Habt ihr Probleme bei der Terminvereinbarung bei Fachärzten?

vom 17.10.2019, 23:26 Uhr

Wochenlanges Warten auf Behandlungstermine ist für viele Leute wirklich frustrierend. Beim Hausarzt bekommt man sehr zeitnah einen Termin, schwierig wird es oft bei Fachärzten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat dazu im Sommer 2019 eine Studie in Auftrag gegeben. Dort musste fast ein Drittel mehr als drei Wochen auf einen Termin warten. Unterschiedliche Wartezeiten gibt es je nach Patientenanliegen, der Größe des Wohnortes und bei der Frage ob man gesetzlich oder privat versichert ist.

Unter Fachärzten gibt es laut Umfrage auch Unterschiede bei der Art des Facharztes Langes Warten auf Termine ist bei HNO-Ärzten und Chirurgen viel weniger der Fall als beim Frauenarzt oder Kardiologen. Die Unterschiede der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung werden weiterhin vor allem bei langen Wartezeiten beim Facharzt deutlich. Ein Drittel aller gesetzlich versicherten Patienten musste mehr als drei Wochen auf einen Termin warten und nur 18 Prozent der Privatpatienten.

Damit Kassenpatienten schneller an Termine kommen, hat die große Koalition ein Maßnahmen beschlossen. Praxisärzte müssen nun mindestens 25 statt 20 Stunden in der Woche für gesetzlich Versicherte anbieten. Bei Augenärzten, Frauenärzten und HNO-Ärzten muss es mindestens fünf Stunden geben. Termin-Servicestellen sollen da bei der Vermittlung helfen. Ab Anfang 2020 sollen sie nicht nur Termine für Fachärzte vermitteln, sondern auch für Kinderärzte und Hausärzte. Es wird kritisiert, dass vor allem gesetzlich Versicherte von Versorgungsengpässen in ländlichen Regionen betroffen seien.

Wir haben es als Familie erst wieder am eigenen Leib erfahren. Meine Tochter hat laut Optiker momentan nur eine Sehfähigkeit von 50%. Ihre Augen haben sich innerhalb der letzten vier Monate total schnell verschlechtert. Der Optiker kann die Gläser nur nicht mit der Krankenkasse abrechnen wenn wir ein Rezept vom Augenarzt haben. Bei unserem Stamm-Augenarzt hätten wir trotzdem bis Mitte Dezember auf einen Termin warten müssen. Das ist natürlich bei einer Schülerin untragbar. Wir haben jetzt mit Hilfe der Servicestelle einen Termin für nächste Woche bei einem anderen Augenarzt bekommen. Habt ihr auch solche Probleme, Termine bei einem Facharzt zu bekommen? Nutzt ihr schon die Servicenummer?

» EngelmitHerz » Beiträge: 433 » Talkpoints: 98,64 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Facharzttermine zu vereinbaren ist immer eine komplizierte Sache, meiner Erfahrung nach. Einfach irgendwo anrufen und nach einem Termin zu fragen scheint nur noch selten zum Erfolg zu führen. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, nur noch Fachärzte in Erwägung zu ziehen, die eine online-Terminvereinbarung auf ihrer Website haben. Das klappt meistens noch am besten, auch wenn auf wundersame Weise die meisten angezeigten freien Termine verschwinden, sobald man "Gesetzlich versichert" auswählt.

Ein Freund von mir, der in einer kleineren Stadt lebt, hat seit Monaten Probleme mit einem Auge. Doch ihm hat man bei den Augenärzten in der Umgebung kurzerhand mitgeteilt, dass überhaupt keine neuen Patienten aufgenommen werden. Also keine Wartezeit, sondern gar kein Termin. Ganz nachvollziehen kann ich das ehrlich gesagt nicht, denn es kommen doch nicht sämtliche Patienten unentwegt jede Woche vorbei, oder?

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» lascar » Beiträge: 1829 » Talkpoints: 400,25 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich selber hatte bisher keine akuten Probleme, wegen der ich zum Facharzt musste und bin da auch sehr froh darüber, denn da kann man dann wirklich lange warten. Wir hatten bei meinem Sohn den Verdacht, dass er schlechter hören würde, wobei wir auch fast einen Monat auf einen Termin warten mussten. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass er einfach mal gerne mal nicht hören wollte und gesehen hat, dass dann Rücksicht genommen wurde. Gerade wenn man ein krankes Kind hat und in deinem Fall ist das wohl auch richtig schlimm, wenn man einfach nicht weiß was ist und helfen möchte, dann ist das sehr ärgerlich, aber die Ärzte machen das ja auch nicht so um einen zu ärgern.

