Wird Boris Palmer seine Äußerungen politisch überleben?

vom 03.05.2020, 19:43 Uhr

Boris Palmer war wegen seinen Äußerungen vor ein paar Tagen, die sinngemäß lauteten, dass es sich ja nicht lohnen würde ältere Corona-Patienten noch medizinisch zu versorgen, weil sie ja eh nicht mehr lange zu leben hätten, schwer unter Beschuss geraten. Nun fordern selbst einige seiner grünen Parteikollegen in einem offenen Brief, den Parteiausschluss von Palmer.

Selbst seine Entschuldigung nehmen die eigenen Parteikollegen nicht mehr an und bezeichnen ihn als Wiederholungstäter und unbelehrbaren politischen Geisterfahrer. Was glaubt ihr denn, wie die Affäre Palmer enden wird? Wird er diese politische Krise und ein angestrebtes Parteiausschlussverfahren überleben? Sollte er vielleicht als Tübingens Oberbürgermeister selbst zurücktreten und alle politischen Betätigungen erst mal ruhen lassen?

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» mikado* » Beiträge: 3023 » Talkpoints: 992,62 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Das ist eine Aussage die wirklich überhaupt nicht geht. Mag sein, dass es tatsächlich Menschen gibt die dann an anderen Krankheiten oder Altersschwäche versterben werden, aber solche Gedankengänge darf und kann man nicht öffentlich aussprechen wenn man sie schon denkt. Vor allem frage ich mich auch, was er damit bezwecken wollte. Deutschland war meines Wissens zu keiner Zeit in einem Versorgungsnotstand und ich glaube auch nicht, dass er bereit dazu gewesen wäre dann "Gott" zu spielen und zu entscheiden wer letztendlich gerettet werden darf.

Ein Trump in den USA hätte so eine Aussage vielleicht politisch trotzdem überlebt, aber ich glaube definitiv nicht, dass man mit solchen unmoralischen Äußerungen politisch noch eine Chance bekommt. Offensichtlich war das ja nicht der erste Fauxpas wenn er schon als "unbelehrbar" betitelt wird. Ich glaube also durchaus, dass er sich damit endgültig ins Aus geschossen hat. Da hilft auch keine Entschuldigung und nachträgliche Rechtfertigung.

» EngelmitHerz » Beiträge: 2503 » Talkpoints: 52,13 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich habe mir den Kontext, in dem diese Aussage stand, mal angeschaut, weil ich es immer schwierig finde, wenn ein einzelner Satz aus einem Interview genommen und zum Scheißesturm aufgeblasen wird.

Aber auch mit Kontext verstehe ich den Gedankengang nicht wirklich. Er meinte jedenfalls, dass der Lockdown schlecht für die Wirtschaft wäre, dass davon ja eigentlich nur die Risikogruppen profitieren würden und die Kinder in Entwicklungsländern leiden würden, weil weniger deutsche Wirtschaftsleistung weniger Geld für Entwicklungsprojekte bedeutet. Oder irgendwas in der Art. Irgendwie ist der Gute da bei der Logik mehrmals falsch abgebogen.

Das ist aber nicht sein erster Ausrutscher und ich glaube das hat irgendwie schon Methode, da steckt auch ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit dahinter. Bisher hat er alle diese Skandälchen überlebt und ich habe mir sagen lassen, dass er in seinem eigentlich Job nicht schlecht ist. Er müsste nur lernen, dass man erst nachdenkt und dann den Mund aufreißt.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25652 » Talkpoints: 163,43 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



Auffällig an Herrn Palmer war schon immer, dass er in einigen Punkten völlig zur Parteipolitik konträre Meinungen vertritt und gerne querschießt. Seine hochkritische und für einen Grünen überraschend realistische Einstellung zur Flüchtlingspolitik zum Beispiel könnte man genauso gut in der AfD wiederfinden.

Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass er vielen Grünen schon lange ein Dorn im Auge ist und schon lange auf der Abschussliste steht. Ich denke, dass sein Ausfall vielen in der Partei sehr gelegen kommt, wohingegen manch anderer Grüner mit dieser Aussage sehr wohl in der Partei überlebt hätte. Obwohl ich nicht so weit gehen würde, dass seine Politkarriere damit insgesamt vorbei ist, Oberbürgermeister bleibt er ja trotzdem, nur mit den Grünen hat es sich halt erledigt.

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» Paulie » Beiträge: 401 » Talkpoints: 42,71 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich finde die Aussage in jedem Fall fragwürdig. Ich habe diese Aussage von Palmer im kompletten Zusammenhang gelesen/gehört, aber auch so, wie die Medien es gemacht haben. Das was er dort von sich gibt, finde ich sogar unglaublich frech. Was glaubt der eigentlich, wer er ist?

Seine Aussage ist so zu verstehen, wie ich in meinem Umkreis von jedem auch vernommen habe. Er meinte ja, dass Menschen gerettet werden würden, die sowieso in wenigen Wochen/Monaten wegen Krankheit oder dem Alter sterben würden. Ich meine, geht es eigentlich noch? Haben diese Menschen nicht von einem guten Gesundheitssystem dennoch eine adäquate Behandlung zu erwarten wie jeder junge und gesunde Mensch auch? Schließlich zahlen die auch Krankenkassen-Beiträge usw.

Für mich ist das langsam auch der Gipfel dessen, was der sonst gerne mal heraushaut. Er mag manchmal auch wirklich hinter der „grünen Brille“ im Gegensatz zu seinen Multikulti-Kein-Mensch-Ist-Illegal Mit-Politikern zu schauen und es anzusprechen, aber jetzt geht er wirklich zu weit. Es scheint ja auch derzeit wirklich Ärger zu geben.

Meine Vermutung ist zumindest, dass dies bald sein Ende politisch bei den Grünen darstellen wird. Denn dies ist ja von einigen zumindest schon hinter verschlossener Tür gesagt worden. Wie kommt das bitte bei den älteren Wählern an? Einer Risikogruppe zum Thema Covid19, die sich sagen lassen müssen, sowieso schon zu alt, sterben eh bald oder beides? Geht mal gar nicht. Sowas ist bestimmt auch nicht im Sinne der Grünen.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5406 » Talkpoints: 42,59 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


mikado* hat geschrieben:Wird er diese politische Krise und ein angestrebtes Parteiausschlussverfahren überleben?

Du schreibst doch selbst, dass er ein "Wiederholungstäter" ist. Daher ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass er ein Grüner bleibt. Und egal wie "empört" sich die Parteispitze auch geben mag - an der Grünen Basis wird ihm eine solche Aussage nicht zwingend nur schaden. Ebenso seine Aussagen zur Flüchtlingspolitik oder auch seine Ablehnung von Fahrverboten.

Aber auch die Grünen Spitzenfunktionäre wären unklug beraten, mit aller Macht einen Parteiaustritt zu erzwingen. Denn jeder bei den Grünen (gerade in Baden-Württemberg!) weiß, dass ein Palmer genauso gebraucht wird, wie einen Kretschmann (der übrigen Palmer immer wieder in Schutz genommen hat!).

Schließlich wollen die Grünen regieren und keine Minderheitenposition vertreten. Beim Thema Euthanasie ist natürlich aktuell eine Grenze fast überschritten worden. Der rettende Anker für Palmer war ja, dass er das nur das Wohlergehen der Wirtschaft im Sinn hatte. Und schon werden sich - aus seiner Sicht - genügend Menschen (bzw. Wähler) denken, dass er "irgendwie auch Recht" haben könnte.

» derpunkt » Beiträge: 9897 » Talkpoints: 88,33 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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