Sich immer überwinden müssen, Nein zu sagen?

vom 07.02.2019, 15:52 Uhr

Angeblich soll es immer Überwindung kosten, wenn man "Nein" sagt und eine Bitte von Kollegen, Freunden, dem Chef oder wem auch immer einfach ablehnt. Der Grund für die Absage spielt dabei gar keine Rolle. Ich kann diese Beobachtung ehrlich gesagt nicht teilen. Mir macht es gar nichts aus, "Nein" zu sagen und ich habe damit keine Probleme - möglicherweise wegen der Routine.

Wenn ich nicht will, dann will ich nicht und dann kommuniziere ich das auch entsprechend. Kostet es euch immer Überwindung, wenn ihr "Nein" sagt und eine Bitte von anderen ablehnt? Oder geht es euch da anders? Hängt es vielleicht auch davon ab, wie wichtig einem die Meinung seiner Mitmenschen ist oder wie routiniert man im "Nein-Sagen" ist? Oder meint ihr, dass das damit gar nichts zu tun hat?

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» Täubchen » Beiträge: 29294 » Talkpoints: 3,59 » Auszeichnung für 29000 Beiträge



Ich musste Nein sagen auf jeden Fall erst lernen. Früher hatte ich extrem wenig Selbstbewusstsein und habe dann doch öfter mal Dingen zugestimmt, die ich im Nachhinein eigentlich nicht so gewollt habe. Mir gefiel dies dann auch nicht und ich ärgerte mich über mein Verhalten. Als dann mein Selbstbewusstsein mehr wurde, lernte ich es auch, dass ich es mir Wert sein sollte auch mal etwas abzulehnen und das ging dann auch ganz gut. Mittlerweile sage ich klar was ich will und was ich nicht will, wobei es mir überhaupt nicht mehr annähernd schwer fällt Nein zu sagen.

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» Ramones » Beiträge: 38047 » Talkpoints: 77,60 » Auszeichnung für 38000 Beiträge


Es handelt sich ja um ein gängiges Klischee, dass gerade Frauen von der Erziehung und gesellschaftlichen Erwartung her gerne alles daran setzen, um nur ja nicht negativ aufzufallen oder Wellen zu machen. Schließlich ist frau immer hilfsbereit und opfert sich lieber auf, bevor jemand anders schlechte Gefühle aushalten muss. Zudem will ja niemand als faul oder wenig belastbar gelten, wenn es heißt: Ich kann heute keinen Kuchen backen, ich bin völlig fix und fertig.

Aber inwiefern dieses Klischee auch zutrifft, hängt in meinen Augen von unterschiedlichen Faktoren ab, wie beispielsweise dem sozialen Hintergrund oder auch dem Alter. Ich kenne eine Frau, die derart eisenhart darauf sozialisiert ist, zu allem Ja und Amen zu sagen, dass sie wahrscheinlich bis zur Rente ausgebeutet, verarscht und für Drecksarbeit eingeteilt wird, bei der jede ansatzweise emanzipierte Person nachfragen würde, ob man übergeschnappt sei.

Aber die dumme Kuh entstammt eben einer Ära und einer "Kultur", in der es sonnenklar ist, dass Männer das Sagen haben und Frauen Kaffee kochen, Häppchen vorbereiten, dabei hübsch aussehen und nie widersprechen. Aber ich bin guter Dinge, dass sich diese Einstellung mit zunehmender gesellschaftlicher Entwicklung auch verändert, wenn diese Generation allmählich ausstirbt und die erkennbare Rückentwicklung in die 1950er gestoppt werden kann. Ich zumindest habe kein Problem damit, mich auch mal vorübergehend unbeliebt zu machen, weil ich nicht aufs Wort gehorche.

» Gerbera » Beiträge: 7334 » Talkpoints: 6,24 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Bei mir ist es unterschiedlich. Ich tue mich eigentlich schon eher schwer damit mal Nein zu sagen. Aber mittlerweile mache ich das doch schon mal, wenn es mir gerade einfach nicht passt oder aus welchen Gründen auch immer. Es spielt aber auch eine Rolle, um was dabei geht und wer mich da fragt oder um etwas bittet. Bei meinem Partner oder der Familie und engen Freunden, fällt es mir schon schwerer mal Nein zu sagen, als bei Fremden oder Bekannten.

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» Nelchen » Beiträge: 30658 » Talkpoints: 5,21 » Auszeichnung für 30000 Beiträge



Es gab eine Zeit, da habe ich zu allem „Ja und Amen“ gesagt. Das hat sich ganz schnell verändert, und zwar spätestens in meiner Jugend. Da war langsam aber sicher Schluss. Denn wenn ich um etwas im Vorfeld gebeten habe, bekam ich es eben auch nicht immer. Ich habe jedem beigestanden, egal um welcher Uhrzeit, egal um was es geht und mehr. Im Gegenzug bekam ich das aber nicht und ich meldete mich eben wirklich, wenn es dringend war und nicht wenn mein Stecher der 10 im Jahr Schluss mit mir gemacht hat.

Ich sage also sehr wohl auch nein. Heute öfter denn je, wenn ich etwas nicht möchte, mache ich es halt einfach nicht und das meine ich dann auch nicht böse. Es geht eben darum, dass ich nur etwas machen sollte, wohinter ich auch stehe und wenn nicht, dann eben auch nicht. Früher sage ich, ja es war eine Überwindung und heute? Nein. Ich weiß einfach, was ich will und danach gehe ich.

Ich habe auch gelernt, dass das Leben eben nicht nur daraus besteht, es jedem Recht machen zu wollen. Wozu auch? Am Ende interessiert es keinen, welches biegen und brechen ich in Erwägung gezogen habe, um meine Prinzipien zum Beispiel für einen Gefallen etc. aufzugeben. Das mache ich nicht mehr und habe damit ab der Jugend begonnen. Seither bin ich so gestrickt, dass ich „nein“ sage, wann ich es meine und da erkläre ich z.B. auch nichts.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4169 » Talkpoints: 17,95 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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