Ignorant nicht nach Gesundheitszustand zu fragen?

vom 05.12.2018, 14:56 Uhr

Der Mann einer Bekannten liegt gerade im Krankenhaus und sie meinte, dass eine Freundin nicht mal nach dem Befinden ihres Mannes gefragt hätte. Nur der Ehemann der Freundin hätte sie darauf angesprochen, als sie sich zufällig über den Weg gelaufen wären.

Meine Bekannte meint, dass es ja schon ziemlich ignorant wäre, wenn man sich nicht nach dem Gesundheitszustand von jemanden erkundigen würde, wenn man wüsste, dass dieser eben krank ist oder in der Klinik. Das würde in ihren Augen schon ein schlechtes Licht auf die Person werfen und würde ja dafür sprechen, dass diese sich nicht dafür interessiert und mit sich selbst beschäftigt wäre.

Meint ihr, dass es schon sehr ignorant ist, wenn man sich nicht nach dem Gesundheitszustand von jemandem erkundigt? Würdet ihr auch sagen, dass es gegen jemanden spricht und ein Zeichen dafür ist, dass dieser sehr desinteressiert ist? Kann nicht jemand selbst viel um die Ohren haben und daher einfach vergessen nach dem Gesundheitszustand zu fragen?

Benutzeravatar

» Nelchen » Beiträge: 29867 » Talkpoints: 2,68 » Auszeichnung für 29000 Beiträge



Ich finde das überhaupt nicht. Wenn man sich in der Stadt trifft, dann will sich die Person vielleicht ablenken und gerade bei einem guten Freund würde ich auch eher warten bis der Freund damit anfängt, weil man ja gar nicht weiß, ob dieser vielleicht einfach mal etwas Abstand von dem Thema haben will. Wenn die Person wirklich schlimm erkrankt ist und alle ständig nachfragen, ist das sicherlich nicht angenehm. Als Frau denkt man schon eher auch an so etwas, der Mann hat das sicherlich nicht bedacht.

Außerdem wäre es mir auch ein bisschen unangenehm, wenn ich nachfragen würde, der Freund oder die Freundin dann in Tränen ausbricht und man von allen Leuten angestarrt wird, was sicherlich für die weinende Person auch nicht schön ist. Dennoch hätte ich neutral gefragt ob es etwas Neues gibt, denn das schließt den Partner ja mit ein.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 37044 » Talkpoints: 6,67 » Auszeichnung für 37000 Beiträge


Ich bin mir da auch nicht sicher, aber soziale Spielregeln waren schon immer ein Minenfeld für mich. Beispielsweise habe ich auch mitbekommen, dass gerade chronisch oder länger kranke Leute und ihre Angehörigen, selbst wenn sie höflich bleiben, offensichtlich die Schnauze voll davon haben, dass alle Welt immer und als erstes ihre Krankheit thematisiert, obwohl sie gerade dabei sind, sich daneben und darum herum wieder so etwas wie ein Leben aufgebaut haben. Aber danach fragt keiner, sondern man bekommt immer nur die besorgten Mienen.

Ebenso hätte ich bei Leuten, die nicht gerade meine allerengsten Freunde sind und deren Angehörige ich nicht mal kenne, auch Hemmungen, in Sachen zu stochern, die mich vielleicht gar nichts angehen. Gerade bei Krankheiten möchte vielleicht auch nicht jeder, dass die Schulkameradin der erwachsenen Tochter auch vom künstlichen Darmausgang erfährt oder dass man sich beim Fensterputzen saublöd angestellt und das Bein gebrochen hat.

Von daher warte ich oft auch lieber, bis das Thema von sich aus zur Sprache kommt und bohre nicht nach. Schlimmstenfalls geht es dem Betroffenen ja wirklich mies und mein Gegenüber muss mir beim Bäcker zwischen Tür und Angel ja nicht mitteilen, dass jemand nur noch drei Monate zu leben hat oder ähnliches. Nur in seltenen Fällen muss ich zugeben, dass ich auch mal vergesse, dass jemand gerade im Krankenhaus ist, meistens bei an sich gesunden Leuten, die auch nichts "Schlimmes" haben. Was will man dazu schon groß sagen außer "Gute Besserung!"?

» Gerbera » Beiträge: 7030 » Talkpoints: 3,51 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Gerbera hat geschrieben:Von daher warte ich oft auch lieber, bis das Thema von sich aus zur Sprache kommt und bohre nicht nach.

Das sehe ich genauso. Es gibt einfach Themen, auf die man gar nicht angesprochen werden möchte, weil sie zu belastend sind. Da wäre es meiner Ansicht nach auch eher schlauer, wenn man abwartet, bis die Person das Thema von sich aus anspricht. Da finde ich es eher unsensibel, wenn man dann nachbohrt und eventuell einen Nervenzusammenbruch verursacht. Wenn die betroffene Person mal (ausnahmsweise) über etwas anderes sprechen möchte (was man ja so nicht wissen kann), dann würde ich das akzeptieren und respektieren. Ich finde es eher dreist, wenn man dann nachbohrt nur um die eigene Neugier zu befriedigen unabhängig davon, wie belastend die Frage für die betroffene Person sein könnte.

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 27508 » Talkpoints: 0,12 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Ich denke, dass man so etwas immer von zwei Seiten betrachten kann. Sicher kann es bedeuten, dass diese Freundin zu sehr mit sich selber beschäftigt war und darum nicht gefragt hat. Das wäre dann vielleicht auch nicht so schön, wenn ich es auch nicht direkt als ignorant bezeichnen würde. Aber genauso gut kann es auch sein, dass die Freundin es bewusst nicht selber ansprechen wollte.

Bei manchen Themen ist es den Betroffenen auch unangenehm, wenn sie durch Fragen ständig daran erinnert werden. Das möchte man dann auch nicht und darum warten viele Leute vielleicht auch, bis die Betroffenen das Thema selber ansprechen. Möglicherweise war es bei deiner Bekannten ja genau dieser Fall, dass die Freundin vorsichtig war und das Thema selber nicht anschneiden wollte.

Ich muss sagen, dass ich es gar nicht weiß, wie ich selber das machen würde. Vielleicht würde ich schon mal vorsichtig fragen, aber oft würde ich auch einfach abwarten und das heißt überhaupt nicht, dass ich ignorant sein möchte. Ich möchte eine Person dann einfach nicht noch dadurch belasten, dass sie durch meine Frage wieder an das Thema erinnert wird.

» Barbara Ann » Beiträge: 25960 » Talkpoints: 16,29 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Zurück zu Allgemein

Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

^