Influencer und was sie anrichten können

vom 14.01.2020, 08:16 Uhr

Eine wohl sehr bekannte Influencerin ist wohl vor ein paar Tagen der Meinung gewesen, sich zu den Ereignissen rund um den Iran und den ganzen Geschehnissen zu äußern. Jeder der die heutige Zeit so ein wenig verfolgt weiß, dass diese Influencer auf die eine oder andere Gruppe von Heranwachsenden doch einen gewissen Einfluss haben. Diese Influencerin hatte sich angeblich im Internet und über die Nachrichten ein Bild gemacht, was sie dann über TikTok kund getan hat. Diese junge Dame hat mit ihren Followern eine recht gute Reichweite. Auf Instafram folgen ihr gute 800.000 Menschen uns auf TikTok sogar 2,2 Millionen. Das ist in meinen Augen, keine kleine Anzahl von Menschen, die man dann erreichen kann und wie schnell sich dann sowas weiterverbreiten kann, sieht man immer wieder.

Sie hat ihrere Meinung nach versucht ihren Followern, diese ganzen Geschehnisse erklären zu wollen, weil sie wohl schon öfter gehört hat, dass danach gefragt wurde. Dummer Weise hat sie sich aber entweder über völlig unseriöse Kanäle ihre Informationen besorgt, oder mehr da hinein interpretiert als wirklich da war. Denn plötzlich war ein 3. Weltkrieg schon fast unabwendbar und das Arsenal der iranischen Atomwaffen wäre sehr besorgniserregend.

Vielleicht denke ich da ein wenig engstirnig, aber für mich stehen diese ganzen Influencer inzwischen leider genauso in der Öffentlichkeit, wie andere Prominente auch. Man hat in meinen Augen, dann auch eine gewisse Verantwortung den Abonnenten solcher Kanäle gegenüber. Da kann man nicht einfach irgendeinen Schwachsinn von sich geben. Wenn man damit meint irgendwelche witzigen Dinge mit anderen Teilen zu müssen, oder Schminktipps, oder welche Klamotten man wann am besten trägt, dann kann man damit keinen Schaden anrichten. Wenn man dann aber politische Meinung vertritt, seinen Abonnenten das Weltgeschehen erklären will, oder sogar medizinische Ratschläge geben will, dann sollte man schon wissen wovon man redet.

» Kodi » Beiträge: 530 » Talkpoints: 62,63 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich kann dir da nur zustimmen und denke auch, dass man wissen sollte von was man redet und sich vorher gut informieren muss, wenn man über Themen reden möchte von denen man eigentlich keine Ahnung hat. Ich meine es ist ja nicht schlimm eine Meinung abzugeben, aber dann sollte man sich auch informiert haben. Letztendlich entsteht ja auch unter solchen Videos oder Beiträgen eine Diskussion und der Influencer informiert sich dann sicherlich, aber erst nach dem Shitstorm und bis dahin haben es schon viele gehört oder gelesen, die das dann vielleicht als Wahrheit empfinden oder wahrnehmen. So etwas bringt immer eine gewisse Gefahr mit sich.

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» Ramones » Beiträge: 42403 » Talkpoints: 76,27 » Auszeichnung für 42000 Beiträge


Dazu gehören aber zwei Seiten. Ich bin durchaus der Meinung, dass man modernen Medienkonsumenten zumuten kann, ja muss, dass sie sich über die Quelle von Informationen und Nachrichten Gedanken machen und entsprechend bewerten, ob das, was ihnen da ins Ohr plätschert, ernst zu nehmen ist oder nicht. Das ist zwar heutzutage wirklich nicht einfach, aber in meinen Augen ist es deshalb um so wichtiger, nicht blind alles zu glauben, was das Internet so aushustet.

Und in Fällen wie dem genannten ist es sogar noch kinderleicht, sich ein Urteil über die Seriosität der verwendeten Quellen zu bilden. Eine "Influencerin" mit Millionen "Followern" auf "TikTok"? Ich bitte euch!