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» Ramones » Beiträge: 40453 » Talkpoints: 28,96 » Auszeichnung für 40000 Beiträge



Da kann ich nur ein Lied von singen. Als ich noch in meiner Heimat gelebt habe, hatte ich da nie Probleme. Seitdem ich in Großstädten wohne, ist es eine absolute Katastrophe. Ich hatte absolut keinen Frauenarzt oder Neurologen finden können, egal bei wie vielen Ärzten ich es probiert hatte. Ich hatte sicher jeweils fünfzig abtelefoniert. Letztendlich hat es dann nur durch die Hilfe der kassenärztlichen Vereinigung geklappt.

Mittlerweile wohne ich in einer anderen Großstadt, die noch größer ist. Mit dem Hausarzt hat es schon einmal geklappt, aber ich habe schon richtig Angst davor, demnächst mal wieder zu irgendeinem Facharzt gehen zu müssen. Das wird auf jeden Fall auch wieder richtig schwierig werden und wird auch nur mit Hilfe der kassenärztlichen Vereinigung klappen.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 31969 » Talkpoints: 106,41 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Ich hatte leider schon des öfteren Probleme einen zeitnahen Termin bei einem Facharzt zu bekommen beziehungsweise überhaupt erst einen Facharzt zu finden, welcher mich aufnimmt. Ich wohne in einer mittelgroßen Stadt, also kein Ballungszentrum aber auch kein Dorf. Ich muss sagen, dass ich hier diese Problematik als viel stärker empfinde im Vergleich zu der kleinen Stadt aus welcher ich ursprünglich komme.

Kurz nach den Umzug in meine jetzige Stadt hatte ich einen entzündeten Leberfleck. Es war wirklich so, dass die Stelle bereits leicht blutete und ich hab mir natürlich auch Sorgen gemacht. Einen Hausarzt hatte ich noch nicht und ein Telefonat mit meinem Hausarzt Zuhause ergab, dass ich unbedingt zu einem Hautarzt gehen sollte und er mir ohnehin nicht weiterhelfen könne. Also begann die Suche. Ich habe 6 verschiedene Ärzte im Umkreis von rund 40km kontaktiert und überall eine Ablehnung, dass sie mich nicht annehmen können. Dann dachte ich "okay, dann eben persönlich, laut Internet dürfen sie dich nicht ablehnen" - naja, leider falsch gedacht. Ich fuhr zu drei verschiedenen Ärzten und zeigte der Schwester sogar direkt die Stelle, jeder sagte mir, dass das ein Arzt sehen sollte aber alle lehnten mich ab.

Letztlich hatte ich die Wahl, ob ich deshalb in die Notaufnahme fahre oder eine Woche abwarte bis ich wieder Zuhause bin und dort einen Arzt aufsuchen kann. Da ich zu diesem Zeitpunkt niemanden Umstände machen wollte, kenne leider die Problematik der Notaufnahmen, bin ich nach Hause gefahren und habe abgewartet. In der nächsten Woche stellte sich heraus, dass es eben nur die Entzündung war, allerdings schüttelte mein Arzt den Kopf über das was passiert ist.

Das nächste Drama ereignete sich als ich einen neuen Frauenarzt in der Gegend suchte. Ich telefonierte einen nach dem anderen ab, bis ich schließlich aufgab und mich damit abfand erstmal den 100km entfernten Frauenarzt bei mir Zuhause zu behalten. Bis zu dem Tag als ich einen tischtennisballgroßen Lymphknoten in meiner Brust hatte. Damals wusste ich natürlich nicht was es ist und wusste, trotz meiner schlechten Erfahrungen, dass ich nochmal versuchen musste zu einem Arzt zu kommen.

In diesem Moment hatte ich dann Glück und kam gleich morgens 8:00 Uhr bei einer Ärztin als Nicht-Patientin an die Reihe, auch wenn die Sprechstundehilfe mich dabei nicht besonders freundlich empfing. Dieser Ärztin habe ich sofort mein Problem geschildet und sie nahm mich auf, so dass ich bis heute eine sehr zufriedene Patientin bei ihr bin.

» bambi7 » Beiträge: 935 » Talkpoints: 5,03 » Auszeichnung für 500 Beiträge


EngelmitHerz hat geschrieben:Praxisärzte müssen nun mindestens 25 statt 20 Stunden in der Woche für gesetzlich Versicherte anbieten. Bei Augenärzten, Frauenärzten und HNO-Ärzten muss es mindestens fünf Stunden geben. Termin-Servicestellen sollen da bei der Vermittlung helfen.

Was aber gelinde gesagt einfach nur Schwachsinn ist, da es an dem Problem rein gar nichts ändert. Schon allein dieser Unsinn mit den 5 Stunden mehr mag für den Laien erst mal gut klingen, ist aber ein Betrug am Arzt und nichts anderes. Hier werden Ärzte gezwungen ihre Praxis länger zu öffnen und damit zusätzliche Kosten zu produzieren ohne ihnen dafür eine zusätzliche Vergütung zu genehmigen. Die Budgets wurden ja für diese Extrastunden jede Woche nicht angehoben. Lediglich wer von der Terminservicestelle vermittelte Patienten aufnimmt bekommt eine Extravergütung.

