Oje, der arme Horrorsektor, zusammengeschrumpft auf King und Hohlbein. Das ist ja fast schon ein Grauen für sich. Ernsthaft, versuch es mal mit dem guten, alten Stoff – natürlich nicht allem davon. Wer mal Dracula oder Frankenstein gelesen hat, der weiß: Gruselig ist irgendwie etwas anderes. Heute jedenfalls. Aber deshalb Bram Stoker GANZ aus der Hand legen? Lieber nicht, denn der Mann hat auch noch eine Reihe Kurzgeschichten geschrieben, von denen einige echter Horror sind. Mein Favorit ist „Die Sqaw“ welcher (trotz des Titels) im alten Nürnberg spielt und einiges über Touristen aussagt.
Oder ein paar fiese, kleine Geschichten von dem Mann der den moderne Kriminalroman erfand – und einer der besten, stimmungsvollsten Horrorautoren bis heute ist: Edgar Allan Poe. Auch wieder Kurzgeschichten, aber dieses Medium ist dem Horror einfach am besten angepasst. Und wenn man sich auf den altersschweren, etwas gothischen Schauder einlassen mag, dann ist man da genau richtig. Nebenbei staunt man immer wieder, wieviel davon man in verwässerter, nachgeplapperter Version kennt, denn beim guten alten E. A. Poe haben sich viele bedient. Außerdem versteht man dann endlich die ganzen Raben – Nevermore Witze.
Wer lieber weniger gothischen Grusel haben will, der kann es ja mal mit H.P. Lovecraft versuchen, dem wir wiederum dem modernen Horrorroman zu verdanken haben – obwohl DER wiederum Poe zu seinen großen Vorbildern zählte und eigentlich sich reichlich fehlplaziert im 20. Jahrhundert vorkam. Aber er ist sozusagen der geistige Opa vom Alien und die „lovecraftschen Monster“ sind sowas wie eine eigene Monsterklasse im Horror. Außerdem ist er wiederum das große Vorbild eines gewissen S. King gewesen, was naheliegt, denn beide leben (lebten) in Neuengland. Auch Lovecraft nutzt diese Kulisse für seine Geschichten, was manchmal für einen Europäer ein klein bisschen komisch zu lesen ist, wenn er von „altersgrauen Häusern“ schreibt, die grad mal 200 Jährchen auf dem Buckel haben.
Aber WIE er es beschreibt was da im alten Hexenhaus umhergeht und woraus Pickmanns Modell wirklich besteht und was der junge Reisende WIRKLICH in jener Nacht in Innsmouth erlebte – wer es in einer stürmischen Nacht liest ist selbst schuld wenn es danach mit dem Schlafen nicht mehr so richtig klappen will.
Und zuletzt noch ein Autor unserer Tage, Clive Barker, den die meisten vermutlich als das kranke Hirn kennen, aus dem „Hellraiser“ gekrabbelt ist. Der Mann schrieb u.a. auch einiges an Horrorgeschichten, zusammengefasst in den sechs „Büchern des Bluts“, wobei er im Vorwort feststellt, das wir alle Bücher des Bluts sind: Wenn man uns aufschlägt, lesbar rot. Seine Pointen sind oft ausgesprochen gemein und nicht selten auf eine reichlich gruselige Weise witzig. Schauplatz seiner Geschichten ist meistens das England von heute (zuweilen auch die USA) und bei ihm kann es einem leicht mal passieren, das man die Geschichte auf Seiten des Monsters liest. So und auch wenn das alles Short Storys sind, es ist ziemlich viel Stoff und wird euch erst einmal gut in Trab halten – mindestens bis der nächste King rauskommt.
