Welche technischen Lehren sind Eures Wissens empfehlenswert?

vom 17.01.2024, 23:52 Uhr

@fragdenapotheker Warum ist es absurd, sich vor Beginn der Ausbildung für einen Beruf zu entscheiden? In Österreich gibt es doch auch ein duales Ausbildungssystem. Wenn du deinen Beruf in Kombination von einem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule erlernst, kannst du dich ja nicht im Verlauf für etwas anderes entscheiden. Also wenn du beispielsweise Medizinischer Fachangestellter werden möchtest, dann kann dein Ausbildungsbetrieb ja nicht plötzlich zur Zahnarzt- oder Tierarztpraxis mutieren. Und die Inhalte der theoretischen Ausbildung sind auch ganz anders. Das gilt insbesondere für Fachkunde und Labor.

Die schulischen mittleren und höheren Angebote sind ja wieder sehr theoretisch. Da ist man zwar weniger festgelegt, aber dafür ist man danach eben auch nicht voll ausgebildet und kann sofort eigenständig losarbeiten. Da ist die Einarbeitung viel aufwendiger und darauf hat auch nicht jeder junge Mensch Lust.

» cooper75 » Beiträge: 13330 » Talkpoints: 498,67 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



@EmilaByz: Ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, dass es Miederwarenhersteller gibt. Dann habe ich gegoogelt und herausgefunden, dass es Miederkorsetts gibt. Da ich zugegebenermaßen noch nie ein Korsett getragen habe, wusste ich gar nicht, dass es Miederkorsetts und infolgedessen Miederkorsetthersteller gibt. :) Gibt es eine Ausbildung zum Korsettmacher? Oder bringe ich da etwas durcheinander? Das mit der Spezialisierung ist genau das, worauf ich hinaus will... Man beginnt zuerst die Ausbildung und entscheidet sich dann für eine Spezialisierung bzw. dementsprechend für einen Beruf.

@cooper75: Was den medizinischen Bereich und die Zahnarzt- und Tierarztpraxen angeht, stimme ich dir zu. Das hätte ich nicht verallgemeinern sollen. Aber wenn jemand eine Ausbildung mit einer Reihe von Spezialisierungsmöglichkeiten wählt, kann er sich erst danach für einen bestimmten Beruf entscheiden. Oder nicht?

» fragdenapotheker » Beiträge: 44 » Talkpoints: 6,23 »


Die klassischen Ausbildungsberufe beinhalten bereits verschiedene Bereiche. Zum Beispiel gehört zur Ausbildung zum Elektriker die Metallausbildung. Und so ähnlich wird sich das bei anderen Berufen auch ausmachen. Die Berufsbezeichnungen sind zwar ein wenig differenzierter geworden, beinhalten aber zum größten Teil die Lehrinhalte, die auch zu den "älteren" Berufen gehörten, sozusagen als Basis.

Wollte aber auf etwas anderes hinaus: Dass man bei einer Entscheidung für theoriebelastete Ausbildungs- und Studiengänge Gefahr läuft, am Ende ohne anerkannten Berufsabschluss dazustehen. Mit den sich daraus ergebenden finanziellen und sozialen Problemen. "Lasst die Leute erst alle Abitur machen, lasst sie im Bildungssystem ihre Warteschleifen drehen, damit sie anderen keine Konkurrenz machen können." Gerade zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit bekam man sowas öfter zu hören.

Also, man könnte den Vorschlag in Erwägung ziehen, das Bildungs- und Ausbildungssystem so zu reformieren, dass es modular aufgebaut ist. Jede Stufe beinhaltet bereits anerkannte Abschlüsse. Und jemand, der es bis da geschafft hat, bekommt gleich eine Anstellung und verdient sein Geld. Will jemand mehr, kann er den nächsten Kurs absolvieren.

Das stößt aber gerade bei den Akademikereltern, die sich als Repräsentanten der Oberschicht sehen, auf massiven Widerstand. Sie wollen ihren Sprösslingen einen möglichst direkten, klassengerechten Sprung in die besseren Kreise ermöglichen.

