Kann man Höhen im Leben nur schätzen, wenn man Tiefen kennt?

vom 07.09.2018, 11:12 Uhr

Ich habe schon, weiß Gott, viele Tiefen in meinem Leben mitgemacht und weiß auch Höhen zu schätzen, wenn mich diese in meinem Leben erreichen. Eine Bekannte meinte neulich, dass man einfach auch nur die Höhen schätzen kann, wenn man schon viele Tiefen mitgemacht hat.

Denkt ihr, dass es wirklich so ist und man Höhen im Leben nur schätzen kann, wenn man auch Tiefen erlebt hat und diese durchgestanden hat? Könnt ihr Höhen erkennen und schätzen? Denkt ihr, dass man dies wirklich nur kann, wenn man mal richtig auf dem Boden gelandet ist? Kann dann ein Mensch, der nur Höhen erlebt hat, das Leben gar nicht mehr genießen?

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» Diamante » Beiträge: 41860 » Talkpoints: 10,10 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es wirklich Menschen gibt, immer nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Ich denke, dass jeder schon mal Tiefen im Leben hatte und deswegen sicherlich auch die Höhen zu schätzen weiß.

Auch, wenn ich noch nicht so alt bin, habe ich dennoch einige Tiefen erlebt und weiß daher, wie schwer ist, da teilweise wieder herauszukommen. Ich denke, dass man dann Höhen wirklich zu schätzen weiß. Das kann wahrscheinlich wirklich jemand besser nachvollziehen, der ebenfalls schon schwere Zeiten durchgemacht hat.

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» Nelchen » Beiträge: 32246 » Talkpoints: -0,17 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Einerseits denke ich schon, dass da was dran ist. Wenn man nie die Tiefen erlebt hat, dann nimmt man die Höhen im Leben für selbstverständlich und kann sie nicht wirklich schätzen. Ich kenne kaum einen Menschen, der etwas schätzt, was heutzutage schon fast Standard und normal ist. Ich denke da zum Beispiel an das Leitungswasser. Das ist mittlerweile so normal hier und selbstverständlich, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie es ist, ohne Leitungswasser zu leben. Oder eben Strom. Die Beispielliste lässt sich beliebig fortsetzen.

Andererseits denke ich mir aber auch, dass vieles eher eine Frage der Einstellung ist. Wenn ein Pessimist Höhen im Leben erleben wird, dann wird er trotzdem nur das Negative sehen und diese nicht zu schätzen wissen. Ein Optimist wird das schon eher können. So zumindest meine Erfahrung und Beobachtung.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: 0,01 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die nur "Höhen" im Leben kennen. Schließlich erlebt jeder das Leben subjektiv aus seiner eigenen Perspektive und erlebt seine ganz eigenen Höhen und Tiefen auf seinem individuellen Level. Beispielsweise leben wir alle hier in einem der reichsten und sichersten Länder der Welt und sind mit allem, was wir brauchen, von überquellenden Supermärkten über medizinischer Versorgung bis hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln top versorgt, zumindest verglichen mit der überwältigenden Mehrheit der Menschen auf globaler Ebene.

Dennoch reden wir hier von "Tiefen" im Leben, die bei einem von uns vielleicht ein Jahr Arbeitslosigkeit bedeuten, bei vielen anderen Leuten, dass die Rebellen das Dorf anzünden und deine Familie abschlachten. Damit möchte ich die Höhen und Tiefen im Leben der gut versorgten westlichen Mittelschicht natürlich nicht klein reden. Aber ebenso erleben wieder andere Leute es vielleicht als "Tiefpunkt", wenn die Privatjacht defekt ist oder wenn ihr Unternehmen 2 Prozent weniger Umsatz einfährt als im Vorjahr.

Ich denke daher, dass Höhen und Tiefen im Leben rein subjektiv sind und die wenigsten von uns wirklich zu schätzen wissen, wie gut wir es haben. Ich selber kann auch mit der Vorstellung nichts anfangen, dass hinter Unglücksfällen und Leiden aller Art quasi ein pädagogischer Sinn steckt, sondern glaube eher an den blinden Zufall, der dafür sorgt, dass für manche von uns Liebeskummer ein "Tief" darstellt, für andere Obdachlosigkeit.

