No Name Produkte im Alltag komplett ablehnen?

vom 05.07.2015, 16:23 Uhr

Mein Vater hat ziemlich spezielle Sichtweisen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Er ist unter anderem auch der Auffassung, dass generell alle No Name Produkte absolut schlecht sind und dass man diese nicht kaufen soll. Dabei bezieht er das auf Lebensmittel, auf technische Geräte, aber auch auf Haushalts- und Kosmetikprodukte und Kleidung.

Erst kürzlich überreichte mir meine Mutter eine pralle Tüte mit ungenutzten Duschgelen, Deos und Cremes von meinem Vater, die ich meinem Freund schenken sollte. Es handelte sich dabei um Produkte von Drogerie-Eigenmarken, wobei mein Vater sich weigern würde, diese Produkte auch nur auszuprobieren, so dass sie sich mit der Zeit angesammelt hätten.

Genauso ist es auch bei Lebensmitteln. Sobald ein No Name Produkt auf den Tisch kommt, kommt es zum Streit, weil mein Vater sich sofort darüber aufregt, was für einen "Mist" meine Mutter kauft. Er weigert sich dann auch, überhaupt etwas zu probieren. Wenn er probiert, verzieht er sofort das Gesicht und sagt, dass es nicht schmeckt. Macht meine Mutter ihm heimlich günstigere Produkte aufs Brot und sagt ihm, es würde sich um teure Produkte handeln, schmecken sie ihm aber auf einmal. Seiner Meinung nach, können günstige Produkte nur schlecht sein und er möchte nicht Geld für so einen "Mist" ausgeben. Von daher "darf" meine Mutter nur noch Markenprodukte kaufen. Dabei ist mein Vater Alleinverdiener und verdient nun auch nur durchschnittlich.

Kennt ihr auch Menschen, die No Name Produkte komplett ablehnen? Wie kann man solche Menschen vom Gegenteil überzeugen?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 35273 » Talkpoints: -0,01 » Auszeichnung für 35000 Beiträge



Das kann ich ehrlich gesagt nicht verstehen. Mein Freund ist ein Gutverdiener und der hatte früher auch das Vorurteil, dass No Name Produkte grundsätzlich schlecht sind. Bis er dann eben gemerkt hat, dass bei solchen Sachen wie Mehl, Zucker und dergleichen eigentlich überhaupt kein Unterschied ist. Es gibt eben Menschen, die kann man noch vernünftig überzeugen und es gibt welche, da ist jeder Hopfen und Malz verloren.

Bei ihm hat es geholfen, ihm zwei Produkte beispielsweise Markenzucker und No-Name-Zucker nebeneinander zu stellen und ihn nacheinander probieren und die Produkte vergleichen zu lassen. Da hat er selbst gemerkt, dass da kein Unterschied ist und seitdem kaufen wir bei vielen Produkten gezielt die Eigenmarken. Wenn wir festgestellt haben sollten, dass die Eigenmarken nicht schmecken, kaufen wir die Markenprodukte, es muss nicht immer das billigste sein.

Aber wenn dein Vater No-Name grundsätzlich verurteilt und boykottiert, dann wird diese Taktik bei ihm auch nicht wirklich helfen, wie ich finde. Vielleicht würde es ja helfen, wenn man ihm was weiß ich eine Scheibe Brot mti Markenbutter gibt und eine zweite mit No-Name Butter und ihm das gar nicht sagt und ihn dann nach den Unterschieden befragt oder so. Dann denkt er vielleicht um.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Das kann ich irgendwie gar nicht verstehen. Wir kaufen überwiegend No Name Produkte oder Eigenmarken der Supermärkte ein und ich muss sagen, dass ich sogar in manchen Fällen die günstigeren Produkte besser finde als die Markenprodukte.

In manchen Fällen schmeckt man bei Lebensmitteln zwar schon einen Unterschied aber jetzt nicht, dass es nicht gut ist sondern einfach etwas anders. Ich mag zum Beispiel Coca Cola sehr gerne, trinke aber auch die billige aus dem Penny, die schmeckt mir wiederum viel besser als Pepsi.

» elli.fant06 » Beiträge: 1009 » Talkpoints: 0,96 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kann das bei älteren Menschen durchaus sehr gut verstehen. Denn damals, als die Eigenmarken so langsam aufkamen, waren die meisten Produkte deutlich schlechter als die gewohnten Marken. Das betraf sowohl den Geschmack als auch die Eigenschaften bei der Benutzung oder Verarbeitung.

