Wann als Eltern das Kind die Schule schwänzen lassen?

vom 15.03.2019, 12:52 Uhr

Die Klimademonstrationen von Schülern sind im Moment sehr diskutiert. Gerade heute sollen in über 1600 Städten weltweit die Schüler wegen dem Klima demonstrieren und dafür der Schule fernbleiben. Mich würde mal interessieren, wie ihr das als (potentielle) Eltern sehen würdet.

Würdet ihr euren Kindern erlauben, die Schule (regelmäßig) für so eine Demonstration zu schwänzen? Oder hättet ihr Sorge, dass die Fehlstunden exorbitant ansteigen, das Kind mit dem Lernstoff nicht mehr hinterher kommt und hinterher Probleme haben wird, in der Schule mitzukommen oder eine Ausbildung zu finden?

Fallen euch weitere Szenarien und Anlässe ein, wo ihr euch vorstellen könntet, eurem Kind das Schwänzen der Schule zu erlauben? Wo zieht ihr persönlich die Grenze und warum? Ich gehe übrigens in diesem Beitrag grundsätzlich von minderjährigen und schulpflichtigen Kindern aus.

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» Täubchen » Beiträge: 31884 » Talkpoints: 2,72 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Ich finde in dem Alter muss ein Kind auch selber Entscheidungen treffen und mit den Konsequenzen leben. Begrüßen würde ich so ein Verhalten ehrlich gesagt auch nicht, aber ich kann es nachvollziehen und wenn mein Kind das so entscheiden sollte, muss er oder sie schon mit den Konsequenzen leben und hat dann eben Fehltage auf dem Zeugnis. Bei anderen Sachen würde ich das aber ebenso wenig unterstützen. Schulzeit ist einfach wichtig, wobei man auch damit argumentieren kann, dass eh schon viele Fehlzeiten wegen Lehrermangel vorhanden sind.

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» Ramones » Beiträge: 39393 » Talkpoints: 37,86 » Auszeichnung für 39000 Beiträge


@Ramones: Dir ist schon klar, dass du als Mutter eines schulpflichtigen Kindes theoretisch Probleme bekommen könntest, wenn dein Kind die Schule schwänzt oder? Willst du wirklich riskieren, Probleme mit dem Jugendamt oder der Polizei zu bekommen, weil dein Kind die Schule geschwänzt hat, auch wenn du es erlaubt hast? Ich rede hier eindeutig von schulpflichtigen Kindern als unter 16jährigen und keine volljährigen Schüler, die für sich selbst Verantwortung übernehmen.

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» Täubchen » Beiträge: 31884 » Talkpoints: 2,72 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Täubchen, was ist denn das für eine Haltung? Du findest es in Ordnung, nicht hinter deinen potentiellen Kindern zu stehen, wenn denen etwas wirklich wichtig ist und die gute Argumente haben? Und das nur weil einem die Ämter auf den Geist gehen könnten?

Obrigkeitshörige Drohnen und Menschen, die sich nach einer starken Führungsfigur sehnen und sonst rumjammern und hetzen, haben wir genug. Ich falle meinem Nachwuchs nicht in den Rücken, wenn sie ihr Tun ordentlich begründen und freiwillig lernen.

» cooper75 » Beiträge: 11302 » Talkpoints: 432,24 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich bin da wirklich zwiegespalten. Ich kenne viele dieser Jugendlichen und auch Kinder, die hier bei dieser Demo mitgemacht haben. Eine Klasse, die im Verband mitgemacht haben fliegen in diesem Jahr nach Spanien auf Klassenfahrt. Das kann ich dann nicht ernst nehmen. Entweder man will das Klima verbessern und verzichtet dann auf Klassenfahrten, die mit dem Flieger stattfinden oder man lässt es.

