"Offizielle" Klassen WhatsApp Gruppe in der Unterstufe?

vom 30.09.2019, 12:42 Uhr

Mein Sohn kam heuer im September ins Gymnasium. So wie er sind die Kinder in seiner Klasse etwa 10 bis 11 Jahre alt. Ich denke, dass es in vielen Klassen so üblich ist, dass es eine Klassen-WhatsApp Gruppe gibt. So ist es auch in der Klasse meines Sohnes.

Diese WhatsApp Gruppe wird auch von einer Lehrerin ein wenig "geleitet". Also sie achtet ein wenig darauf, dass in der Gruppe nicht zu viel Blödsinn geschrieben wird und dergleichen. Ich finde das auch prinzipiell wirklich sehr gut, weil solche Gruppen ja wirklich oft auch ausarten können.

Nun ist es ja so, dass WhatsApp offiziell ja eigentlich erst ab 16 Jahren genutzt werden darf. Dass sich daran kaum jemand hält, ist denke ich auch bekannt. Dennoch haben sich nun die Eltern eines Schulkollegen gefragt, ob es überhaupt in Ordnung ist, dass die Lehrerin diese Gruppe kontrollieren möchte. Also rein von der Seite betrachtet, dass sie ja eigentlich die Kinder darauf hinweisen müsste, dass sie eigentlich noch zu jung dafür sind.

Ihr wird natürlich vermutlich klar sein, dass die Kinder trotzdem WhatsApp nutzen werden, zumindest der Großteil, aber die andere Mutter sieht es eben so, dass es ein wenig unpassend ist, dass die Lehrerin offiziell eine WhatsApp Gruppe toleriert. Sie sieht es ein wenig so, dass sie eigentlich dagegen sein müsste, weil es ja rechtlich nicht in Ordnung ist.

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» tournesol » Beiträge: 7642 » Talkpoints: 55,24 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Meine Tochter hatte schon in der 4. Klasse eine Whats-App Gruppe mit ihrer Klasse. Die Kinder waren damals 10 , höchstens 11 Jahre alt. Die Lehrerin hat die Gruppe auch etwas geleitet. Bei uns war das auch damals Thema dass die Lehrerin in einem Interessenkonflikt gesteckt ist.

Gelöst wurde es bei uns so, dass die Lehrerin in einem Elternbrief die Eltern darauf hingewiesen hat, dass Whats-App offiziell für die Kinder noch gar nicht zugelassen ist und es nicht empfohlen wird, die App bereits zu installieren. Es wurde kommuniziert, dass es in der Verantwortung der Eltern liegen würde die App trotzdem zu "erlauben".

» EngelmitHerz » Beiträge: 221 » Talkpoints: 6,45 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Natürlich ist jedem klar, dass WhatsApp auch von „Minderjährigen“ unter 16 genutzt wird, und rein vom persönlichen Empfinden her wäre es mir lieber, dass eine Lehrerin eine Klassengruppe moderiert, als dass die Jugendlichen unter sich wer weiß was verbreiten und teilen. Verhindern kann das eine das andere zwar trotzdem nicht, aber zumindest lässt sich so eine halbwegs geordnete Plattform für reine Klassenbelange wie Terminvereinbarungen, Projektorganisationen und Co schaffen.

Trotzdem würde ich mich selber an der Stelle der Lehrerin nicht in die Nesseln setzen und so ein Projekt mit unterstützen, ohne vorher zumindest die schriftliche Einverständnis der Eltern eingeholt zu haben. Am Ende kommt ansonsten ein entrüsteter Elternteil nach einer verdeckten Mobbingaktion oder Austausch illegaler Inhalte mit einer Klage um die Ecke, und dann ist es schwer, sich mit dem Argument „Alle anderen machen das doch auch“ herauszureden. Wenn die Eltern hingegen über die Rechtslage aufgeklärt sind und trotz alledem ihre Zustimmung zur Nutzung für die Kinder geben, hat man eine gute Absicherung. Alternativ würde ich lieber auf einen Mailverteiler zurückgreifen, in den sich die Schüler eintragen lassen können.

Man kann daraus natürlich auch eine Grundsatzdiskussion machen, ob ein 10-jähriger heutzutage wirklich schon ein Smartphone mit Internetzugang braucht und ob solche Klassengruppen den Zwang dazu nicht noch erhöhen. Sicherlich wird der Einfluss solcher Plattformen wohl eher marginal sein, da der Hauptgruppendruck von den Gleichaltrigen und den modernen Medien herrührt, aber dennoch bleibt die Frage, ob Instanzen wie Schulen das noch zusätzlich unterstützen müssen. Kinder aus weniger begünstigten Familien oder mit strikt kontra Medien eingestellten Eltern werden dadurch unter Umständen ausgegrenzt.

» MaximumEntropy » Beiträge: 6365 » Talkpoints: 855,54 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Bei meinen Kindern haben die Lehrer da nicht moderiert, sondern ab und an mal die Eltern abwechselnd ein Auge drauf gehabt. Gerade jetzt mit den neuen Datenschutzvorschriften, will eigentlich kaum noch ein Lehrer im dienstlichen Zusammenhang Mitglied einer Whatsappgruppe sein. Selbst in der Gruppe nicht, in der die Eltern miteinander vernetzt sind und zum Beispiel Lernwörter weiter geben usw.

Letztlich kann ich aber jeden Lehrer verstehen, der sich da so weit wie möglich raushalten kann. Denn egal ob in den Gruppen der Kinder selbst oder in den Elterngruppen, es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass irgendwann Streit ausbricht. Und möchte man da als Lehrer in der Freizeit auch noch Stress haben?

Wenn Eltern ihren Kindern in der Freizeit vor dem 16. Geburtstag WhatsApp erlauben warum soll das Freizeitvergnügen Sache des Lehrers werden? Zumal ich bei meinen Kindern gesehen habe, dass auch im sehr jungen Grundschulalter vereinzelt Kinder zu Uhrzeiten auf WhatsApp unterwegs sind, das hätte man nie gedacht, dass sie da noch nicht schlafen. Und irgendwann braucht auch ein Lehrer seinen Schlaf. Und was soll dann sein, wenn gerade mitten in der Nacht Mobbing auf WhatsApp losgeht, weil alle Kinder wissen, der Lehrer kann jetzt keine Kontrolle üben?

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» trüffelsucher » Beiträge: 12459 » Talkpoints: 6,05 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



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