Wer das damals probiert hat und enttäuscht wurde, der möchte das oft nicht wieder versuchen. Auch wer früher gezwungen war, auf diese Produkte auszuweichen, hat eher schlechte Erinnerungen. Und der möchte dann oft nicht mehr daran erinnert werden.

Ich kann mich noch gut an die Anfangszeiten der No Name Produkte erinnern. Damals habe ich auch einen riesigen Bogen darum gemacht. Backpulver funktionierte nicht so gut, Mehl fehlten oft vernünftige Klebereigenschaften, Wurst war knorpelig und Fett, das war alles keine wirkliche Freude. Ich erinnere mich mit Grausen an die River Cola der frühen 80-er Jahre. Da waren die Zähne total rau und fühlten sich richtig fremd an.

Das hat sich mittlerweile ja alles geändert. Aber wer am besten noch die Mangelzeiten im und nach dem Krieg kannte und dann später solche Sachen probiert hat und enttäuscht wurde oder sie mangels finanzieller Mittel nutzen musste, der lässt sich heute oft nicht mehr überzeugen.

» cooper75 » Beiträge: 13347 » Talkpoints: 502,95 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Ich kenne solche Menschen nicht und kaufe auch selber schon mal No-Name-Produkte. Wenn jemand aber total überzeugt davon ist, dass diese Produkte nur Schrott sind, dann wird es sicher nicht leicht möglich sein, solche Personen vom Gegenteil zu überzeugen. Eine Möglichkeit wäre vielleicht die Aufdeckung, wenn deine Mutter heimlich ein No-Name-Produkt verwendet und dein Vater sagt, dass es ihm sehr gut schmeckt.

Dann könnte deine Mutter ihm sagen, dass das das No-Name-Produkt ist, was ihm vorher noch nicht geschmeckt hat, als er noch nicht dachte, dass es ein Markenprodukt sei. Aber so etwas kann natürlich leicht in Stress ausarten, weil ich denke, dass dein Vater dann vermutlich sauer reagiert, weil er sich getäuscht fühlt.

Ansonsten habe ich noch so ein kleines Buch, in dem man sehen kann, welche Marke hinter einigen der No-Name-Produkte steckt. Vielleicht wäre dein Vater erstaunt, wenn er wüsste, dass viele der No-Name-Produkte von den Firmen hergestellt werden, die auch die Markenprodukte herstellen.

» Barbara Ann » Beiträge: 28940 » Talkpoints: 57,59 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Ich finde es ehrlich gesagt sehr schade, wenn man da pauschal Vorurteile hat und auch gar nicht dazu bereit ist, mal über den Tellerrand zu schauen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Rezepturen können sich immer ändern und selbst wenn er festgestellt haben sollte, dass der Frischkäse aus den 1970er Jahren schrecklich geschmeckt hat als No-Name-Produkt muss das ja nicht immer noch genauso sein.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -1,02 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Wenn es um Lebensmittel geht, kann ich diese Einstellung auch nicht nachvollziehen. Bei Produkten die einfach nur angebaut und irgendwann geerntet werden, wie z. B. Zucker, halte ich es für sehr naiv, einen Geschmacksunterschied zwischen Marken- und No Name Produkten zu vermuten. Auch weiterverarbeitete Lebensmittel wie zum Beispiel Säfte schmecken als Billig-Variante meist genauso gut.

Aber es gibt auch Ausnahmen. Beispielsweise habe ich noch keine ähnlich gut schmeckende Variante zu Pringles gefunden. Es gibt zwar haufenweise Stapelchips von unbekannten Herstellen. Ich finde aber, dass diese definitiv nicht an das Original herankommen.

Bei Technik setze ich meistens aber auch auf Markenprodukte. Die großen Herstellen sind einfach schon am Markt etabliert und man kann auf relativ viele Erfahrungsberichte anderer Kunden zurückgreifen.

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» HeyNow » Beiträge: 72 » Talkpoints: 20,56 »



Ich denke, dass man sich in der heutigen Zeit keine Sorgen mehr zu machen braucht, dass viele No-Name Produkte viel schlechter sind als Marken. Es mag sicherlich drauf ankommen, um was es sich handelt und auch um welche Erfahrungen man da eben gemacht hat. Aber ich muss sagen, dass ich viele No-Name Produkte kaufe.

