Wäre 1000 Euro-Entlastungsprämie auch für Rentner fair?
Aufgrund momentan sehr hohen Energiepreise wurde von der Bundesregierung im April 2026 eine neuerlicher "Krisenbonus" beschlossen. Die Entlastungsprämie ermöglicht es Arbeitgebern ihren Mitarbeitern ein zusätzliches Gehalt steuer- und abgabenfrei von bis zu 1000 Euro auszuzahlen.
Profitieren von dieser Regelung tun im Prinzip also hauptsächlich Voll- und Teilzeitkräfte und vielleicht noch die Rentner, die einen Minijob haben und ihre Rente so aufstocken. Alle anderen Rentner gehen dabei jedoch leer aus.
Wie seht ihr das, hätte es auch für Rentner eine zusätzliche Entlastung der steigenden Kosten geben müssen? Wie kann man eurer Meinung nach auch diese doch eher finanziell schwache "Zielgruppe" besser unterstützen?
Das Ganze erinnert mich an eine spätabends in der Politikerklause nach reichlich Alkoholgenuss von einem schwankenden Tölpel in die Runde geworfene, nicht ernst gemeinte Schnapsidee. Diese 1000 Euro müssen doch erst einmal erwirtschaftet worden sein. In der Öffentlichkeit kann leicht wieder einmal der Eindruck entstehen: "Ja, die geizigen Arbeitgeber, die häufen Gewinne an, verdienen sich dabei eine goldene Nase."
"Dann können sie auch so ganz leicht bei mittleren Betrieben in die fünfstelligen Eurobeträge gehende "steuerfreie" Boni locker aus der Portokasse bezahlen."
Und die Titulierung "steuerfrei" ist auch nicht so klar kommuniziert worden, dass das bedeutet, dass nicht doch darauf beruhende Sozialabgaben abgeführt werden müssen, oder dieser Betrag zumindest bei der Berechnung der Krankenkassenbeiträge mit berücksichtigt werden muss. Der Bürgergeldempfänger bekommt die 1000 Euro nicht, soweit ich das verstanden habe. Wieder so ein Etikettenschwindel. Genauso wie die Rüruprente.
Eine echte Entlastung für die Endverbraucher aller gesellschaftlichen Schichten würde die Subventionierung und Deckelung des Energiepreises bewirken. Die Lobby der Ölkonzerne und Elektroenergieversorger ist allerdings nur schwer davon zu überzeugen, dass das Zeitalter der ständig steigenden Gewinnmargen wohl vorbei ist. Diese müssten zuerst ihren Beitrag zur Preisstabilität leisten.
Die monatlichen Abschläge für Strom sind bei mir stetig gestiegen, obwohl ich mich zu den echten Energiesparern zählen darf. Der Verbrauch ist statt zu steigen in den letzten Jahren sogar geringfügig gesunken. Ich frage mich ernsthaft, welche Logik dahinterstecken mag, außer die der Gewinnmaximierung auf Erzeugerseite.
Um etwas näher an die thematische Fragestellung zu kommen, ob Rentner mit in die Bonusvergabe einbezogen werden sollen, das scheint mir eine Lücke in der Kommunikation darzustellen. Die ist aber beabsichtigt, weil angenommen wird, dass die Rentner nicht derartig viel energieverbrauchend unterwegs sein müssen wie Arbeitnehmer, die ihr Auto hauptsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle benutzen. Der Benzin- und Dieselpreis sollte niemals so hoch werden, dass nur noch fürs Auto gearbeitet wird.
Rentner könnten leichter auf den fahrbaren Untersatz verzichten, zumindest zeitweise. So der Tenor. Insofern stellt sich die Frage nach der Fairness ganz anders.
Gorgen_ hat geschrieben:Das Ganze erinnert mich an eine spätabends in der Politikerklause nach reichlich Alkoholgenuss von einem schwankenden Tölpel in die Runde geworfene, nicht ernst gemeinte Schnapsidee. Diese 1000 Euro müssen doch erst einmal erwirtschaftet worden sein. In der Öffentlichkeit kann leicht wieder einmal der Eindruck entstehen: "Ja, die geizigen Arbeitgeber, die häufen Gewinne an, verdienen sich dabei eine goldene Nase."
"Dann können sie auch so ganz leicht bei mittleren Betrieben in die fünfsstelligen Eurobeträge gehende "steuerfreie" Boni locker aus der Portokasse bezahlen."
Was soll daran eine Schnapsidee sein? Politisch ist es eine tolle Idee. Der Bürger fühlt sich entlastet und den Staat kostet es nichts. Im Übrigen ist nicht von 1.000 Euro die Rede, es dürfen bis zu 1.000 Euro sein. Der Arbeitgeber kann es lassen, er kann weniger zahlen und, falls er etwas gibt, mehrere Raten einplanen.
Zuerst sollte man überlegen, ob das überhaupt ansatzweise fair ist. Denn insbesondere die prekär Beschäftigten im Niedriglohnsektor dürften reihenweise leer ausgehen. Tariflich gebundene Unternehmen, die im Durchschnitt besser zahlen, dürften eher bereit sein, zu zahlen.
Das ist also keine echte Hilfe für Menschen, die jetzt jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Es ist Klientelpolitik für die obere Mittelschicht und darüber. Fairness sieht anders aus, Solidargemeinschaft auch.
Und die Titulierung "steuerfrei" ist auch nicht so klar kommuniziert worden, dass das bedeutet, dass nicht doch darauf beruhende Sozialabgaben abgeführt werden müssen, oder dieser Betrag zumindest bei der Berechnung der Krankenkassenbeiträge mit berücksichtigt werden muss. Der Bürgergeldempfänger bekommt die 1000 Euro nicht, soweit ich das verstanden habe. Wieder so ein Etikettenschwindel. Genauso wie die Rüruprente.
