Fristen Hülsenfrüchte hier ein Schattendasein?

vom 13.01.2013, 15:27 Uhr

Wenn ich mir die Indische oder Italienische oder Englische Küche so ansehe, findet man reichlich viele Gerichte, die auf Hülsenfrüchten basieren. Sie sind preiswert, in getrockneter Form unkompliziert lange haltbar und sehr reich an Eiweiß und anderen wertvollen Stoffen.

In der bürgerlichen deutschen und österreichischen Küche finden sich hingegen kaum Rezepte. Es gibt Erbsensuppe aus getrockneten Erbsen und Linseneintopf. Ansonsten fällt mir schon gar nichts mehr ein. Kichererbsen werden kaum verwendet. Rote Linsen schon gar nicht.

Woran liegt das eigentlich? Sind da nur viele Rezepte in Vergessenheit geraten, weil Fleisch beispielsweise gesellschaftlich anerkannter ist? Oder spielten Hülsenfrüchte hier traditionell keine große Rolle? Welche typischen Gerichte gibt es noch neben dem, was man so aus der Gulaschkanone kennt? Gibt es da regionale Unterschiede, die ich nicht kenne?

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» trüffelsucher » Beiträge: 12454 » Talkpoints: 5,55 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Ich kenne eigentlich auch nur Linsensuppe und Erbsensuppe. Bohnensuppe kann man auch aus getrockneten Bohnen machen. Aber mehr würde mir spontan auch nicht einfallen. Wobei ich auch Linsensalat dem Namen nach kenne. Ich selber kann man mir kalte Linsen aber als Gericht nicht vorstellen. Und ich habe mal ein Rezept für eine Linsentarte gesehen. Was mich angesprochen hat, aber doch sehr exotisch wirkte.

Ich denke schon, dass du nicht ganz unrecht hast, dass Hülsenfrüchte in Deutschland ein wenig ein Schattendasei fristen. Wobei ich denke, dass Hülsenfrüchte auch ein typisches Gericht der Kriegszeit und auch der Nachkriegszeit war. Vieles was damals auf den Teller kam, wird heute eher verpönt. Vielleicht weil man nicht mehr an die Zeiten erinnert werden möchte?

» LittleSister » Beiträge: 10484 » Talkpoints: 1,33 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Mittlerweile haben Hülsenfrüchte ja mehr Bekanntheit, würde ich mal sagen. Die ganzen Low Carb Leute haben das ja sehr für sich entdeckt und daher gibt es auch einige Rezepte mehr. Wobei man da auch wieder fragen könnte wo die denn wirklich ihren Ursprung haben. Letztendlich muss man aber nicht so kleinlich sein und einfach das essen, was es da so gibt. Ich denke man hat sich vielleicht wegen der Optik so viele Jahre nicht mehr um die Hülsenfrüchte bemüht, weil die vielleicht nicht schön angerichtet werden können.

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» Ramones » Beiträge: 43108 » Talkpoints: 63,57 » Auszeichnung für 43000 Beiträge



Aus der schwäbischen Küche kenne ich z.B. Linsen mit Spätzle. Da werden gekochte Linsen in Form einer saucenartigen Beilage zu einem Teller Spätzle serviert, was eigentlich nicht schlecht schmeckt. Wer mag, kann auch noch Würstchen dazu servieren, was auch typisch zu sein scheint.

Ich persönlich esse gern Linsensalat, der wirklich gut schmeckt, wenn er würzig zubereitet ist. Besonders der bissfeste Charakter der gekochten Linsen gefällt mir gut. Außerdem mag ich in indischen Restaurants gern Dal-Suppe, das ist eine aromatische Linsensuppe mit breiiger Konsistenz und gelber Farbe, die vom Kurkuma stammt.

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» lascar » Beiträge: 2785 » Talkpoints: 528,86 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Hülsenfrüchte muss man in Deutschland anders sehen als in anderen Ländern. Die Pflanzen kommen nun mal eher aus wärmeren Gefilden. Und trockene Hülsenfrüchte sind in unseren Breiten auch erst seit wenigen Jahrzehnten sicher lange zu lagern. Dass die Briten verhältnismäßig viele Rezepte haben, liegt ja auch nur an der Kolonialzeit in Indien. Da gab es Inspiration und günstige Importmöglichkeiten.

Hier gab es z. B. bei den Bohnen nur die Ackerbohne, auch Sau- oder Dicke Bohne genannt. Und die war empfindlich was die Temperaturen angeht. Erst im 17. Jahrhundert kamen die Feuerbohne und die Gartenbohne, die robuster sind. Trocken aufbewahren war damals aber immer noch schwer. Andere Produkte und auch Fleisch waren hier einfacher zu produzieren.