Im Klartext will man also die reine Arbeitszeit um bis zu 25 Prozent erhöhen ohne gleichzeitig die Löhne zu erhöhen. Ich will jetzt hier ja gar nichts sagen, dass Ärzte am Hungertuch nagen. Nein das sicher nicht. Aber wer hier im Forum würde denn gerne seine Arbeitszeit um 25 Prozent erhöhen ohne dafür eine Lohnerhöhung zu bekommen.

Dazu kommt, dass es ja ein Mär der Kassen und des Gesundheitsministeriums ist, wenn dort behauptet wird, dass Kassenärzte teilweise nur 20 Stunden arbeiten würden. Dass zu einer Praxis auch Hausbesuche mit fürchterlich schlecht bezahlten Anfahrtskosten, Gutachten und Abrechnungen gehören wird da ja gerne unter den Tisch gekehrt. Normale Kassenärzte arbeiten ja eh schon 50 bis 60 Stunden, wenn man das alles zusammenrechnet. Zusätzliche Sprechstundenzeiten wird da also wohl kaum jemand aus dem Ärmel schütteln, sondern wegen fehlende Vergütung und eh schon Arbeit am Limit an anderer Stelle einsparen, also weniger Hausbesuche, keine Besuche im Pflegeheim oder ähnlichem.

Was die Politik scheinbar bis heute nur unzureichend begriffen hat, dass das Problem mit den Wartezeiten nun einmal kaum an faulen Ärzten liegt und das Patienten heute eine andere Einstellung zum Arztbesuch haben als früher. Die Leistungen wurden ausgeweitet, Patienten gehen schneller zum Arzt als früher und Patienten wollen und sollen heute im Grundsatz alle Leistungen eines modernen Gesundheitssystems möglichst jederzeit erhalten.

Dabei hat die Politik aber völlig verschlafen, dafür die Grundvoraussetzungen zu schaffen. Man verweigert Ärzten und Krankenhäusern die finanziellen Grundlagen in dem man Budgets nach oben reglementiert und Investitionen einfach nicht durchführt, man hat trotz zunehmenden Arbeitszeitreduzierung der Ärzte, die mittlerweile mehr und mehr normale Wochenarbeitszeiten einhalten wollen (wie verrückt, dass die nur noch 50-60 Stunden pro Wochen arbeiten wollen), und Teilzeiten und Frauen, die schwanger werden, erstmal radikal die Studienplätze reduziert. Und nun wundert man sich, dass dieses Gesundheitssystem so kaum zu unterhalten ist.

Natürlich muss es dann auch Probleme bei Terminvereinbarungen geben. Ich habe die glücklicherweise kaum, da meine gesamte Familie privat versichert ist. Dabei kann ich es auch nachvollziehen, dass es für gesetzlich versicherte Patienten unfair erscheint, wenn ich als Privatpatient schneller einen Termin bekomme. Aber wie soll es denn auch anders sein? Man muss doch mal die Kirche im Dorf lassen. Wenn ich zum Arzt gehe, dann darf der erstens ordentliche Sätze für seine Leistungen abrechnen und bekommt zweitens jede Leistung, die er an mir erbringt auch bezahlt. Und das völlig unabhängig von irgendwelchen Budgets.

Was kann denn der Arzt dafür, wenn die Kasse gelinde gesagt im Quartal nur 500 Behandlungen bei Erkältung bezahlen will und da rennen aber 1000 Leute zum Arzt hin? Beim Privatpatienten bekommt er sein Geld definitiv und muss dem auch nicht hinterherrennen. Der Privatpatient bekommt gleich die Rechnung und wenn er die nicht bezahlt, dann braucht er nicht noch einmal in die Praxis zu kommen. Die Rennerei mit der Kasse wird hier auf den Patienten abgewälzt und ist nicht mehr das Problem des Arztes.

Also ganz ehrlich, wer von uns würde denn keinen Privatpatienten bevorzugen, wenn er schon vorher weiß, dass er bei der Behandlung besser bezahlt wird, auch wirklich alles bezahlt bekommt und insgesamt nur ein geringes Ausfallrisiko hat? Und genau dafür bezahlen ja viele privatversicherte Patienten eben auch mehr Beiträge als gesetzlich versicherte Patienten. Sowohl das Gesundheitsministerium, die Länder als Träger der Hochschulen und die gesetzlichen Krankenkassen sollte sich auch einmal alle zusammen an ihre eigenen Nasen fassen, was sie so in den letzten 30 Jahren in diesem System verkehrt gemacht haben.

» Klehmchen » Beiträge: 4696 » Talkpoints: 713,11 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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