Berufliche Karriere oder das Privatleben wichtiger?

vom 08.01.2022, 14:44 Uhr

Priorisierung von Karriere und Privatleben:

Karriere wichtiger
1
33%
Privatleben wichtiger
1
33%
Beides gleichermaßen
1
33%
Weiß nicht
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 3

Waren vor einigen Jahren vielen Menschen die Karriere wichtiger als ihr Privatleben, so hat sich das mittlerweile schon ziemlich gedreht. Immer weniger Menschen sind bereit, für einen Job den Wohnort zu wechseln und ihr vertrautes Familien- und Freundesumfeld zu verlassen. Wie würdet ihr denn handeln, wenn ihr zwischen Karriere oder Privatleben entscheiden müsstet und welche Kriterien wären für euch ausschlaggebend?

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» info-hotline » Beiträge: 192 » Talkpoints: 123,70 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich kann für mich ganz klar sagen, dass ich nie wieder für Job und Karriere Abstriche oder Kompromisse im Privatleben machen werde.

Ich habe studiert, ein Referendariat gemacht, Staatsexamen, einen gut bezahlten Job mit Umzug und viel Pendelei. Tage mit mehr als 12 Stunden, viele Einbußen im Bereich Freundschaften, Hobbys und Wohlbefinden. Aber was tut man nicht alles, um voranzukommen, Kohle zu scheffeln und "gut situiert" zu sein.

Dann kam der große Knall. Gesundheitlicher und psychischer Zusammenbruch, über zwei Jahre Arbeitsunfähigkeit und dank der Konzentration auf Karriere ein sozialer Absturz vom allerfeinsten.

Wenn ich daraus etwas gelernt habe, dann, dass die Karriere mich nicht glücklich macht. Der gute Verdienst bringt mir nichts, wenn ich mich in dem Wohnort nicht wohlfühle, wenn ich keine Zeit habe, das Geld auszugeben oder wenn Haustiere, Freunde und Hobbys auf der Strecke bleiben.

Heute muss der Job sich meinem Leben anpassen, nicht andersrum.

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» CCB86 » Beiträge: 2024 » Talkpoints: 2,79 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Für mich stand eine richtige "Karriere" nie zur Debatte. Ich stamme aus kleinbürgerlichen Verhältnissen und bin die erste meiner Generation, die überhaupt Abitur gemacht hat. Das äußerste der Gefühle, das man mir zugetraut hat, war "Lehrerin", wegen der Verbeamtung und den vielen Ferien. Ganze Branchen und Wirtschaftszweige hatte ich gar nicht erst auf dem Radar, als es um die berufliche Weichenstellung ging, weil mein Umfeld gar nicht in die Nähe von Leuten gekommen ist, die tatsächlich "Karriere" gemacht haben.

Ich fasse den Begriff Karriere aber auch relativ eng. Filialleitung in der Sparkasse oder im Einzelhandel ist für mich beispielsweise noch keine Karriere, sondern ein etwas besserer Job. Für mich bedeutet Karriere eine kontinuierliche Weiterentwicklung hin zu mehr Kompetenz, mehr Verantwortung und mehr Geld, ohne dass ab dem mittleren Management der Deckel drauf kommt. Deswegen kann ich auch nicht sagen, dass ich etwas vermisse, weil ich mein Privatleben die letzten 20 Jahre nicht dem Mammon und der Jagd nach Geld und Erfolg untergeordnet habe. Ohne Vitamin B wäre ich sowieso nicht weiter gekommen als bis zum Burnout.

» Gerbera » Beiträge: 10571 » Talkpoints: 4,12 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Ich bin auch noch sehr jung und habe als Krankenschwester eine gut bezahlte Stelle in einer Zeitarbeitsfirma. Das bedeutet, dass ich deutschlandweit fahre und dann immer wieder bei verschiedenen Einsätzen bin. Vor Ort bekomme ich eine Unterkunft gestellt und außerdem Verpflegungsgeld sowie einen sehr guten Stundenlohn und großzügige Schichtzulagen. Außerdem kann ich mir aussuchen, in welchen Schichten ich arbeiten will. Diese Freiheiten habe ich bei normalen Stellen als Krankenschwester hier in der Umgebung nicht.

Jedoch muss man grade bei meinem Beruf sagen, dass es mich im Privatleben sehr einschränkt. Ich möchte keine Kinder haben, aber wenn das der Fall wäre, dann müsste ich entweder meinen Job bei der Zeitarbeitsfirma kündigen oder die Kinder würden mich nicht sonderlich viel sehen. Beides sind Faktoren, die für mich nicht sonderlich schön sind. Da ich aber keine Kinder haben möchte, steht das nicht zur Debatte.

Allgemein denke ich aber, dass es jeder für sich entscheiden muss. Jeder muss für sich festlegen, wo seine Prioritäten sind und wie glücklich man mit den Alternativen ist. Wenn man mit einem anderen Job vielleicht mehr verdienen würde, da aber total unglücklich ist und das Privatleben darunter leidet, dann sollte man für sich selbst entscheiden, womit man glücklicher ist beziehungsweise womit man besser klarkommt. Eine allgemein gültige Aussage gibt es hier nicht.

» Hufeisen » Beiträge: 6033 » Talkpoints: 4,50 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



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