Genießt ihr euer Leben in vollen Zügen?

vom 31.03.2019, 20:20 Uhr

Ich bin derzeit sehr glücklich und zufrieden mit meinem Leben. Auch wenn es einige Kleinigkeiten gibt, die ich ändern würde wenn ich könnte, bin ich im Großen und Ganzen sehr froh. Ich würde schon sagen, dass ich mein Leben derzeit genieße. Ob ich es aber "in vollen Zügen" genieße, wie es einen entsprechenden Spruch gibt, wage ich aber doch zu bezweifeln.

Ich arbeite einfach sehr viel, so dass ich nicht so viel Freizeit habe, so dass ich gar nicht so viel Gelegenheiten habe, mein Leben so extrem Tag für Tag außerhalb der Arbeit zu genießen. Ich weiß aber wiederum auch, dass es mich nicht erfüllen würde, weniger zu arbeiten und ich damit auch nicht zufrieden wäre. Genießt ihr euer Leben eurer Meinung nach in vollen Zügen? Wann habt ihr das bereits schon gemacht und in welchen Phasen eures Lebens war das so?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 31844 » Talkpoints: 50,53 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Bei mir ist es jetzt nicht so, dass die Arbeit explizit dazu beitragen würde, dass ich mein Leben besser genießen kann (abgesehen vom Gehalt natürlich, mit dem ich mir indirekt einige schöne Dinge gönnen kann). Aber ansonsten ist es halt oft so, dass das Genießen des Lebens sich eher auf die arbeitsfreien Zeiten konzentriert. Meine Freizeit versuche ich aber möglichst gut und angenehm zu nutzen, indem ich häufig schöne Dinge unternehme (Reisen, Restaurantbesuche, Wanderungen, Konzert- und Theaterbesuche etc.).

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» lascar » Beiträge: 1692 » Talkpoints: 382,48 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Zum Leben gehören ja nicht nur Genuss und Freude, sondern mitunter auch noch Mühsal, Enttäuschungen, Verluste und noch einige negative Begleiterscheinungen mehr. Im Rahmen meiner Möglichkeiten versuche ich natürlich schon mein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten und auch zu genießen und größtenteils gelingt mir das auch. Aber das ich jetzt "in vollen Zügen" genieße, dass ist mir jetzt nicht so bewusst.

» bregenz » Beiträge: 130 » Talkpoints: 1,02 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich kann mir unter dieser Floskel nicht wirklich viel vorstellen. Warum ist die Arbeit zum Beispiel das Gegenteil von "genießen in vollen Zügen"? Wenn ich einen Traumberuf habe und ich habe dann jahrelang dafür studiert, kann ich es dann nicht genießen, dass ich nun in diesem Beruf arbeiten kann und dafür auch noch gut bezahlt werde?

Oft wird diese Floskel im Zusammenhang mit irgendwelchen exzessiven Partys und ähnlichen Geschichten verwendet, was dann wiederum bedeuten würde, dass man sein Leben nicht genießt wenn man gerne mal einen Abend mit einem guten Buch und einem leckeren Tee verbringt oder wenn man generell kein Interesse daran hat seine Sinne mit diversen Substanzen zu vernebeln.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23482 » Talkpoints: 133,25 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das für Otto Normalverbraucher funktionieren soll. Einerseits gibt es natürlich die top durchgestylten Vorbilder aus den ganzen Medien, andererseits die Realität mit schlechtem Wetter, finanziellen Engpässen, einer wackligen Gesundheit, Streitigkeiten, oder einfach nur der Alltagsroutine, die dir mal mehr, mal weniger zu schaffen macht.

Die Bilder aus der Werbung und aus den Medien, die suggerieren, dass mit Produkt X, Prozedur Y oder am Urlaubsort Z ein sorgloses Leben möglich ist, das man in vollen Zügen genießen kann, halte ich für geradezu schädliche Wahnvorstellungen, weil auf diese Art Unzufriedenheit, Minderwertigkeitsgefühle und Konsumrausch aktiv gefördert werden. Der Kapitalismus kann schließlich keine Konsumenten gebrauchen, die sich sagen: Ich bin mit einem guten Buch aus der Bücherei schon wunschlos glücklich! Wir werden förmlich dazu angehalten, unser Leben auf die Arten zu "genießen", die ganze Industriezweige am Leben halten.

» Gerbera » Beiträge: 8202 » Talkpoints: 3,69 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


Ich glaube das kommt immer drauf an, was es für jeden Menschen bedeutet, wenn man von "in vollen Zügen genießen" spricht. Für mich persönlich ist das immer unterschiedlich. Je nachdem was ich in meinem Leben gerade geplant habe, mit was ich mich auseinandersetzen kann und will und was ich mir vornehme, kann ich mein Leben mal mehr mal weniger in vollen Zügen genießen.

Das bedeutet für mich auch, dass ich auch negative Sachen aushalte, mich damit konfrontiere und auch das in meinem Leben zulasse. Nur so fühl ich mich ausgeglichen und lebendig. Und natürlich kann man, meiner Meinung nach, nicht immer sein Leben voll genießen.

Manchmal gibt es eben Sachen, die sind ganz toll und manchmal gibt es auch Sachen, die sind vielleicht nicht so toll, aber deshalb ja nicht weniger wichtig oder gehören deshalb nicht weniger zum Leben dazu. Und wenn man etwas ändern möchte in seinem Leben, dann muss das ja auch nicht von heut auf morgen passieren, sondern kann sich entwickeln und man muss sich in seinem eigenen Tempo damit befassen.

» Kirchenbotschafter » Beiträge: 79 » Talkpoints: 20,00 »


Es wird wohl eher daran liegen, wie man genießen definiert. Für manche ist es die Erfüllung des Lebens, Kinder groß zu ziehen. Für andere ist es erfüllend, wenn sie Arbeit haben, ein Haus und einen Partner, der auf sie abends wartet. Das bin beides prinzipiell nicht ich. Beim Thema Kinder wissen einige hier, dass ich keine möchte. Ich habe darauf weder Lust, noch die Zeit und noch möchte ich mir die Zeit dazu nehmen oder meine Spontanität dafür einbüßen müssen. Das erfüllt mich also mehr, dass ich keine habe.

Während meine Arbeit zu helfen durchaus erfüllend ist, aber auch einfach nur deprimierend zugleich. Heute kann ich einem Jugendlichen helfen, in die Notunterkunft zu kommen, morgen sitzen 2 auf der Straße. Heute helfe ich einer Zwangsprostituierten ins Frauenhaus zu finden, Klamotten usw mitzunehmen und im gleichen Atemzug geht das Treiben eben munter weiter. Das ist irgendwie deprimierend und ich bin keine Weltverbesserin, aber es nervt so langsam.

Ich finde es vor allem aber erfüllend, dass ich machen kann, was ich möchte. Ich kann nach Hause kommen, wann ich möchte. Ich muss nicht schauen, ob ein Hotel kinderfreundlich ist, ob meine Kinder versorgt sind. Ich kann morgen Party machen spontan. Nächste Woche spontan in den Urlaub fliegen, und all sowas. Das hat für mich etwas von Freiheit und das genieße ich in vollen Zügen. Alles andere würde nur dem Nachwuchs schaden, den ich hätte und Mitmenschen.

Ich wäre einfach nicht ich. Ich brauche Freiheit, Spontanität und weiterhin das Wissen, dass ich tun und machen kann, was ich möchte.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4874 » Talkpoints: 49,60 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



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