Ich bin daher nicht mal so sehr der Meinung, dass "Influencer" so viel "anrichten" können. Sie machen eben Gebrauch von modernen Medien und der herrschenden Meinungsfreiheit. Das ist ihr gutes Recht und ich halte es auch für sinnvoll, dieses nicht zu beschneiden.

Aber das gibt den "Followern" ja nicht automatisch einen Freibrief, ihr bisschen Grips an der Garderobe abzugeben und sich auf diese Art die Welt erklären zu lassen. Und Eltern müssen sich eben ein bisschen anstrengen und ihrem Nachwuchs etwas kritisches Denken und die Fallstricke moderner Medien nahe bringen. Das ist schließlich ihr Job.

Also nicht in den sozialen Medien darüber zu jammern, dass soziale Medien so schlecht für Kinder und Jugendliche sind, sondern den Kindern und Jugendlichen das Rüstzeug mitzugeben, sich darin zurecht zu finden und nicht jeden Müll begierig aufzuschlabbern. Aber damit haben schon genügend Erwachsene ihre Probleme.

» Gerbera » Beiträge: 9100 » Talkpoints: 0,90 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Erinnert mich irgendwie an das Gejammere der CDU nach dem Rezo Video vor der Europawahl. Da wurde auch gefordert, dass man die Meinungsfreiheit im Internet doch einschränken sollte.

Aber eigentlich ist es doch nicht so schwer zu verstehen, warum das sehr problematisch wäre. Wenn du nämlich den Schwachsinn von diesem Mädchen aus dem Netz nehmen dürftest würde das bedeuten, das auch ganz viele andere Inhalte auf der gleichen Grundlage gelöscht werden dürften.

Und wer legt dann fest, was Schwachsinn ist und was nicht? Nehmen wir mal an jemand äußert sich in seinem Video kritisch über einen Konzern und der Konzern sieht das als Schwachsinn an, bei wem würde dann die Beweispflicht liegen?

Davon abgesehen finde ich solche Videos eh relativ unproblematisch. Hirn anschalten, kritisch denken, Quellen selber prüfen und eventuell Alternativen suchen und gut ist. Dann wird da gar nichts "angerichtet" außer, dass sich der Videoproduzent zum Affen macht.

Was ich im Bezug auf diese "Branche" schlimm finde ist der Konsum, der oft völlig unkritisch zelebriert wird. Es gibt ein paar wenige Leute, die inzwischen umdenken und zumindest ethische Marken bewerben, aber die breite Masse macht das eben nicht. Was ist schlimmer? Jugendliche, die fünf Minuten Angst vor einem dritten Weltkrieg haben bis sie selber recherchiert haben, oder Jugendliche, die seit Jahren auf Konsum konditioniert werden?

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» Cloudy24 » Beiträge: 25345 » Talkpoints: 98,22 » Auszeichnung für 25000 Beiträge



Die Meinungsfreiheit will ja auch niemand irgendwem nehmen. Sie kann ja ruhig eine Meinung haben, aber wenn sie dann behaupten, dass der Iran "extrem viele Atomwaffen" besitzen würde, oder "Deutschland mit in den Krieg ziehen müsste, weil sie ja der NATO angehören und die USA eben auch Bündnispartner sind", dann hat das alles nichts mehr mit einer Meinung zu tun, sondern einfach nur mit der Verteilung von Halbwissen oder falschen Aussagen zu tun. Und ich finde, wenn man gut 2 Millionen mögliche Zuhörer oder Zuschauer hat, dann sollte man schon darauf achten was man da so von sich gibt.

