Beerdigung geschmacklos finden und nicht hingehen?

vom 11.01.2019, 08:25 Uhr

Ich bin auf eine Beerdigung richtiggehend eingeladen worden. Die Feier ist etwas ungewöhnlich. Die Gäste werden gebeten, ein makaberes persönliches Gedicht über den Tod vorzutragen, weil der Verstorbene ein Freund des schwarzen Humors war, was ich auch weiß. Ich möchte aber kein makaberes Gedicht vortragen.

Ich überlege nun, ob ich der Beerdigung einfach fernbleiben soll, ob ich mich für das Gedicht überwinde oder ob ich den Hinterbliebenen sage, dass ich das nicht tue, obwohl sie das möchten. Was würdet ihr tun? Würdet ihr ein makaberes Gedicht dichten, obwohl es euch gegen den Strich geht, um die Wünsche der Angehörigen zu erfüllen? Ich habe starke Zweifel daran, dass es wirklich der Wunsch des Verstorbenen ist.

» anlupa » Beiträge: 11323 » Talkpoints: 91,40 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich würde meine Teilnahme an der Beerdigung von einem entscheidenden Faktor abhängig machen: brauche ich diese Teilnahme, um mich von dem Verstorbenen zu verabschieden und mit diesem Kapitel abzuschließen? Oder brauche ich diese Teilnahme nicht? Es gibt ja verschiedene Arten zu trauern und Abschied zu nehmen und es gibt auch Menschen, die können mit so einer Beerdigung gar nichts anfangen und schließen lieber für sich selbst damit ab. Ich finde, dass man für sich selbst an einer Beerdigung teilnehmen sollte und nicht für irgendwelche Angehörigen. Wenn es einem selbst nichts bringt, braucht man da meiner Ansicht nach auch nicht hingehen, egal was die anderen sagen oder denken.

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» Täubchen » Beiträge: 28535 » Talkpoints: 0,16 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Da hat Täubchen ganz recht, finde ich. Wenn es für mich selber wichtig wäre, aus welchen Gründen auch immer an der Beerdigung teilzunehmen, würde ich wohl hingehen, und ansonsten, gerade wenn ich sicher sein kann, in der Menge der Trauergäste unterzugehen, wohl auch eher fernbleiben.

Gedicht würde ich wohl keines schreiben, für keine Art Feier. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass mich die versammelte Trauergesellschaft dann dafür bloßstellen würde oder mit anfeuerndem Klatschen versuchen würde, mich zu motivieren. Dann wäre es nämlich keine Beerdigung, sondern Wichtigtuerei, und dafür habe ich keine Zeit.

Ich bin schließlich kein dressierter Affe, der für die Festgesellschaft Kunststückchen vorführt. Entweder man lädt mich als Gast ein oder man muss dann eben einen Alleinunterhalter engagieren. Das gilt für Hochzeiten und Geburtstage wie für Beerdigungen. Außer für meinen Partner oder exakt drei Blutsverwandte mache ich bei Feiern aller Art gar nichts, außer vielleicht Muffins zu backen.

» Gerbera » Beiträge: 7157 » Talkpoints: 0,30 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Recht habt ihr, ich würde mir auch überlegen zu einer Beerdigung zu gehen, die von vorne rein schon den Eindruck macht eventuell etwas schräg zu sein. Ich denke, dass es nicht verkehrt ist, wenn man was über den Verstorbenen sagt. Von mir aus auch in eine Art Gedicht, aber wenn es dann in eine Richtung geht, die alles andere ist als eine normale Trauerfeier, würde ich da auf keinen Fall hingehen. Nicht alle Menschen trauern auf die gleiche Art und Weise. Im Grunde finde ich es auch nicht verkehrt, wenn so eine Trauerfeier etwas anders abläuft als normal, es sollte nur nicht in eine Richtung gehen, mit dem man nicht umgehen kann. Möglichkeiten eine Trauerfeier zu gestalten gibt es ja inzwischen genügend.