Wie nun ein sozial gerechtes und den Fähigkeiten und Neigungen der jüngeren Leute nahe kommendes System aussehen könnte, wäre eine echte Reform wert.

» Gorgen_ » Beiträge: 1058 » Talkpoints: 374,04 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Das deutsche Ausbildungssystem ist doch bereits modular aufgebaut. Es gibt genügend ein- und zweijährige Berufsausbildungen, mit denen du beginnen kannst. Möchtest du mehr, machst du die Dreijährige, dabei wird die bisherige Zeit angerechnet.

Und soll es danach mehr sein, machst du eine Aufstiegsweiterbildung. Im Handwerk ist das der Meister, im technischen Bereich wird es der Techniker, Kaufleute machen den Fachwirt oder den Betriebswirt und im gestaltenden Bereich wirst du Gestalter. In der Pflege kannst du dich spezialisieren oder für höhere Positionen qualifizieren.

Das sollte doch wohl reichen. Zumal du hier bereits das Problem mit der Finanzierung hast. Viele Menschen können sich den gewünschten Aufstieg nicht leisten. Wenn der Arbeitgeber das nicht unterstützt und man nicht für eine Förderung infrage kommt, ist das nämlich ziemlich schwierig.

» cooper75 » Beiträge: 13330 » Talkpoints: 498,67 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



@fragdenapotheker: Ja die Ausbildung gibt es, habe sie ja von einer Liste, kannte ich ja auch nicht. Worauf ich da hinaus möchte ist, wenn diese Ausbildung bzw. Beruf niemand kennt, wie kann man sich dann dafür entscheiden? Da sollte man schon viel früher die Jugendlichen aufklären. Man muss ja nicht jeden Beruf einen Tag behandeln aber man sollte zumindest mal von jedem Berufszweig gehört haben. Dasselbe gilt für mich auch für die Studien.

@Gorgen_ : Ja ich bin auch dagegen, dass ich einen Handwerkerabschluss mit einem Uniabschluss gleichsetze. Das sind ganz unterschiedliche Dinge. Das will man ja nur machen, weil einem sonst nichts einfällt wie man einen Lehrberuf aufwerten kann. Das funktioniert aber nicht damit, dass ich sie dann auch zu Akademikern mache sondern ich den Stellenwert in der Gesellschaft herausstreiche. Sollte sich aber weiterhin bessern weil man jetzt sieht was es bedeutet wenn es Fachkräftemangel gibt. Da bin ich dann gespannt ob der studierte Herr Psychologe auch die Photovoltaikanlage installieren kann. :)

Ob jetzt Professor oder Meister, das zeigt ganz unterschiedliche Dinge an, jedes für seinen Bereich ein Zeichen für eine Ausbildung und einen Wissensvorsprung. Nicht mehr und nicht weniger. Bei Akademikern gibt es Menschen, die sich etwas auf ihren Titel einbilden, dass gibt es aber auch bei Handwerkern oder Fachkräften. Oder hast du noch nie gesehen wie ein Polier herumstolziert auf der Baustelle und glaubt er weiß alles und kann alles?

» EmilaByz » Beiträge: 138 » Talkpoints: 33,64 » Auszeichnung für 100 Beiträge


@Gorgen_, @cooper75: Die Befürchtungen der Akademikereltern überraschen mich nicht sonderlich. Eine breitere Anerkennung würde die Wahrnehmung der anderen Berufe verändern. In Bezug auf die Aufstiegsweiterbildung stimme ich zu. Das funktioniert aber häufig nur, wenn ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Oder wenn Arbeitgeber die Weiterbildungen fördern. Wie steht es um staatliche Förderprogramme? Diese könnten vielen Talenten helfen.

@EmilaByz: Natürlich würde dies eine zusätzliche Herausforderung für die Schulen darstellen. Aber eine intensivierte Berufsorientierung ist essenziell. Jugendliche sollten zumindest einmal einen umfassenden Überblick über die breite Palette an Ausbildungsberufen und Studienmöglichkeiten erhalten.

» fragdenapotheker » Beiträge: 44 » Talkpoints: 6,23 »


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