Kann eine Diskussion falsch sein?

vom 13.03.2018, 20:57 Uhr

In den Medien wird eine Äußerung von Jens Spahn in Bezug zu Hartz IV thematisiert und es wird teilweise kritisiert, dass sie viel Wirbel verursacht hätte und damit eine "falsche" Diskussion angestoßen hätte. Meiner Ansicht nach aber gibt es keine "falschen" Diskussionen. Eine Diskussion dient in meinen Augen dem Zweck, dass man zu neuen Erkenntnissen kommt und Meinungen austausch. In dieser Hinsicht gibt es kein "falsches" Thema meiner Ansicht nach.

Wie seht ihr das? Findet ihr, dass man auch eine "falsche" Diskussion führen kann oder seht ihr das anders? Wenn man das Thema oder den Schwerpunkt der Diskussion falsch findet, kann man die Richtung doch entsprechend abändern, es ist ja nichts verloren oder in Stein gemeißelt, nur weil man darüber diskutiert. Seht ihr das anders?

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» Täubchen » Beiträge: 19854 » Talkpoints: 0,08 » Auszeichnung für 19000 Beiträge



Es gibt einfach falsche Momente zum diskutieren. Einfaches Beispiel, was so auch sicherlich jeder verstehen kann. Eine Situation im Krankenhaus, ein Patient wird auf dem Gang reanimiert, weil er da zusammengeklappt ist. Nun kommt Patient B stellt sich daneben und regt sich darüber auf, dass sein Essen noch nicht da ist und es immer nur Käse gibt. Mit Patient B hätte man sicherlich in Ruhe reden können und alles ausdiskutieren können, aber eben nicht in der Situation und so gibt es manchmal einfach unpassende Situationen um zu diskutieren.

Ich finde es aber an sich vollkommen in Ordnung, dass man über Dinge spricht, auch mal diskutiert und wenn man das macht ist es an sich auch nie falsch, weil man über Dinge, die einen bewegen spricht und man den Emotionen so Ausdruck verleiht. Es kann einem auch nicht geholfen werden, wenn man nichts sagt.

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» Ramones » Beiträge: 35740 » Talkpoints: 13,85 » Auszeichnung für 35000 Beiträge


Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, es sei "nie falsch" über Dinge, die einen bewegen, zu diskutieren. Dass eine Diskussion fehl am Platz sein kann, weil Uroma Agathe beispielsweise sowieso schon etwas senil ist und nicht über Frauenrechte diskutieren, sondern lieber in Frieden ihren 95. Geburtstag begehen möchte, wurde schon erwähnt. Aber ich finde generell nicht, dass Diskussionen und "darüber reden" so ein supertolles Allheilmittel für alle möglichen Probleme darstellen wie immer behauptet wird.

Beispielsweise kann man ein Thema auch totreden, wenn ein Diskussionspartner einfach nicht aufhören möchte und so lange auf das tote Pferd einprügelt, bis es zu einem handfesten Streit kommt und einer weint. Das ist nicht produktiv. Und die meisten, gerade die denkenden und diskussionsfreudigen Menschen haben Themen und Meinungen, bei denen es in ihren Augen nichts zu diskutieren gibt.

Beispielsweise bin ich der Meinung, dass die Todesstrafe falsch ist, Homosexualität dagegen schwer in Ordnung und Tattoos niemanden etwas angehen. Ich kenne alle gängigen Gegenargumente auswendig, habe sie schon oft gehört, oft genug auch ins Gesicht geschrien bekommen. Zumindest ist die letzen 10 Jahre kein gutes Argument mehr dazugekommen. Wieso sollte ich da noch das Diskutieren anfangen?

Außerdem können Diskussionen am Thema vorbeizielen und so Scheingefechte darstellen, die nur den Eindruck erwecken, als sei ein Thema gesellschaftlich relevant. Oder es werden Nebenaspekte aufgebauscht und der eigentliche Kern der Sache umschifft. Genau so etwas scheint ja bei der aktuellen Armuts-Debatte auch der Fall zu sein. Anstatt dass man das Problem von Grund auf zur Debatte stellt, wird um Definitionen, Wortklauberei und Centbeträge gefeilscht. So eine Diskussion halte ich in diesem Zusammenhang auch für falsch.

» Gerbera » Beiträge: 6325 » Talkpoints: 0,86 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



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