Bundespräsident mit Joint-Erfahrung überhaupt wählbar?

vom 30.09.2022, 10:53 Uhr

In einem Interview in Zeit im Bild hat der jüngste Kandidat für die Bundespräsidentenwahl eingestehen müssen, dass er schon gesetzwidrig gehandelt hatte, indem er sich den einen oder anderen Joint angeheizt hatte. Als Bundespräsident ist er aber Staatsoberhaupt und hat sich an die Verfassung und somit auch an alle Gesetze zu halten.

Ist ein Bundespräsident mit Joint-Erfahrung überhaupt wählbar? Kann man einem Kandidaten solche „Jugendsünden“ nachsehen oder sollte ein Bundespräsident eine komplett weiße Weste haben, wenn er für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren möchte? :think:

» celles » Beiträge: 8553 » Talkpoints: 64,10 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Es ist doch nicht illegal, zumindest in Deutschland, einen Joint zu rauchen. In meiner Generation kenne ich kaum jemanden, der das noch nie zumindest probiert hat. Wenn man nicht geraucht hat, dann hat man Haschischkekse gegessen. Das wäre für mich kein Ausschlusskriterium für irgendetwas, auch wenn er oder sie es jetzt noch ab und zu tun würde. Manche trinken ein Gläschen Wein zur Entspannung, andere rauchen einen Joint.

» blümchen » Beiträge: 4733 » Talkpoints: 75,34 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


Ja, als Bundespräsident ist er Staatsoberhaupt. Was er aber vorher so getrieben hat und welche Jungendsünden er gemacht hatte, sollte egal sein. Denn als junger Mensch wusste die Person vielleicht noch nicht, ob sie sich für diesen Posten aufstellt, da sind Freunde und andere Sachen schlichtweg wichtiger. Oder hättest du gewusst, ob du in zwanzig Jahren die Person bist, die du heute bist? Und selbst der deutsche Söder trinkt gerne mal ein Bierchen und er ist/war Ministerpräsident von Bayern, das sollte er dann sicher auch mal schleunigst unterlassen, oder?

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12113 » Talkpoints: 42,41 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Bei den meisten PolitikerInnen, die hierzulande so herumtölpeln, wäre ich froh, wenn ein "Joint" ihr größtes Problem wäre, und nicht, was weiß ich, Arroganz, Inkompetenz oder ein völliger Mangel an Entscheidungsfähigkeit. Ich finde es generell verlogen, von VolksvertreterInnen eine absolut makellos weiße Weste mit regelmäßigem Kirchgang, heterosexueller monogamer Beziehung und Kinder nur bei Männern zu erwarten oder zu verlangen. Wie sollten die auf diese Art irgendwen oder irgendwas vertreten oder repräsentieren, wenn jeder pensionierte Studienrat eine wildere Jugend hatte?

Klar, wenn irgend etwas oder schlimmer noch jemand zu Schaden kommt, ziehe ich schon auch die Grenze. Aber generell stößt mir die Doppelmoral schon sehr sauer auf. Wenn mal wieder ein Skandälchen aufgedeckt wird, und einer der besagten Volksvertreter durch Vetternwirtschaft, Bestechung oder einfach nur Selbstüberschätzung ein paar Millionen versickern lässt oder selber abgreift, ist das eben so. Politiker dürfen das mehr oder weniger.

Aber ein "Joint" oder auch mehrere oder wie bei der finnischen Staatschefin eine ausgelassene Party, da ist das Geschrei bei den Spießbürgern dann groß. Während sich unsere Staatschefs stolz mit ganzen Eimern einer Partydroge ablichten lassen, weil es da ja um Kultur und Brauchtum geht.

» Gerbera » Beiträge: 10701 » Talkpoints: 3,57 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Was ist denn nun daran so schlimm? Ein Joint ist ja an sich noch nicht einmal wirklich etwas illegales. Und selbst wenn man mit 20 mal einen Joint geraucht hat, warum sollte man dann Zeit seines Leben unwählbar sein? Wer von uns hat denn tatsächlich eine weiß Weste und nie etwas Unrechtes getan? Da dürfte die Auswahl wohl sehr überschaubar sein.

Und selbst wenn. Macht es nicht sogar Sinn, wenn man hin und wieder auch mal selbst ein wenig Erfahrung gesammelt hat, wenn man selbst eben auch mal auf der "falschen" Seite des Gesetztes war und dann nachvollziehen kann, warum manch einer eben auch mal vom rechten Weg abkommt? Vielleicht hat man dann auch für die gesamte Gesellschaft einfach viel mehr Verständnis, wenn man eben weiß, wie es ist auch mal über die Stränge zu schlagen.

Ich denke, wir sollten uns auch mal im Klaren darüber sein, dass auch Politiker nur Menschen sind, dass auch diese ein Leben vor ihrer Karriere hatten und auch ein Privatleben nach ihrer Arbeit haben. Und man kann jetzt nicht denken, dass sie da irgendwie besser sein müssen als der Rest der Bevölkerung.

