Ich würde in dem Fall auf jeden Fall eine Karte senden, damit die Angehörigen etwas haben, was sie auf Dauer behalten und erneut ansehen können, wenn sie es für nötig halten.
Es gibt einige Menschen, die legen sehr viel Wert auf Formalitäten. Wie deine Verwandtschaft in dieser Hinsicht ist, kannst nur du wissen. Sollten sie sich sehr um Traditionen, Konventionen und bestehende Regeln bemühen und daran festhalten, solltest du dir vielleicht einen "anerkannten" Trauerkarten-Text aus irgendeinem Register suchen, den du dann nur für deinen speziellen Anlass anpasst. Wie so ein "offizieller" Trauerkarten-Text aussieht, weiß ich leider nicht, deswegen kann ich dir in dieser Hinsicht nicht helfen. Du solltest da am besten jemanden fragen, der sich damit auskennt. Es soll auch viele Internet-Seiten geben, die sich mit diesem Thema beschäftigen, und es gibt auch zahlreiche Bücher mit "Muster-Briefen", die sicherlich auch für das traurige Thema Kondolenzbriefe ein Kapitel parat haben.
Schöner als irgendwelche Standard-Texte finde ich persönlich aber, einfach zu schreiben, was einem das Gefühl sagt. Seine Trauer mit eigenen Worten ausdrücken zu können, egal, ob sie irgendwelchen bestehenden Konventionen widersprechen. Natürlich sollte man pietätvoll bleiben, höflich und nichts negatives über den Verstorbenen schreiben, weil das den Verwandten sicher nicht gut täte. Aber ich denke, das versteht sich schon von selbst und das dürfte dir auch schon klar gewesen sein.
Wenn ich nun an mein eigenes Leben zurück denke, dann habe ich bisher erst einmal mehr oder minder "offiziell", oder sagen wir besser "öffentlich", meine Trauer bekundet. Damals war mein Lehrer an einem Herzinfarkt gestorben, mit 65 Jahren, ganz kurz vor der Pension. Keiner hätte es erwartet und alle waren schockiert. Nun lag in der Schule ein Kondolenzbuch aus, in das man sich eintragen konnte. Ein Zwang bestand nicht, aber ich fand diesen Lehrer immer sehr nett, deswegen wollte ich ihm diese letzte Ehre erweisen und einen Eintrag schreiben. Er sollte schön sein, wirklich ästhetisch, aber auch nicht standardisiert, sondern persönlich.
Daher habe ich einfach geschrieben, dass ich um ihr trauere, dass er ein sehr netter Mensch war, den man vermissen muss, wenn man ihn kannte. Außerdem schrieb ich, dass ich den Angehörigen, die ihn überlebt haben, wünsche, dass sie diesen Tod gut verarbeiten und mit ihrer Trauer zurecht kommen. Und dass sie nicht allein sind, und es vielleicht tröstlich wäre, sich an die schönen Zeiten zurück zu erinnern. Dieser Mann hatte schließlich mit Sicherheit ein tolles Leben gehabt. Dahinter schrieb ich noch einen Vers, den ich schön und passend fand (der Lehrer mochte Gedichte, das wusste ich), und schließlich habe ich unterschrieben. Ich weiß noch, wie viel Mühe ich mir gemacht hatte, um einen passenden Vers zu finden, und es sollte ja auch schön werden. Ich wollte auch nichts falsch machen, denn soetwas hatte ich nun ja das allererste Mal vor mir. Deine Anregung kann ich also verstehen.
Was vielleicht ein wenig kitschig war, ich dann aber schon machen wollte, weil ich es konnte, war, eine Zeichnung in den Text einzufügen. Das muss natürlich keiner zwingend tun, aber ich zeichne privat sowieso sehr viel, und das wusste dieser Mensch auch. Dass ich mich, was irgendwie ironisch wirkt, zu der Zeit zeichnerisch besonders mit Friedhofsstatuen von Engeln und trauernden Frauen befasst habe, war da auch passend. Also zeichnete ich noch einen sitzenden, sein Gesicht in Trauer verbergenden, Engel dazu. Ich weiß nicht, wie es ankam. Ich hoffe, es wirkte nicht zu tragisch, kitschig oder übertrieben. Ich fand es da einfach passend, und es ist doch wohl das Beste, einfach seine Emotionen so zu äußern, wie man es selbst für richtig hält. Es war ja auch nichts Negatives gewesen.
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