Kollegen gegen Willen Abschiedsgeschenk kaufen?

vom 06.12.2018, 11:16 Uhr

Eine Kollegin von mir wird uns leider Ende des Jahres verlassen. Sie ist viele Jahre hier gewesen, aber der Vertrag wird nicht verlängert. Die Kollegin ist sehr traurig darüber, aber die Chefin lässt nicht mit sich verhandeln. Jedenfalls hat meine Kollegin schon mehrmals sehr deutlich und direkt gesagt, dass sie weder ein Abschiedsfeier noch irgendein Abschiedsgeschenk oder so etwas haben möchte. Sie meinte, dass sie das nur noch trauriger machen würde und das möchte sie nicht.

Ich bin ein Mensch, der solche Wünsche respektiert. Heute hat mich aber fast der Schlag getroffen, als andere Kollegen mich angesprochen haben und mich darauf hingewiesen haben, dass aktuell Geld für ein Abschiedsgeschenk gesammelt würde und ob ich nicht etwas beisteuern möchte. Das finde ich persönlich total unverständlich und auch dreist.

Schließlich hat die besagte Kollegin das mehrfach und zu vielen Kollegen gesagt, dass sie keine Feier und kein Geschenk möchte. Das ist den Kollegen auch bewusst, aber sie sind der Ansicht, dass ein "kleines" Geschenk total in Ordnung wäre. Wie seht ihr das? Würdet ihr zum Abschied etwas organisieren, wenn die Person das definitiv nicht möchte und das auch klar kommuniziert hat?

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» Täubchen » Beiträge: 27435 » Talkpoints: 0,77 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Also wenn sich jemand dermaßen klar und deutlich gegen Abschiedsgeschenke ausspricht und auch noch begründet, warum er daran keine Freude hätte, würde ich den Wunsch schon respektieren. Die meisten sagen ja, macht euch bloß keine Mühe, ich brauche keine Geschenke, egal ob zum Abschied oder zum Geburtstag. So etwas würde ich nicht als klares Veto werten, da freuen sich die Leute ja meistens doch und wollen eben einfach nicht, dass Druck oder Erwartungen entstehen. Aber in dem von dir beschriebenen Fall sollte jedem verständlich sein, dass keine Geschenke gewollt sind.

Wenn auch keine Feier oder ein Abschiedstrunk möglich sind, wird es wohl schwer, überhaupt etwas zu organisieren. Man könnte ja möglicherweise etwas tun, dass irgendwann nach der Entlassung stattfindet, ohne dass es sich direkt darauf bezieht. Eine neue Stelle feiern oder sich einfach generell einen schönen Abend in einem Restaurant oder einer Bar machen.

Vielleicht ist eine Karte ja wenigstens noch möglich? Die ist ja kein so richtiges Geschenk, aber wenn es ihr darum geht, dass sie Geschenke traurig machen, würde eine Karte es vielleicht erst recht tun. Aber möglicherweise freut man sich irgendwann eben doch mal über das Erinnerungsstück.

» RyderC » Beiträge: 169 » Talkpoints: 62,18 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich finde es wirklich dreist, wenn man diesen Wunsch nicht respektiert. Wenn man die Kollegin sehr zu schätzen wusste, dann kann man vielleicht eine Karte schreiben und diese dann später an ihre Adresse schicken, aber wenn sie kein Geschenk will, dann will sie keines und dann sollte man das auch so hinnehmen. Vor allem kann man damit doch jetzt nur daneben liegen und sie wird sich nicht freuen, sondern nur ärgern.

Ein Abschiedsgeschenk ist sicherlich immer eine nette Geste, aber wenn sie das nicht möchte, ist es eben auch nicht mehr nett gemeint. Gegen ihren Willen sollte man generell nicht agieren und ich finde es richtig und gut, dass du das wenigstens respektierst, auch wenn das deine Kollegen nicht so sehen.

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» Ramones » Beiträge: 37042 » Talkpoints: 6,23 » Auszeichnung für 37000 Beiträge



RyderC hat geschrieben:Vielleicht ist eine Karte ja wenigstens noch möglich? Die ist ja kein so richtiges Geschenk, aber wenn es ihr darum geht, dass sie Geschenke traurig machen, würde eine Karte es vielleicht erst recht tun. Aber möglicherweise freut man sich irgendwann eben doch mal über das Erinnerungsstück.