Weiterhin sehe ich hier auf dem Schulhof der Realschule, was in den Mülltonnen ist und wie die Schüler hier den Müll durch die Gegend schmeißen. Trinkpäckchen, Plastiktüten, Chipstüten und vieles mehr fliegt hier durch die Gegend und wird von teilweise den demonstrierenden Schülern hier in die Gegend geworfen. Ich wohne direkt an der Realschule und an einer Hauptschule.

Deswegen muss ich sagen, dass ich erst einmal, als Lehrer und auch Elternteil mit den Kindern und Jugendlichen zu hause und in der Schule anfangen würde, ehe ich ihnen erlauben würde zu diesen Demos zu gehen. Denn Umweltschutz fängt zu hause und im Alltag an und nicht mit einer Demonstration und wenn den Schülern das so wichtig ist, dann sollen sie auch im Alltag an die Umwelt denken.

Hier sind viele Diskussionen in den Schulen und auch in den Elternhäusern gewesen und sind es immer noch und bei der letzten Demo in der letzten Woche habe ich gesehen, wie die Schüler in die Stadt gekommen sind. Eltern haben sie mit den Autos fast bis in die Fußgängerzone gebracht. Parkplatz war keiner mehr zu bekommen, weil wohl kein oder kaum ein Schüler mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen zur Demo erschienen sind.

Ich kann diese Demos nicht ernst nehmen, solange es so abläuft und deswegen würde ich auch das Schulfrei nicht unterstützen. Aber ich habe keine schulpflichtige Kinder mehr und deswegen ist es sowieso Nebensache was ich machen würde.

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» Diamante » Beiträge: 41645 » Talkpoints: 88,19 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Ich habe keine Kinder, könnte mir aber nicht vorstellen, so liberal zu sein, dass ich ein noch schulpflichtiges Kind über viele Wochen oder gar Monate jeden Freitag die Schule schwänzen lassen würde. An ein Selbstbestimmungsrecht des Kindes glaube ich in dem Fall auch nicht, schließlich sind die Eltern jene, die über das Wohl des Kindes zu wachen haben.

Am Anfang fand ich die Demos ja auch noch ganz gut, mittlerweile hat sich meine Meinung darüber aber etwas geändert, was zum Teil auch an der Dauer der geschwänzten Tage liegt. Ich bin in der Sache auch gespalten, denn das völlig unkonkrete Fordern an die "Alten", ohne selbst etwas zu tun oder auf etwas zu verzichten, fängt an unglaubwürdig zu werden. Das mit der Klassenreise nach Spanien ist ein gutes Beispiel. Es wäre doch vielleicht mal interessant die Kids vor die Wahl zu stellen: Verzicht auf die Reise für die Demonstrationsmöglichkeit oder eben die Fahrt, dann aber auch keine Forderungen mehr stellen und auf Demos an Schultagen gehen.

Dann bleibt es bei der Klassenfahrt in die Rhön oder an die Nordsee mit dem Bus. Oder man stellt andere Forderungen, die den angeblich verzweifelten Wunsch nach Wandel und Besserung belegen. Mal zwei Jahre kein neues Smartphone, wenn das alte noch geht, ein halbes Jahr keine neue Kleidung und schon gar nicht von Primark etc. Oder gleich Wochenend-Demonstrationen. Aber ich glaube, auch dem letzten dürfte klar sein, dass sich das Ganze dann sehr schnell verlaufen würde.

» Verbena » Beiträge: 3583 » Talkpoints: 6,36 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich würde das vom Grund abhängig machen und auch, welche Argumente mein Kind hat, um eben zu schwänzen. Ich kann schon verstehen, wenn sie eine Demo für den Klimaschutz unterstützen möchten. Wenn die Gründe dafür triftig und plausibel sind, würde ich es wohl erlauben.