Was ist daran bitte nicht klar kommuniziert? Steuern sind keine Sozialabgaben und Sozialabgaben keine Steuern. Das Steuerbrutto und das Sozialversicherungsbrutto sind nicht automatisch identisch. Wenn die Zusatzzahlung steuerfrei ist, fallen natürlich Sozialabgaben bis zur Beitragsbemessungsgrenze an. Logisch, oder?
Mittlerweile ist der Gesetzestext raus und wer das Geld bekommt, profitiert nicht nur von der Steuerfreiheit. Auch die Sozialabgaben werden nicht fällig. Man kann keine Präzisierung von ungelegten Eiern erwarten. Man muss schon den endgültigen Beschluss abwarten.
Da verstehe ich auch nicht das Meckern über die Rürüp Rente. Auch da hat niemand versprochen, dass die Sozialabgaben entfallen. Der interessante Teil besteht genau wie bei der betrieblichen Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung darin, dass nachgelagert besteuert wird. Also sparst du in Zeiten hohen Einkommens kräftig Steuern, in der Rentenzeit wird es durch die Progression günstiger. Mit Sozialabgaben hat das nichts zu tun.
Und wo bitte soll der Etikettenschwindel für Bürgergeldempfänger sein? Aufstocker können die Entlastungsprämie vom Arbeitgeber anrechnungsfrei behalten. Wer keinen Arbeitgeber hat, kann nicht profitieren. Wo liegt jetzt genau das Problem?
Das gilt auch für Rentner. Wer in der Rente dazuverdient, kann die Entlastungsprämie erhalten. Auch hier reicht ein Minijob aus. Wichtig ist bei allen Arbeitnehmern nur, dass der Arbeitgeber die Zweckbindung bescheinigt. Steuer- und sozialabgabenfrei ist die Zahlung nur, wenn sie zusätzlich zum normalen Entgelt erfolgt und dem Ausgleich der steigenden Energiekosten dient. Ein Vermerk auf der Gehaltsabrechnung genügt.
Erst einmal herzlichen Dank an @cooper75 für die profunden Erläuterungen, die für mich immer wieder eine echte Bereicherung darstellen.
Zum Thema private Rentenvorsorge kann ich nur von meinen durchaus negativen Erfahrungen berichten. Bis vor ein paar Jahren mussten Sozialabgabenbeiträge dafür nachentrichtet werden. Das wurde durch gesetzliche Neuregelung abgeschafft. Trotzdem ist der Saldo der einen der mehreren derartigen meiner Vorsorgemaßmahmen negativ. Die Höhe der Auszahlung ist geringer als die eingezahlten Beiträge. Der Rest geht auf Konto Krankenversicherungsbeitrag (10-Jahres-Regel) und versicherungstechnische Verwaltungskosten.
Hätte ich das Geld auf ein Sparbuch oder auch nur unters Kopfkissen gelegt, hätte ich jedenfalls mehr Geld. Das ist vorher von den Versicherungsgesellschaften keineswegs klar kommuniziert worden. Auch hatte ich mich ganz bewusst nicht für ein riskantes Modell entschieden. Keine Börsenspekulation. Trotzdem Verlust.
Hätte ich damals eine Risterrente zusätzlich abgeschlossen, wäre ich in eine ungünstigere Steuerklasse eingruppiert worden. Hätte zwar den Riester-Steuervorteil bekommen, gleichzeitig aber monatlich mehr Lohnsteuer zahlen müssen, wobei zu dem Zeitpunkt bereits die Differenz für mich negativ ausgefallen wäre. So dumm, dass ich das nicht gemerkt hätte, war ich nicht. Also habe ich davon Abstand genommen. Sowas nenne ich dann Etikettenschwindel. Man könnte es aber - political correct - eher mit durchaus differenzierter Modellvielfalt bezeichnen.
Apropos, bei der privaten Altersgeldvorsorge sollte man stets im Auge behalten, das die klassische Rente im Sinne von "Alterslohn für Lebensleistung" an die Löhne der Arbeitnehmerschaft und damit an die Inflationsrate gekoppelt ist. Somit findet ein Kaufkraftausgleich statt, den ich bei klassischen Modellen der Altersvorsorge, wie sie die Versicherungsgesellschaften empfehlen, vermisse.
Was nützt mir das Geld mit maximal hoch angesetzten 10% Gewinn aus Börsenspekulationen, gekoppelt an den DAX, wenn später das Geld nichts mehr wert ist? Allein die Höhe der Geldsumme macht es nicht, sondern das, was ich für das Geld kaufen kann, und sich damit der bisherige Lebensstandard aufrecht erhalten lässt, ohne zusätzlich noch einer Nebentätigkeit nachgehen zu müssen.
Dass Rentner, sofern sie Nebentätigkeiten nachgehen, ebenfalls den angedachten Bonus erhalten können, daran hatte ich bei der ursprünglichen Fragestellung nicht gedacht. Für mich sind sie dann eben "Arbeitnehmer", und für diese Gruppe gelten entsprechende Regelungen.
Unter Rentner verstehe ich Leute, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen und im Wesentlichen von der staatlichen Transferleistung "Rente" ihren Lebensunterhalt bestreiten. Also so wie so schon dem Staat auf der Tasche liegen. Und da könnte der Staat sagen, "nein, ihr bekommt ja schon Geld vom Staat." Der Niederländer würde augenzwinkernd sagen: "Helaas pindakaas".
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