Ich könnte auch nicht irgendetwas vortragen, weder Gedicht noch irgendetwas anderes. Der Verstorbene müsste mir eher fremd sein, dass ich mich dahinstellen könnte um etwas über diesen Menschen zu sagen, ohne dabei nicht mit meinen eigenen Gefühlen der Trauer kämpfen zu müssen. Und andernfalls bin ich an dieser Person viel zu nah dran, als dass ich ein Wort raus bringen könnte. Ich habe vor Menschen die das können, den größten Respekt. Denn es gehört schon einiges dazu, einen geliebten Menschen zu verabschieden zu müssen und dann noch ein paar Worte dazu sagen zu können. Aber eine Trauerfeier sollte immer noch eine Trauerfeier bleiben, ohne dass es in einer Theater oder Kabarett-Aufführung endet.

» Kodi » Beiträge: 119 » Talkpoints: 63,78 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Sollte ein Abschied von einer Person nicht so aussehen, wie der Tote es zu Lebzeiten hätte haben wollen? Warum also nicht ein wenig makaber? Warum also nicht so, wie sich der Verstorbene zu Lebzeiten verhalten hat oder sich das gewünscht hat.

Ich möchte zum Beispiel, dass keiner in Schwarz zu meiner Beerdigung kommt. Ich würde mir wünschen, dass alle in fröhlich bunten Farben bekleidet zu meiner Beerdigung kommen, die gerne kommen möchten und sich verabschieden wollen. Ein Beerdigungskaffee in dem Sinne, wo alle da sitzen und ein trauriges Gesicht ziehen würde ich auch nicht wollen. Ich würde gerne, dass die Leute feiern. Nicht, weil ich gestorben bin, sondern weil sie mich kennengelernt haben.

Wenn ich mich von einem Menschen verabschieden will, weil ich es zu Lebzeiten nicht machen konnte, dann würde ich natürlich zur Beerdigung gehen und ich würde auch dem Wunsch des Verstorbenen nachgehen oder dem Wunsch der Angehörigen, die ihn wohl gut genug kannten. Du kannst ja am Anfang dieses Gedichts auch sagen, dass es dir schwer fällt. Und ich würde wohl auch nicht als erster das Gedicht vorlesen wollen. Aber mal ehrlich? Ist es nicht egal, wie man sich verabschiedet? Ist es nicht wichtig, dass man sich verabschiedet?

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» Diamante » Beiträge: 41270 » Talkpoints: 167,39 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Diamante hat geschrieben: Aber mal ehrlich? Ist es nicht egal, wie man sich verabschiedet? Ist es nicht wichtig, dass man sich verabschiedet?

Die ganzen Beerdigungsriten, religiös oder nicht, beweisen mir eher, dass es durchaus in besonderem Maße auf das "Wie" ankommt. Sonst wäre es ja auch völlig in Ordnung, im Jogginganzug und angetrunken aufzulaufen und sich zu beschweren, dass das Bier hinterher warm war. Natürlich "trauert jeder auf seine Weise", aber ich würde soziale und kulturelle Normen aller Art nicht einfach so als belanglos abtun. Ich bin nicht der Meinung, dass es egal ist, wie man eine Beerdigung oder Trauerfeier gestaltet.

Ebenso wenig finde ich, dass es pauschal wichtig ist, dass man sich verabschiedet. Ich habe schon etliche nahestehende Leute beerdigt und wenn jemand tot ist, gibt es für mich nichts und niemanden mehr, von dem man sich "verabschieden" kann oder der sonst irgendwie noch "da" ist. Das ist ja gerade die Idee.

Je nach Glaubensausrichtung kann man ja auch davon ausgehen, dass die Seele weiterlebt und der Verstorbene immer noch irgendwie nahe ist, aber dann gibt es in meinen Augen zweimal keinen Grund für einen Abschied. Schließlich ist der/die Tote dann ja gar nicht wirklich weg. Von daher halte ich es schon für anständig und angemessen, Solidarität und Mitgefühl mit den Angehörigen und Hinterbliebenen zu zeigen, aber wenn ich dafür Partyspielchen spielen muss, bleibe ich lieber fern.

» Gerbera » Beiträge: 7157 » Talkpoints: 0,30 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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