Schwänzen fände ich aber nicht in Ordnung, nur wenn dann Kind eben mal länger aufgeblieben ist oder feiern war und dann morgens nichts aus dem Bett kommt. Zu meiner Schulzeit kam es schon mal vor, dass Eltern ihr Kind einen Tag schwänzen ließen, wenn es eher in den Urlaub gehen sollte. Teilweise wurden die Kinder dann deswegen auch entschuldigt. Allerdings wurde Beides nicht gerne gesehen.

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» Nelchen » Beiträge: 31712 » Talkpoints: 0,53 » Auszeichnung für 31000 Beiträge



Ich sehe da nun wirklich kein Problem. Wir haben vor 28 Jahren demonstriert und die Argumentation der Erwachsenen und die Erlässe der Behörden glichen dem Theater heute. Wir haben ganz normal unseren Abschluss und unseren Weg gemacht. Vor etwa 18 Jahren gab es Schülerproteste. Überhaupt sind protestierende Jugendliche und junge Erwachsene seit fast 60 Jahren normal.

Aber selbst die erste Protestgeneration, die mittlerweile in Rente ist und selbst keinen Schaden genommen hat, trötet in das Horn vergangener Zeiten. Oder man kommt so verlogen um die Ecke wie der gute Christian Lindner, der selbst damals lieber Kohle scheffeln als sinnlos in der Schule sitzen wollte.

Oder man kommt so altklug um die Ecke und argumentiert mit Urlaub oder Müll. Weil man offensichtlich annimmt, das der Protest maximal dann legitim sein kann, wenn jeder einzelne Schüler für das Thema brennt und auch noch seine Eltern voll im Griff hat. Wäre das so simpel, müsste niemand demonstrieren. :D

» cooper75 » Beiträge: 11302 » Talkpoints: 432,24 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Eben, weil man selbst mal Schüler war weiß man auch, dass man der Ehrlichkeit halber zugeben muss, an einem Samstag nachmittag wahrscheinlich nicht in die Stadt gefahren wäre, um zu demonstrieren. Der Hauptgrund war das Schwänzen, die Sache nur ein netter Nebeneffekt, für einige selbst dieser scheißegal. Von denen, die nicht mal auf die Demos gegangen sind, sondern geschlossen ins Billard-Cafe nicht zu sprechen. Oder Leute demonstrierten für Umweltschutz, die bei der nächsten Party die Bierdosen am See liegen ließen.

Den Grund der Demo hat man einfach dankend oder manchmal nur als Vorwand angenommen, selbst wenn man prinzipiell hinter der Sache stand. Aber ernsthaft etwas auf sich genommen, Verzicht geübt, Geld oder Arbeit investiert hätten nur die wenigsten. Da muss man schon realistisch bleiben.

Natürlich kann man immer auch nur Kleinigkeiten ändern und auch das ist eine gute Sache, keiner muss Dinge zu 100 Prozent leben, um etwas Gutes zu tun oder eine Meinung zu repräsentieren! Aber manche Forderungen schließen sich mit einer in Wahrheit gelebten Realität einfach aus. Ich denke, dass das den Schülern gar nicht so bewusst ist. Und einmal im Halbjahr eine beliebige Demo ist für mich auch noch anders als jede Woche. Das hätte ich ja sogar als Schülerin schon verstanden, dass irgendwann eine Grenze überschritten ist.

» Verbena » Beiträge: 3583 » Talkpoints: 6,36 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Und? In meiner Stadt werden über 100 Kinder gar nicht beschult und es fallen massiv Stunden aus. Das ist offensichtlich kein Problem, die Schulpflicht scheint nur für Schüler zu gelten. Wenn man bei meinen Kindern die paar Stunden am Freitag sozusagen mit sowieso ausfallenden Stunden koordinieren würde, würden wegen Lehrermangel immer noch Stunden im Rest der Woche ausfallen. Da darf sich ein Schüler auch verarscht vorkommen, wenn er da sitzen soll. Denn fände der Protest brav samstags statt, würde es noch weniger interessieren.

» cooper75 » Beiträge: 11302 » Talkpoints: 432,24 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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