Dicke Bohnen sind z. B. deutschlandweit schon ewig ziemlich out. Aber Dicke Bohnen mit Speck sind hier in Westfalen noch immer ein Klassiker. Weiße Bohnen, also Gartenbohnen, gehörten eigentlich auch hierzulande lange als Beilage auf den Teller.

Bohnen und Erbsen sind hier eher als Frischgemüse verbreitet, da gab es halt schon damals keine Lagerprobleme. Was der Garten hergab, wurde auch gegessen. Oder man machte das Zeug ein. Da gibt es zig uralte Rezepte für gesäuerte Hülsenfrüchte aus Topf wie Sauerkraut, süß, sauer oder salzig eingelegte Konserven und so weiter. Wobei z.B. auch Henriette Davidis in ihren Koch- und Haushaltsbüchern um 1850 erklärt, wie man Bohnen, Erbsen und Linsen trocknet. Aber das war halt ein schwieriges Unterfangen mit den damaligen Mitteln.

Kichererbsen haben allerdings einen eher schlechten Ruf bei den Älteren. Weil das Zeug hier so schlecht gewachsen ist, galt es eher als Medizin. Und als man es besser hinbekam, wurde daraus Ersatzkaffee in und nach Kriegszeiten. :D Und andere Linsensorten als die Tellerlinsen und die grünen gab es halt hier auch nicht, die gehören in andere Breiten.

Man könnte ebenso gut fragen, warum Polenta heute nicht mehr auf den Speiseplan gehört. Denn deren Zubereitung, sogar mit Parmesan, war vor fast 200 Jahren auch bekannt. Aber typisches Essen für Arme hat halt generell keinen hohen Stellenwert. Das wird erst wieder "in", wenn es über andere Länder zu uns kommt.

Hafer wächst z. B. auch in schlechten Lagen und bei Nässe recht gut. Haferbrei und andere Getreidebreie waren mal ein fester Bestandteil der Küche in ganz Westeuropa. Aber viel gegessen wird der jetzt als schicker Porridge von der Insel. :lol: Mit Armen Rittern haben unzählige Familien aus altem Brot günstige Mahlzeiten gezaubert, aber heute isst man French Toast, davor war das Gericht geradezu ausgestorben.

» cooper75 » Beiträge: 11949 » Talkpoints: 587,41 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


cooper75 hat geschrieben:Hafer wächst z. B. auch in schlechten Lagen und bei Nässe recht gut. Haferbrei und andere Getreidebreie waren mal ein fester Bestandteil der Küche in ganz Westeuropa. Aber viel gegessen wird der jetzt als schicker Porridge von der Insel.

Stimmt. In meiner Kindheit gab es noch regelmäßig Haferflockensuppe, die ich immer gern gegessen habe. Das war ein typische Mittagessen für unter der Woche. Der englische Porridge hat es aber bislang nicht bis zu mir geschafft, wahrscheinlich, weil er tendenziell eher zum Frühstück gegessen wird.

Was Hülsenfrüchte betrifft, stelle ich allerdings schon fest, dass ich die meisten gern esse. Nicht nur die erwähnten Linsen, auch Bohnen und Erbsen mag ich gern, vor allem, wenn sie deftig zubereitet und gut gewürzt sind. Und Kichererbsen schmecken mir insbesondere in den nahöstlichen Zubereitungsformen Hummus und Falafel sogar ausgesprochen gut.

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» lascar » Beiträge: 2785 » Talkpoints: 528,86 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich finde nicht, dass Hülsenfrüchte hierzulande total vernachlässigt wurden oder zu wenig Eingang in die regionalen Spezialitäten gefunden haben, aber sie wurden eben meistens eher als Beilage als als Hauptzutat eines Gerichts verarbeitet. Aus meiner Kindheit kannte ich Erbsen-Möhren-Gemüse zu Frikadellen mit Kartoffelpüree und einen Bohnensalat zu Braten. Außerdem wurden Erbsen und Bohnen oft in Eintöpfen mit verwendet. Kichererbsen habe ich erst durch Kontakte mit exotischen Spezialitäten der internationalen Küchen kennengelernt.

Mittlerweile erleben gerade Linsen und Kichererbsen aber einen regelrechten Aufschwung, da vor allem viele vegane und vegetarische Speisen darauf aufbauen. Bowls avancieren zum neuen Trend-Food und enthalten sehr oft Hülsenfrüchte. Daher sehe ich diese Kategorie an Nahrungsmitteln definitiv auf dem Vormarsch.

» MaximumEntropy » Beiträge: 7761 » Talkpoints: 868,23 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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