» Klehmchen » Beiträge: 5468 » Talkpoints: 1.003,22 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Also ich denke, dass Scholz so etwas nie gemacht hätte, er ist zwar nicht Bundespräsident, sondern Bundeskanzler. Ich wünschte, wir hätten solch einen Kanzler oder Scholz als Bundespräsidenten als einen Bundespräsidenten, der schon langsam 80 wird und Null Charisma hat.

» celles » Beiträge: 8553 » Talkpoints: 64,10 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


celles hat geschrieben:Also ich denke, dass Scholz so etwas nie gemacht hätte, er ist zwar nicht Bundespräsident, sondern Bundeskanzler. Ich wünschte, wir hätten solch einen Kanzler oder Scholz als Bundespräsidenten als einen Bundespräsidenten, der schon langsam 80 wird und Null Charisma hat.

Nun ja ich weiß jetzt nicht wie deine Vorstellungen so aussehen, aber zumindest ich persönlich finde jetzt nicht gerade, dass Olaf Scholz unglaublich viel Charisma hat. Also wenn ich den irgendwo sehe und nicht wüsste, dass er Bundeskanzler ist oder vorher mal Bürgermeister in Hamburg war, dann würde ich ihn am ehesten hinter irgendeinem Schreibtisch bei einer Versicherungsanstalt verorten. Das ist jetzt auch nicht böse gemeint.

Aber da war ein Gerhard Schröder schon anders und auch ein Christian Lindner oder auch Markus Söder kommen da schon charismatischer rüber, egal ob man die nun alle mag oder nicht, aber das waren zu ihrer Zeit oder sind es heute Politiker, die schon eine gewisse Ausstrahlung hatten, wo man sagen kann, ja den kenn ich, der fällt auf.

Nichts desto trotz stellt sich da natürlich die Frage, ob ein Bundespräsident denn überhaupt so sein muss oder sollte. Denn ganz praktisch, ich weiß das klingt schnippisch, hat er ja nicht viel zu entscheiden und ist ja eher eine Art Winke-Onkel, der ein wenig zwischen allen vermitteln soll. Da braucht man dann doch eher das Gemüt und die Ausstrahlung des weisen Großvaters oder der weisen Großmutter, finde ich. Wo man merkt, ja der oder die bleibt ruhig, hat irgendwie schon alles erlebt, versteht deswegen alle und kann trotzdem für alle einen guten Kompromiss finden, wenn sich die "Jungspunde" die Köpfe einschlagen würden.

» Klehmchen » Beiträge: 5468 » Talkpoints: 1.003,22 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Klehmchen, der Bundespräsident in Österreich hat aber ganz andere Befugnisse und Funktionen als der Deutsche. Das kannst du nicht vergleichen. Das ist kein reiner Winke-August.

Celles, ich fände es angenehmer, wenn Olaf Scholz mal gekifft hätte, als bei Cum ex und Wirecard geflissentlich wegzuschauen und dann, als man aufgeflogen ist, die Ermittlungen zu verschleppen. Auch Abführmittel zu akzeptieren, um Dealer zu überführen und dabei Tote in Kauf zu nehmen, und hinterher jede Verantwortung abzustreiten, mag moderne Politiker auszeichnen. Vorbildlich, staatsmännisch oder auch nur halbwegs integer ist es aber bestimmt nicht.

» cooper75 » Beiträge: 12733 » Talkpoints: 377,02 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


cooper75 hat geschrieben:Klehmchen, der Bundespräsident in Österreich hat aber ganz andere Befugnisse und Funktionen als der Deutsche. Das kannst du nicht vergleichen. Das ist kein reiner Winke-August.

Na aber die Politik macht doch am Ende des Tages dort genauso die Regierung mit dem Kanzler oder nicht? Ich meine rein auf dem Papier kann der deutsche Bundespräsident ja auch Minister entlassen oder die Regierung oder einfach verweigern die beschlossenen Gesetze zu unterschreiben und schon sind diese nicht in Kraft. Das macht halt nur in der Regel keiner.

Aber ich bin jetzt natürlich kein österreichischer Staatsbürger und weiß deswegen jetzt nicht, ob da womöglich die entsprechender Befugnisse einfach öfter auch eingesetzt werden oder ob es dann doch nur wie bei uns ist, dass solche Entscheidungen in der Praxis von der Regierung getroffen werden und dann nur der Form halber abgesegnet werden müssen. Zumindest kommt in der deutschen Berichterstattung es immer so rüber, dass eben doch der Kanzler mit der Regierung viel wichtiger wäre, was die Tagespolitik angeht.

» Klehmchen » Beiträge: 5468 » Talkpoints: 1.003,22 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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