Schließlich spricht sie ja auch bei ihren Followern ein gewisses Klientel an, wo man nicht unbedingt davon ausgehen sollte, dass sie sich danach alle erstmal darüber schlau machen. Und wenn da dann nur ein kleiner Teil dabei ist, der diese Aussagen für bare Münze, dann ist das nicht in Ordnung. Natürlich kann man immer an den gesunden Menschenverstand appellieren, aber wenn man das von den Zuschauern erwarten muss, dann auch bitte von den Leuten, die diese Videos produzieren und verbreiten. Man kann auch in solchen sozialen Medien nicht einfach irgendwas negatives über einen Konzern verbreiten.

Ich denke dass sowas, bei so einer Menge an Followern durchaus auch nach hinten losgehen kann und der Konzern dann auch das Recht dagegen zu klagen. Wie gesagt, es geht ja hier auch nicht um eine eigene Meinung, sondern um ganz klar falsche Aussagen. Es ist nämlich de fakto falsch das Deutschland mit in den Krieg ziehen müsste, wenn die USA den Iran angreifen würden. Natürlich ist man NATO-Partner, aber man muss nicht mit in den Krieg ziehen, wenn ein NATO-Partner irgendwo einmarschieren will. Auch dass der Iran extrem viele Atomwaffen besitzen soll, ist schlichtweg falsch, die besitzen nicht mal eine.

Es geht eben nicht um eine eigene Meinung, sondern um die Verbreitung von falsche Tatsachen und die Menschen die sie damit erreicht.

» Kodi » Beiträge: 530 » Talkpoints: 62,63 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Mag ja sein, dass da irgendwelche falschen Quellen benutzt wurden oder wie auch immer diese Falschaussagen zustande kamen, aber in dem Moment wo ich eine politische Situation kommentiere ist das meine persönliche Meinung. Diese Meinung mag auf völlig falschen Annahmen basieren, aber es ist und bleibt eine Meinung.

Aber davon abgesehen verstehe ich nicht worauf du mit diesem Beitrag überhaupt hinaus willst. Was würdest du denn dagegen unternehmen wollen und wer sollte das deiner Meinung nach unternehmen? Außerdem verstehe ich nicht, was in dem Fall nun konkret schlimmes "angerichtet" worden ist.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25345 » Talkpoints: 98,22 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Kann ich Dir ganz einfach sagen worauf ich hinaus will. Diese Influencer haben zum Teil eine recht große Anzahl an Menschen, die sich ständig ihre Kanäle oder einfach nur die Videos ansehen. Und damit erreichen sie dann doch immer wieder eine nicht ganz unbeträchtliche Anzahl an Menschen, die zum Teil vielleicht auch nicht in der Lage sind, alles zu Filtern oder zu hinterfragen, was einem da erklärt oder erzählt wird.

Für mich, stehen diese Menschen allein schon durch die Anzahl an Followern zum Teil genauso in der Öffentlichkeit, wie andere Prominente. Auch wenn man sich das in meiner Generation und vielleicht auch deiner Generation nicht unbedingt vorstellen kann, ist das in der Generation, die sich mit diesen Medien mehr auseinandersetzen, alles etwas anders. Damit haben diese Menschen in meinen Augen eine gewisse Verantwortung denen gegenüber, die ihnen folgen.

Wenn irgendein Prominenter so eine Äußerung von sich gegeben hätte, hätte das riesige Wellen geschlagen. Ob man das einfach nur als eine freien Meinung abtun kann, da bin ich mir nicht sicher. Finde ich auch ein wenig einfach. Schließlich hat sie versucht einigen ihrer Followern versucht zu erklären, was da im Moment in der Welt abgeht, und das kann man dann eben nicht einfach damit abtun, dass sie einfach nur ihre Meinung gesagt hat. Und wenn man meint etwas anderen erklären zu wollen, dann macht man sich vorher schlau und das hat sie einfach nicht getan, zumindest nicht in der Weise, wie es eine solche Erklärung verlangt. Abgesehen davon, wenn man irgendeinen Mist in der Öffentlichkeit breit tritt, dann muss man auch mit der Kritik leben können.

» Kodi » Beiträge: 530 » Talkpoints: 62,63 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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