Bedauern nicht bei verstorbener Person bedanken zu können?

vom 06.04.2017, 11:58 Uhr

In einem anderen Beitrag habe ich ja berichtet, dass das Tierheim Duisburg wohl eine stattliche Summe geerbt hat. Eine Tierliebhaberin verstarb wohl schon 2013 und vermachtet ihr Vermögen in Millionenhöhe dann dem Tierheim.

Die Tierheimleiterin sagte, dass sie die Frau persönlich kannte sie und auch häufiger ins Tierheim gekommen wäre. Natürlich freut sie sich sehr über die große Spende, aber sie bedauert es auch, dass sie sich nun nicht mehr bei der Frau dafür bedanken könnte. Ich muss sagen, dass ich es schon nachvollziehen kann, dass man sich für ein Erbe gerne bedanken würde, wenn man weiß, dass es eben von Herzen kam.

Hattet ihr auch schon mal den Wunsch, euch bei einem Verstorbenen für etwas bedanken zu können? Könnt ihr diesen Wunsch nachvollziehen und habt ihr es auch bedauert? Oder meint ihr, dass es im Falle eines Erbes eben nicht anders möglich ist?

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» Nelchen » Beiträge: 30282 » Talkpoints: 0,73 » Auszeichnung für 30000 Beiträge



Ich denke, man muss es aus Sicht der Verstorbenen sehen. Sie hätte es ja auch schon vor ihrem Tod ankündigen können oder auch schon lange vor ihrem Tod Geld spenden können. Dann hätte sich das Tierheim bedanken können, wahrscheinlich hätte ein Lokalblatt einen Artikel darüber gebracht und die Frau wäre als "Heldin" gefeiert worden.

Das wollte sie offensichtlich nicht. Sie wollte nur still und heimlich den Tieren etwas Gutes tun. Und womöglich nicht zu Lebzeiten auf ihr Vermögen verzichten müssen. Sie hat sich dafür entschieden, dass das Geld erst nach ihrem Tod den Tieren zur Verfügung steht. Sie hat gewusst, dass man sich nicht bei ihr bedanken kann. Aber ganz ehrlich, sie hat doch zu 100 Prozent gewusst, dass da Dankbarkeit sein wird.

Sicherlich ist es schwer, wenn jemand stirbt und man ihm noch etwas sagen wollte. Gerade bei einem persönlichen Verlust. Aber wenn man das mal genauer betrachtet, wussten die meisten doch eh, wie man fühlt.

Wenn man beispielsweise jahrelang mit jemanden gut befreundet war, aber vor seinem überraschenden Tod einen Streit mit ihm hatte, wusste derjenige doch trotzdem, dass man sich entschuldigt hätte, wenn man die Chance gehabt hätte und dass einem die Freundschaft wichtig war. Der Streit bekommt durch den Tod ein anderes Gewicht, aber eigentlich stimmt das nicht.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9457 » Talkpoints: 21,72 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Vor einigen Jahren ist auch eine nahestehende Person aus meinem Umfeld plötzlich verstorben, die ich sehr lieb gewonnen hatte und die ich auch heute noch sehr vermisse.

Ich finde es schon sehr traurig, dass ich dieser Person zu Lebzeiten nie gesagt habe, dass ich froh war, dass sie da war und wie dankbar ich für ihre Anwesenheit und ihre positive Energie war, die sie immer verstreut hat. Ich bedaure es sehr, es ihr nie gesagt zu haben, aber ich weiß auch, dass ich dazu nicht die Möglichkeit gehabt hätte, gerade weil ihr Tod sehr plötzlich kam. Von daher gilt es, dieses einfach zu akzeptieren oder es zumindest zu versuchen und das Leben weiter zu leben.

» Aguti » Beiträge: 834 » Talkpoints: 0,64 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich frage mich, ob die Personen es nicht schon gewusst haben werden, dass man dankbar war für ihre Existenz und für ihre Großzügigkeit? Gerade bei Angehörigen spürt man doch, wie man zueinander steht und da bedarf es nicht vieler Worte. Was die Dame mit der Tierheimspende angeht: sie hat das offensichtlich so gewollt und das sollte man so respektieren.

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» Täubchen » Beiträge: 28535 » Talkpoints: 0,16 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Dass sich der Gedanke einschleicht, ist durchaus verständlich. Aber gerade wenn es um Verstorbene geht, ist es meiner Erfahrung nach eher quälend als hilfreich, darüber nachzudenken, dass man sich hätte bedanken können/sollen, oder Oma öfter besuchen können oder generell, dass man hätte netter sein können oder was auch immer. Irgendwann ist es zu spät, und man muss damit leben, dass man wie so oft etwas versäumt oder falsch gemacht hat, was sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren lässt.

Im geschilderten Fall finde ich es sogar noch relativ einfach, sich damit abzufinden, weil es offensichtlich der Wunsch der Spenderin war, dass ihre Großzügigkeit erst nach ihrem Ableben bekannt wird. Je mehr emotionale Verwicklungen im Spiel sind, desto schwieriger wird es natürlich. Aber solche Überlegungen bewirken meiner Meinung nach sowieso nie etwas Positives, weil man sich Vorwürfe macht, ohne sich jemals davon befreien zu können, und das macht langfristig krank.

» Gerbera » Beiträge: 7157 » Talkpoints: 0,30 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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