» Gerbera » Beiträge: 8390 » Talkpoints: 1,81 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Klingt für mich nach so einem typischen Kalenderspruch, oder heute wohl eher etwas, das man in seiner Facebook Timeline vorfinden würde wenn man mit Freunden von Kalendersprüchen befreundet ist.

Ich muss doch nicht erfahren haben wie es ist in einem Entwicklungsland oder Kriegsgebiet zu leben um es zu schätzen, dass ich zufälligerweise in einem wohlhabenden, sicheren Land zu einer sicheren Zeit geboren worden bin. Ich habe auch noch nie in meinem Leben hungern müssen, aber ich weiß gutes Essen trotzdem zu schätzen und hasse Lebensmittelverschwendung.

Reicht es nicht zu wissen, wie es sein könnte wenn man im Leben weniger Glück gehabt hätte? Oder wie die Zukunft aussehen wird wenn man mal nicht mehr so viel Glück hat, weil vor solchen Dingen wie Krankheiten eben niemand sicher ist?

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» Cloudy24 » Beiträge: 23920 » Talkpoints: 88,24 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich erst Scheiße gefressen haben muss, um zu wissen, wie es ist, Gutes wertzuschätzen. Ich habe das jetzt mal so ausgedrückt, wie es bei uns gerne gesagt wird, auch wenn das Titel-Thema etwas formeller ist. Doch letzten Endes kommt es ja auf dasselbe heraus. Man glaubt also, durch viele Tiefen das Gute besser wertschätzen zu können. Das möchte ich vielleicht bei einigen nicht abstreiten, aber dann kommt die Definition auch noch auf wirkliche Tiefen an.

Ich kenne Menschen, die sagen, sie wissen wie es ist, jemanden an Krebs zu verlieren und damit ihre Gesundheit zu schätzen. Das finde ich an sich ja ganz löblich, aber war es nicht vorher auch so, dass man seine Gesundheit wertgeschätzt hat? Zumal die betreffenden Personen jetzt nicht aufgehört haben zu rauchen, obwohl Kehlkopf- und Lungenkrebs dabei war. Das würde ich jetzt dann vielleicht sogar noch besser erwarten.

Jetzt nehmen wir doch mal gerne mich als Beispiel. Ich habe mehr Tiefen im Leben, als es Höhen geben kann. Vom schweren sexuellen Missbrauch in der Kindheit und Jugend, Schläge in der Beziehung, zusehen müssen, wie meine Mutter regelmäßig brutal zusammen geprügelt wird und mehr. Solche Scheiße zog sich vielerlei in meinem Leben bis heute.

Was habe ich daraus gelernt? Okay klar, in meiner Beziehung gibt es gewisse Dinge nicht, dann ist sofort Feierabend. Doch wer jetzt denkt, dass ich immer die richtigen Entscheidungen zum Glück getroffen habe, statt die miesen Entscheidungen, und nochmals die Tiefe schnuppern musste, der irrt eben gewaltig.

Ich habe nichts besonderes zu schätzen gelernt. Ich habe durch die vielen Tiefen aber Lebenserfahrung, die viele nicht haben und Erfahrungswerte in Bereichen, wo manche Bücher drüber lesen und glauben, sie haben die Weisheit mit den Löffeln gefressen. Aufgrund meiner Erfahrungen mache ich meinen Job als Quereinsteigerin auch gut, selbst wenn man mir es manchmal kaum zutrauen würde. Das habe ich gelernt.

Doch wie eine Userin schon schrieb, muss ich nicht im Kriegsgebiet leben, um zu wissen, dass ich es hier gut habe. Ich muss nicht Hungersnöte erleiden, um das Essen zu schätzen. Ich denke, dass dies einfache Charaktereinstellungen sind. Ich kann Tiefen positiv nutzen, aber sie beeinflussen mich nicht direkt. Denn meine restliche Charaktereigenschaft schätzt genügend im Leben, was anderen leider verwehrt bleibt.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4951 » Talkpoints: 8,46 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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