Sollte Merkel noch weiter politisch in Erscheinung treten?

vom 08.04.2022, 21:57 Uhr

Unsere Altkanzlerin Angela Merkel hält sich derzeit in Italien auf und scheint das politische Leben um sie herum kaum noch wahr zu nehmen. Dafür hagelt es angesichts des Ukraine-Krieges viel Kritik, vor allem aus der Ukraine selbst.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte sie nach Butscha eingeladen, um sich anzusehen, wie die Folgen ihrer russlandfreundlichen Politik aussehen. Darauf habe Merkel nicht geantwortet. Der ukrainische Botschafter hatte daraufhin nur getwittert, dass italienische Sehenswürdigkeiten auch interessanter wären als tote Ukrainer.

Ich persönlich kann diese Kritik nicht so ganz nachvollziehen, denn von einer ehemaligen Kanzlerin erwarte ich einfach nicht, dass sie auch im Rentenalter noch weiter politisch tätig sein muss. Mir ist bekannt, dass die bisherigen Altkanzler sich oft auch weiter zu Wort gemeldet haben und weiter ihren Einfluss geltend gemacht haben, um irgendetwas zu erreichen.

Aber ich persönlich gehe einfach nicht davon aus, dass das jeder so machen muss. Ich finde, sie hat auch ein Recht, jetzt nach ihrer politischen Karriere einfach wieder Privatmensch zu sein, wenn sie das so möchte. So hatte ich sie bisher auch eingeschätzt, denn sie hatte es auch in einigen Interviews so anklingen lassen.

Insofern finde ich ihre Reise nach Italien nicht verwerflich. Und es hätte im Endeffekt ja auch keinerlei positive Auswirkungen, wenn sie nach Butscha gereist wäre. Sie hätte nichts mehr ändern können. Sie hat sich entschieden, die Politik ganz hinter sich zu lassen, und damit sehe ich sie auch nicht mehr in der Pflicht, weiter politisch aufzutreten.

Wie seht Ihr das? Sollte Merkel gerade jetzt in den Kriegszeiten noch politisch ihren Einfluss geltend machen? Hat sie Eurer Meinung nach eine vielleicht moralische Pflicht, sich weiter für Deutschland einzusetzen? Oder darf sie jetzt einfach Privatmensch sein und ihre Freizeit verbringen, wie sie es möchte?

» SonjaB » Beiträge: 2532 » Talkpoints: 49,81 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Sie führt ja auch eine Ehe, ist eine Frau, die nun wirklich lange in der Politik aktiv war und ich finde sie muss gar nichts. Es ist ja auch nicht so, dass sie irgendetwas machen könnte. Es ist auch nicht so, dass der Scholz von irgendwem ausgegrenzt werden würde, er wird ja schon als Kanzler gesehen und daher finde ich, dass man hier gar keine Handhabe hat dies zu verlangen. Natürlich kann ich verstehen, dass man ihr mehr Kompetenz zuschreibt und vielleicht auch ein besseres Händchen mit der Außenpolitik, aber letztendlich muss man auch Scholz eine Chance geben und nun nach ihr zu verlangen finde ich auch irgendwie frech.

Sie hat doch lange genug gearbeitet. Sie hat sich fertigmachen lassen, ihr Privatleben hinten angestellt und natürlich wird sie das belasten, aber was kann sie denn noch machen? Sie hat doch gar keine Möglichkeiten mehr und dass man aus deutscher Sicht der Ukraine beisteht ist doch schon klargemacht wurden. Ich finde die hat ihren Ruhestand verdient und soll sich mit ihrem Mann eine schöne Zeit machen. Sie hat sich das verdient, denn Krisen gibt es immer und wenn sie immer zur Verfügung stehen würde, könnte sie ihr Privatleben nun endgültig an den Haken hängen.

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» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge


Ich denke nicht, dass es darum geht, dass Angela Merkel ihr Privatleben nicht verdient hätte. Es geht eher darum, dass sie in ihrer Kanzlerperiode einen sehr russlandfreundlichen Kurs angesteuert hat und die Augen vor der Problematik Putin verschlossen hat. Außerdem wurde während ihrer Amtsperiode mit den von ihr benannten Verteidigungsministern, aber auch schon unter Schröder) die Bundeswehr herabgewirtschaftet. Aber Selenskij spielt hauptsächlich auf ihren russlandfreundlichen Kurs und das freundschaftliche Verhältnis zu Putin in seiner Forderung an und dass sie jahrelang die Augen vor Putins Tun verschlossen hat.

Selenskij versucht uns auf teilweise unangenehme Art und Weise die politischen Fehler aufzuzeigen. Teilweise finde ich dieses ständige Fordern auch als sehr anstrengend, aber wenn du einen großen, gewalttätigen Nachbarn hast, der einfach mal so in dein Land einmarschiert, weil es die Ukraine geschichtlich ja gar nicht gäbe und der dein Land annektiert, dann kann man die Verzweiflung schon verstehen.

Es geht nicht wirklich darum, dass Angela Merkel nun Urlaub in Italien macht und wirklich nach Butscha kommen sollte. Vielleicht sollte sie es doch tatsächlich tun, auch wenn sie politisch nicht mehr aktiv ist, um den Schaden, den Putin anrichtet mal anzuschauen? Es geht einfach um die russlandfreundliche Politik, die Angela Merkel praktiziert hat. Es geht nicht darum, dass sie weder Urlaub noch Privatleben verdient hätte. Selenskij versucht so vor Augen zu führen, dass in der Vergangenheit gravierende Fehler gemacht wurden und dass sie teilweise mitverantwortlich ist.

Aufgrund ihres Lebenslaufes kann man diese sogar fast verstehen, aber im Falle Russland haben sehr viele Politiker, auch Merkel, Schröder und andere, die Situation schlichtweg unterschätzt und bereits bei der Annektierung der Krim hätte klar sein müssen, dass der gewalttätige Nachbar nun auf eine Schneise runter zur Krim setzt und dass dieser Angriff über Jahre hinweg vorausschaubar war.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 11989 » Talkpoints: 9,63 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



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