Manchmal finde ich diese sogar besser als bestimmte Marken. Vor allem kann man doch so auch sparen und hat ebenso gute Qualität. Da sehe ich nicht ein, nur für den Markennamen mehr zu zahlen. Bei manchen Marken ist es auch so, dass ich diese eben kaufe, weil ich noch kein gutes No-Name Produkt gefunden habe, dass mir ebenso gut schmeckt oder gefällt.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Die Haltung deines Vaters finde ich schon etwas lustig, aber eben auch vollkommen undifferenziert und daher nicht nachvollziehbar. Auch wenn er in der Vergangenheit schon Erfahrungen mit nicht ganz so guten No-Name-Produkten gemacht haben sollte, bedeutet das ja nicht, dass alle Sachen schlecht sind, nur weil sie nicht von einem bekannten Hersteller stammen.

Ich kaufe auch öfter mal sogenannte No-Name-Produkte, vor allem im Lebensmittelbereich und bei Drogerieartikeln. Aus meiner Sicht gibt es keine Qualitätsunterschiede, wenn man zum Beispiel Kidney-Bohnen, Mais oder Mehl von der Edeka-Eigenmarke kauft anstatt von Bonduelle beziehungsweise Diamant. Außerdem kaufe ich gerne auch Duschgel und Creme von Balea, der Eigenmarke von DM. Auch Putzmittel kaufe ich lieber von DM, da ich die bekannten Hersteller ohnehin aufgrund der Tierversuche ablehne, die diese durchführen. Das ethisch nicht vertretbare Handeln vieler Großkonzerne sorgt übrigens grundsätzlich dafür, dass ich ziemlich viele prominente Markenhersteller komplett boykottiere.

Es gibt aber auch Bereiche, in denen ich keine No-Name-Produkte kaufen würde. Das betrifft zum Beispiel Schuhe oder Elektronikgeräte. Auch Werkzeug und Möbel sollten nicht von irgendwelchen Firmen stammen, mit denen ich keine gute Qualität verbinde. Bei diesen Dingen kaufe ich lieber ein hochwertigeres Markenprodukt und habe damit auch gute Erfahrungen gemacht.

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» Cologneboy2009 » Beiträge: 14210 » Talkpoints: -1,06 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Du hattest ja mal gesagt, deine Familie hätte Migrationshintergrund, ich könnte mir vorstellen, dass dadurch gewisse Überzeugungen herrschen, die die Vernunftbegabung ausstechen. Möglicherweise sind billige Lebensmittel für ihn ein Synonym einer Armut, der er entfliehen wollte bzw. konnte. Markenlebensmittel und andere Markenprodukte sind dann das Symbol, dass man es geschafft hat und sich die weltbekannten Sachen jetzt auch leisten kann. Also gerade Konsum folgt oft anderen als vernünftigen Gründen.

Früher gingen viele Deutsche nicht einmal zu Aldi, weil dort nur Ausländer und Arme einkaufen gingen. Meine Eltern hatten in der Nähe einen Aldi und ich wette, dass sie diesen in Jahrzehnten nie betreten haben. Ich kenne das aus meiner Kindheit oder Jugend aber auch noch als Makel, wenn eine Familie bei Aldi einkaufen gehen musste, eine gefüllte Plastiktüte aus dem Discounter wurde verächtlich von vielen "Türkenkoffer" genannt. Das alles ist ja nicht Hunderte von Jahren her, sondern war eine Geisteshaltung aus den Achtzigern. Und gerade von Freunden aus dem östlichen oder südöstlichen Europa kenne ich noch eine gewisse Marken Fixiertheit, die sich sogar eher im Luxusbereich ansiedelt. Dior, Chanel bei Kosmetik, Designer bei Kleidung. Und bitte, wir gehen doch nicht zu Aldi!

Mein Vater hat auch sehr lange Zeit seines Lebens No Name Produkte abgelehnt, sehr zu meinem Unverständnis. Es ist schade, wie viel Geld dabei unnötig die Wupper runterging. Aber ich denke, er hatte auch immer noch bis ins Rentenalter das Mindset, dass man sich, wenn schon sonst nur noch wenig finanziell geht, wenigstens die Tempos und die Kerrygold kaufen sollte. Das Lustige ist ja, dass die Leute, die wirklich Geld haben, auf so etwas total pfeifen und ihnen es nicht so wichtig ist, von wem sie ihren Alltagsplunder beziehen.

» Verbena » Beiträge: 4891 » Talkpoints: 4,03 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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