Welche Umstände machen das USA-Wahlergebnis so knapp?

vom 07.11.2020, 21:13 Uhr

Heute am frühen Abend verkündeten die Nachrichten den Sieger der US-Wahlen, Joe Biden. Die Auszählungen der meisten Staaten sind nun durch und der Wahlsieger steht ziemlich sicher fest, auch wenn Trump das Ergebnis immer noch nicht akzeptieren und anerkennen möchte.

Mich hat dennoch erstaunt wie knapp doch das Ergebnis letztendlich geworden ist. Ich, als Außenstehende, hätte mir nicht vorstellen können Trump zu wählen. Man hört jedoch, dass tatsächlich für viele die Wahl lediglich eine zwischen Pest und Cholera war. Man las in Schlagzeilen, dass die Wahl oft keine für Biden sondern gegen Trump war. Und andererseits hört und liest man ja auch weiterhin sogar von vielen Trump-Anhängern und wie diese nun in den Aufstand für ihren noch amtierenden Präsidenten gehen.

An welchen Umständen liegt es eurer Meinung nach, dass die Wahlen so knapp sind? Hat man mit Biden (einem 77-jährigen Politiker) den falschen Wahlgegner gewählt?

» EngelmitHerz » Beiträge: 2578 » Talkpoints: 17,18 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Hier in Deutschland sind wir eine andere Art von Politiker gewöhnt. Unsere Politiker sind ziemlich langweilige Menschen und wegen der geringsten Verfehlungen oder weil einfach mal jemand mit einer Aussage jemandem auf den Schlips getreten hat, kommen Rücktrittsforderungen. Denke beispielsweise an Christian Wulff, dem es das Genick brach, dass er sich bei einem reichen Freund Geld lieh. Unsere Politiker müssen scheinbare Saubermänner sein, moralisch sonstwie erhaben, wie es der Normalbürger gar nicht ist. Außerdem finden wir das in Deutschland irgendwie nicht moralisch ok, wenn jemand reich ist. Menschen mit viel Geld sind böse Kapitalisten, die andere ausnutzen. Bei uns gibt es langweilige politische Talk Shows, bei denen man fast einschläft und ein Politiker, der noch irgendwie anders Geld verdient als über seine Ämter steht schon von vorn herein schlecht da, wie etwa Friedrich Merz.

Trump ist das ganze Gegenteil davon und in den USA werden Menschen, die wirtschaftlich sehr erfolgreich sind, auch eher bewundert und als Idole gesehen. Außerdem geht es da nicht so langweilig zu, da ist ein Wahlkampf härter und mehr auf Konfrontation ausgerichtet. Nun kann man sagen, was man will, aber Trump repräsentiert such gewisse Sehnsüchte von Menschen - eben nicht politisch korrekt zu sein, sagen was man will, sich keine Sorgen um schlechte Presse machen. Er steht damit auch für einen Stil, den man durchaus schätzen kann. Unabhängig von den konkreten politischen Inhalten finde ich es ganz gut, wenn sich jemand nicht den Mund verbieten lässt und auch mal bewusst gegen scheinbare Tabus verstößt. Dass er gesagt hat, sein Land ist ihm wichtiger als alle anderen und ihm egal - sag das mal in Deutschland, da wirst du gesteinigt. Hier würden schon Rücktrittsforderungen kommen, wenn ein Politiker zugibt, dass er den Müll nicht trennt.

Ich habe keine Ahnung, was Biden für politische Ziele hat, damit habe ich mich nicht beschäftigt, aber als Person finde ich Trump viel spannender und dieses Plautzige und nicht Korrekte gefällt mir besser als jemand, der einfach nur pure Langeweile ausstrahlt. Klar ist der Trump etwas crazy, aber trotzdem bewundere ich das auch, dass er einfach macht, was er will und mit dieser Taktik mehrere Jahre lang der wichtigste Mann der Welt war. Wäre ich Amerikaner, hätte ich ihn gewählt.

» Zitronengras » Beiträge: 9110 » Talkpoints: 0,69 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich glaube es gibt einfach immer sehr viele Menschen, die immer dasselbe wählen und würde ein Affe zur Wahl stehen, würden sie den wählen. Nun scheint ja aber dennoch ein gewisses Umdenken stattgefunden zu haben und man orientiert sich wieder anders. Es ist nun mal so, dass jeder Mensch seine Meinung hat und viele Amerikaner haben immer noch den Wunsch, dass man amerikaorientiert handelt und deswegen trotz der Amtsperiode Trump gewählt. Biden scheint da ja offener zu sein und natürlich auch für Amerika arbeiten, allerdings scheint er auch jemand zu sein, mit dem man letztendlich verhandeln kann.

Mir war schon bei der ersten Wahl nicht klar, wie man so eine Entscheidung für so einen Selbstdarsteller zu wählen, treffen kann. Das hat mich damals schon sehr schockiert und da bin ich einfach froh, dass sich das Blatt nun gewendet hat und wenn man dann so Aussagen trifft wie "Trump ist bewundernswert" finde ich wirklich schlimm, da er seinem Land wirklich stark geschadet hat mit seinem Verhalten und da sollte man auch seine Augen mal aufmachen und nicht nur daran orientiert sein möglichst viel Spannung zu haben, mit jemanden, der sich dauerhaft komisch darstellt.

Ich brauche keinen Witz, keinen Menschen, der alle über eine Klippe springen lassen würde, ich brauche jemanden, der die Weltwirtschaft im Blick hat und sich auch demokratisch zeigt, nicht mit jedem sofort Streit anfängt, Frauen respektiert und so weiter. Seine politische Vertretung sollte man nicht nach Spaß wählen, sondern nach dem Wahlprogramm.

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» Ramones » Beiträge: 43201 » Talkpoints: 3,52 » Auszeichnung für 43000 Beiträge



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