vom 17.07.2010
Talkteria: Rezension: Yoel Hoffmann - Japanese Death Poems
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Rezension: Yoel Hoffmann - Japanese Death Poems

Forum: Literatur

    
Heute soll es mal um ein Schmuckstück aus meiner Lyrik-Sammlung gehen: "Japanese Death Poems", herausgegeben von Yoel Hoffmann. Es wird sicher nicht jeden ansprechen, aber mich mit meiner Trauer- und toten kulturellen Ausrichtung schon. Und auch Japanbegeisterte könnte das Buch sehr interessieren, sind Todesgedichte doch eine lange japanische Tradition.

Wie der Titel schon sagt, geht es um Todes- beziehungsweise Sterbegedichte. Genau genommen um solche bekannterer und unbekannterer Haiku-Dichter und auch verschiedener Zen-Mönche. Es ist traditionell so, dass man als alter Mensch, wenn man meint, der Tod stünde bald bevor, noch einmal ein Gedicht schreibt, das sich eben auch mit dem vergehenden Leben befasst. Natürlich trifft das nicht nur auf alte Menschen zu, sondern auch auf jüngere, wenn sie beispielsweise krank sind, oder wenn Lebensgefahr bevorsteht. Letzteres ist beispielsweise der Fall, wenn ein Kriegseinsatz droht. Daher haben auch viele Kämpfer vor Gefechten oder auch in Gefangenschaft solche Todesgedichte geschrieben. Die Form des Gedichtes ist übrigens nicht vorgegeben. Beliebt sind Haiku, aber man findet auch andere lyrische Formen. Nur der Inhalt ist eben auf ein Thema begrenzt, nämlich den Tod oder das Sterben. Wobei man das Thema auch sehr unterschiedlich angehen kann, humorvoll, traurig, hoffnungsvoll, oder vielleicht auch versöhnlich.


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Eben all solche unterschiedlichen Beispiele findet man in Yoel Hoffmanns "Japanese Death Poems". Natürlich ist es nur eine Auswahl, denn Todesgedichte gibt es sehr viele. Aber die Auswahl ist meiner Meinung nach sehr gut getroffen. Man findet sehr viele verschiedene Stile wieder, eben auch einige humoristische oder auch wütende Gedichte. Sie liegen jeweils in englischer Übersetzung vor, die meinem Laien-Urteil nach allerdings gut gelungen sind. Anbei findet man den Autor und, wenn bekannt, das Datum, an dem das Gedicht entstanden ist. Neben dran stehen Hintergrundinformationen über den Autor oder auch über ein bestimmtes Motiv, das in dem Gedicht auftaucht. Außerdem gibt es eine Einführung in das Thema und zahlreiche Hintergrundinformationen, was ich wirklich sehr gelungen finde.

Insgesamt finde ich das Buch wirklich sehr gelungen und kann es Interessierten vorbehaltlos weiterempfehlen. Es ist wirklich sehr angenehm, diese Todesgedichte auch mal ohne Japanisch Kenntnisse lesen zu können. Wobei ich vermute, wenn man die japanische Sprache beherrscht, dann sind die originalen Texte sicherlich noch einmal besser. Aber auch die englischen Übersetzungen sind sehr gut, und ich muss ganz ehrlich sagen, das Buch hilft mir irgendwie auch, zur Ruhe zu kommen. Das ist vielleicht einfach nur eine seltsame individuelle Eigenart, aber ich lese gerne ein paar der Gedichte, wenn ich im Stress bin. Danach bin ich meist wieder ruhiger und konzentrierter, was allerdings interessanterweise bei anderen Gedichten, besonders europäischen, oft nicht ganz so stark wirkt, wie in diesem Fall. Aber natürlich muss man dafür sicherlich ein individuelles Faible haben, man kann ja nicht jeden mit Haikus locken, und schon gar nicht mit welchen über das Sterben.

Wer nun überlegt, das Buch zu kaufen, sollte vielleicht wissen, dass es um die 15 Euro kostet. Es liegt als Paperback im Taschenbuchformat vor und hat schon eine ordentliche Dicke. 368 Seiten, um genau zu sein. Außerdem kann man ein Stück bei Google Books ganz legal pro belesen. Dazu einfach den Titel in die Suchzeile eingeben. Die Leseprobe ist schon recht ausführlich und wird sicherlich sehr bei der Kaufentscheidung helfen.
  
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