Kinder aus der Pflege von Angehörigen heraushalten?

vom 16.05.2018, 13:11 Uhr

Ich habe einen Fall erlebt, bei dem die Oma zum Pflegefall wurde. Sie hat 5 Söhne und diese beschlossen dann, dass sie die Kinder bzw. Enkel der Oma aus der Pflege heraushalten möchten. Sie waren der Meinung, dass es doch sehr belastend für die Enkel sein wird und sie ihnen das erst einmal nicht zumuten möchten.

So wird eine Pflegekraft kommen und sich die Söhne abwechseln um ihre Mutter kümmern. Wenn es doch nötig würde, würden wohl auch die Enkel mit ins Boot geholt werden. Diese sind fast alle erwachsen. Die Jüngeren sollten generell da heraus gehalten werden. Ich denke, dass es etwas anderes ist, wenn ein Enkel gerne helfen möchte und das dann auch von sich aus anbietet.

Was haltet ihr davon die Kinder aus der Pflege eines Angehörigen herauszuhalten? Meint ihr, dass man ab einem gewissen Alter die Kinder einbeziehen sollte? Kann man Kindern das zumuten? Die Kinder in dem Fall sind ja nun fast alle erwachsen und könnten sicherlich Aufgaben übernehmen. Aber wie sieht das bei kleinen Kindern oder auch Jugendlichen aus?

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» Nelchen » Beiträge: 27695 » Talkpoints: 0,44 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Man sollte niemanden dazu zwingen. Wenn sich alle einig sind, dass die Oma zu Hause bleiben soll, dann muss auch feststehen, wer sich um die alte Dame kümmert. Ich halte da durchaus etwas davon, wenn es wenige Personen machen, da dann einfach die Übersicht besser ist und man auch für die Dame nicht ständig jemand anderes zu Hause hat. Jemanden gezielt herauszuhalten obwohl er helfen will finde ich falsch.

Wobei Pflege ein sehr sensibles Thema ist. Vielleicht trauen die Väter ihren Kindern einfach nicht alles zu. Für Eltern sind die eigenen Kinder ja dennoch die Kinder und man möchte ihnen schlimme Erfahrungen ersparen. Je nach Zustand der Frau kann das also gar nicht so böse gemeint sein. So löblich es auch ist den Wunsch der Frau erfüllen zu wollen, aber man kann es ja auch gar nicht immer zu Hause schaffen.

Kinder können ab einem gewissen Alter sicherlich auch gut helfen und selber pflegen. Man muss das aber auch wirklich wollen und können. Damit meine ich nicht das Körperliche, sondern auch das Verarbeiten im seelischen Bereich. Nicht jeder erträgt den Gedanken, dass eine Person nun hilflos ist, nicht jeder wäscht gerne einen nahen Verwandten oder bringt ihn zur Toilette, das muss man einfach können und da kann man auch niemanden einen Vorwurf machen.

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» Ramones » Beiträge: 36006 » Talkpoints: 21,71 » Auszeichnung für 36000 Beiträge


Ramones hat geschrieben:Kinder können ab einem gewissen Alter sicherlich auch gut helfen und selber pflegen.

Wirklich? Vielleicht bin ich ein herzloser Mensch, aber ich kann mir nicht vorstellen dass "Kinder" wirklich bei der Pflege hilfsbedürftiger Angehöriger helfen wollen, wenn man die gängige Definition von minderjährigen Menschen anwendet und nicht von den 60-jährigen "Kindern" einer 90-jährigen Betroffenen ausgeht.

Viele Aufgaben, die bei der Pflege anfallen, sind selbst für Erwachsene schwierig und anstrengend, und ich kann mir nicht vorstellen, dass der durchschnittliche Jugendliche, der noch nicht mal den Müll runterträgt, freiwillig dabei hilft, Windeln zu wechseln oder der Oma püriertes Essen anzureichen, geschweige denn, sie eigenverantwortlich ("selber") zu pflegen.

Von daher würde ich die jungen, wenig belastbaren und/oder pubertierenden Familienmitglieder aus der Pflege von Angehörigen tatsächlich heraushalten, weil diese naturgemäß andere Dinge im Kopf haben und langfristig wohl eher schaden als nützen. Wenn jemand der Oma ein Glas Wasser bringen oder ihre Socken zusammenlegen möchte, ist es natürlich nett und ich würde es auch loben und fördern.

Aber die jüngste Generation pauschal als Hilfstruppen zu rekrutieren erscheint mir schon sehr gewagt und eher als Nährboden für Generationenkonflikte, beispielsweise wenn der halbwüchsige Enkelsohn verständlicherweise lieber Party machen würde als nächtens die senile Bettflucht von Großonkel Albert zu verhindern.

» Gerbera » Beiträge: 6558 » Talkpoints: 6,54 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



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