Die Umstände, warum sie gehen muss, sind leider mehr als tragisch. Sagen wir so, wir haben Anfang des Jahres einen Wechsel in der Chef-Etage gehabt und die neue Chefin ist leider behindertenfeindlich und will meine Kollegin um jeden Preis los werden und macht ihr das Leben zur Hölle. Die Mitarbeiter dagegen sind alle sehr begeistert von der Kollegin. Daher wird meine Kollegin niemals positive Erinnerungen mit einem Geschenk verknüpfen. Eine Karte als Erinnerung wäre daher aus zweierlei Gründen (wie soll sie die lesen können?) die denkbar schlechteste Idee überhaupt.

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» Täubchen » Beiträge: 27435 » Talkpoints: 0,77 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Ich denke auch, dass es einfach darauf ankommt, warum kein Abschiedsgeschenk gewünscht ist. Wenn der Kollege einfach sagt, dass das nicht sein muss, dann ist natürlich trotzdem klar, dass er sich darüber freuen würde, wenn es doch etwas gibt. Aber bei deiner Kollegin ist es ja etwas vollkommen anderes und ich finde auch, dass man den Wunsch definitiv respektieren sollte, wenn man ihn kennt.

Deine Kollegin hat es ja auch begründet und es ist dann doch klar, dass auch ein kleines Geschenk ihr den Abschiedsschmerz noch schlimmer machen würde und darum finde ich es auch komplett unangebracht, dann für ein Geschenk zu sammeln. Ich verstehe deine Kollegen, dass es schade ist, eine beliebte Kollegin ohne ein Geschenk zu verabschieden, aber wenn sie mit dem Geschenk nur negative Gedanken verbinden würde, dann wäre das doch auch total schade.

» Barbara Ann » Beiträge: 25935 » Talkpoints: 8,85 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Sich so über die Grenzen hinwegzusetzen und jemandem irgendetwas zu schenken, weil man sich selbst dann besser fühlt, ist schon nicht in Ordnung. Grundsätzlich kann ich den Wunsch und den starken Impuls, der beliebten Kollegin, die aus niederen Motiven gehen muss, zumindest als minimalen Ausgleich etwas Schönes schenken zu wollen absolut verstehen. Wenn sie explizit als Grund angibt, nichts haben zu wollen, was für immer in ihrem Leben ist, weil sie das traurig machen würde, könnte man sie fragen, ob ein Gutschein für ein Event eine Sache wäre, über die sie sich freut.

Alternativ fiele mir noch ein, das Geld der Kollegen zu nehmen und an eine Stiftung ihrer Wahl, die zu ihr passt, als Spende zu senden. Wobei es in diesem Fall natürlich auch sein könnte, dass so eine Geste sie noch wehmütiger stimmen könnte. Diese Chefin scheint aber auch wirklich eine fiese Möpp zu sein, kein Wunder, dass im Kollegenkreis der Wunsch nach einem Geschenk derart groß ist. Aber am Ende zählt eben die ausdrückliche Bitte der Kollegin.

» Verbena » Beiträge: 3183 » Talkpoints: 11,07 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Da ist vielleicht jeder anders. Mir wurde mein früherer Nebenjob auch gekündigt und ich arbeite da noch bis Ende des Jahres. Bisher deutet sich noch gar nicht an, dass ich ein Geschenk erhalten werde. Die Weihnachtsfeier ist vorbei, da dachte ich, ich bekomme was und den Chef werde ich bis Jahresende gar nicht mehr sehen, der ist da im Urlaub. Und so frage ich mich schon, ob ich da was bekomme, denn für mich gehört es schon irgendwie dazu.

Wenn jetzt jemand kein Geschenk will, dann mag das sicherlich daran liegen, das die Person z.B. mit dem ehemaligen Chef Negatives verbindet, weil alles, was hier zu dem Fall geschrieben wird, auch ein wenig nach Mobbing vom Chef klingt. Da will man nichts haben, was daran erinnert, was man sich irgendwo in die Wohnung stellt und dann immer wieder die Gedanken um die alte Arbeitsstelle kreisen lässt.

Aber man könnte ja etwas schenken, was nicht mit Erinnerungen verknüpft ist, sondern was einen kurzen Gefallen bedeutet, etwa dass man sich einige Zeit nach der Kündigung mit den lieben Kollegen (ohne den Chef) mal trifft oder was Leckeres zu essen kocht. Die Frau scheint ja blind zu sein, da machen Gegenstände zum Anschauen, der typische Deko-Kram, keinen Sinn, aber ein leckeres Essen wäre doch vielleicht eine Idee?

» Zitronengras » Beiträge: 8603 » Talkpoints: 52,69 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



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