig läuft und dementsprechend klingt es dann von außen betrachtet vielleicht nach wenig, aber manchmal muss man so etwas dann einfach in einer Klinik abklären lassen.

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» Ramones » Beiträge: 39355 » Talkpoints: 26,28 » Auszeichnung für 39000 Beiträge


Ich war nie schwanger, weswegen ich hier leicht reden habe. Aber von "außen" hatte ich schon öfter den Eindruck, dass für manche (viele) Frauen sich tatsächlich das ganze Leben umkrempelt, wenn sie schwanger werden, gerade weil sie unmittelbar für ein neues Leben im Werden zuständig sind. Und da verstehe ich, obwohl sonst eher zynisch veranlagt, irgendwo schon, dass gerade Frauen, die so etwas zum ersten Mal mitmachen, übervorsichtig sind. Sie wissen schließlich nicht, ob Symptom XY völlig normal ist und kein Grund zur Sorge oder ob sie sich die nächsten Jahre Vorwürfe machen müssen, weil ihr Kind gesund zur Welt gekommen wäre, wenn sie rechtzeitig ins Krankenhaus gegangen wären.

Erschwerend kommt in meinen Augen noch dazu, dass eine Schwangerschaft eben nichts Normales und Alltägliches (mehr) ist, was man an jeder Straßenecke mitbekommt und schon von Kindheit an bei allen Frauen in der Familie ständig erlebt hat. So fehlen einfach die Erfahrungswerte und der Austausch mit Veteraninnen des Kreißsaals, die mehr als ein sorgfältig kalkuliertes und durchbetreutes Kind in die Welt gesetzt haben. Und andererseits kursieren genügend Ammenmärchen, Mythen und Horrorgeschichten, die unerfahrene Schwangere verunsichern, die sich wiederum verständlicherweise auch schwertun, die Finger von Google und Co. zu lassen und lieber noch einmal nachschauen lassen, ob auch wirklich alles stimmt.

Und zudem haben viele Leute ein völlig ungeniertes Anspruchsdenken und ein völlig überzogenes Bild ihrer eigenen Wichtigkeit, welches sich natürlich noch steigert, wenn zu Mr. und Mrs. Wichtig auch noch Baby Wichtiglein dazukommt. Das sind dann auch die Leute, die an der Supermarktkasse laut telefonieren, in der U-Bahn einem mit dem Buggy die Achillessehne durchtrennen und die Kellnerin beim Italiener an der Ecke zur Sau machen, weil das Olivenöl nicht vergine genug ist.

» Gerbera » Beiträge: 7782 » Talkpoints: 1,93 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Einen Notfall vortäuschen, um ein Ultraschallbild anzuschauen, ist natürlich dreist, aber ansonsten sollten Schwangere selbstverständlich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Arzt, auch am Wochenende und in der Nacht. Man trägt ja tatsächlich die Verantwortung für sogar drei Menschen. Den Vater des Kindes, der ja auch ein berechtigtes Interesse an dem Ungeborenen hat, darf man nicht vergessen. Auch ein in den Augen anderer nicht nachvollziehbarer Grund sollte eine schwangere Frau mit wenig Erfahrung nicht davon abhalten, die Sache vom Arzt abklären zu lassen.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Ich kann absolut verstehen das man sich in der Schwangerschaft tendenziell mehr Sorgen macht als im „Normalzustand“. Gerade wenn man immer „Symptome“ hatte und diese dann „plötzlich“ weg sind. Aber nur weil man gerade keine Symptome hat muss das nicht bedeuten das dem Kind etwas fehlt oder etwas mit der Schwangerschaft nicht stimmt. Symptome kommen und gehen und viele Frauen haben gar keine Symptome. Wenn dann eine Frau beispielsweise in die Notaufnahme fährt weil ihr tagelang schlecht war, dieses Gefühl nun fort ist und Sie jetzt Angst hat das es dem Baby nicht mehr gut geht. Finde ich das einfach nur übertrieben.

Wie gesagt: Ich verstehe es vollkommen wenn man sich Sorgen macht. Ich war auch schon schwanger und kenne das Gefühl plötzlich nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich zu sein sondern noch für jemand anderes. Und man horcht auch mehr in sich hinein und macht sich oft wegen Kleinigkeiten Sorgen. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Aber ein bisschen muss man trotzdem seinen gesunden Menschenverstand einschalten. Und eine Notaufnahme ist eben für Notfälle da und nicht für Momente in denen man sich einfach „komisch“ fühlt.

Natürlich sollte man in der Schwangerschaft lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt fahren. Aber eben nur wenn man wirklich Beschwerden wie Schmerzen, Blutungen oder ähnliches hat. Und nicht wenn man sich „unschwanger“ fühlt. Ich kenne viele die zum Beispiel ganz am Anfang beim Arzt waren und erst vier Wochen später einen Termin bekommen haben. Die Ärzte sagen das man am Anfang ohnehin nur den Dottersack sieht und Wochen später schon einen Blick auf den Embryo werfen kann. Diese Frauen wollten diese vier Wochen aber nicht warten und sind zwischendurch zur Notfallsprechstunde gefahren eben nur um nach dem Baby zu sehen. Ohne Beschwerden oder ähnliches. Ich halte das für unnötig und es hat nichts damit zu tun das man lieber einmal zu viel als zu wenig nachschauen sollte.

» Anijenije » Beiträge: 2593 » Talkpoints: 8,82 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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