Jetzt gibt es ja mal was ganz neues aus der Waffenstadt Solingen: Statt noch einem Museum über Schwerter und Schießeisen gibt`s jetzt was, meiner Meinung nach, besonders lustiges: das Museum Plagiarus. Eröffnet wird es am 01.April. 2007, ich nehme mal an, der Andrang wird am Anfang recht hoch sein.
Jeder der weiß, was ein Plagiat ist, kann sich denken worum es geht, allen anderen sei soviel verraten: In dem Museum werden über 250 Originale und Plagiate aus verschiedenen Branchen gezeigt. Da fängt es an bei den gewöhnlichen Haushaltsartikeln, geht über Kosmetik und Medikamente hin zu Möbeln und Kinderspielzeug und zurück zu den Lebensmitteln. Das auch andere Industriegüter wie Werkzeuge oder Autos mittlerweile gefälscht und nachgemacht werden, kennt man ja schon von Spiegel TV & Konsorten. Plagiate sind, einfach ausgedrückt, "Raubkopien". Das es die nicht nur von digitalen Medien gibt, kann sich jeder denken, dem schon einmal im Urlaub eine "Rolex" für 50 $ oder Designerklamotten zum Schleuderpreis am Strand von freundlichen Einheimischen angeboten wurden.
 | :: Midgaardslang :: Beiträge 4333:: 100.43 Talkpoints |
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Natürlich ist das alles nicht nur zum Angucken gedacht, sondern soll vor allem, wie jedes Museum, der Aufklärung und Bildung dienen, in diesem Fall, wie sehr Plagiate im Grunde die Wirtschaft schädigen, welche Gefahren davon ausgehen (auch volkswirtschaftlich, nicht nur im persönlichen Gebrauch ) und welches Ausmaß das annehmen kann. Laut EU beträgt der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Markenpiraterie entsteht, mehr als 250 Milliarden (!) Euro.
Zwar, woran jeder bestimmt gleich denkt, kommen viele Plagiate aus Südostasien, im Rahmen der Dauerausstellung wird aber natürlich darüber aufgeklärt, das die Importeure, und somit die die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, oft aus den westlichen Ländern stammen, und die meisten Sachen sogar per Auftrag produzieren lassen, also nicht der "böse Chinese" dahinter steckt, der einem die Ideen klaut.
Dass das Museum letztendlich auch durch die Industrie finanziert wird, mag manche überraschen, aber natürlich steckt hinter dem ganzen auch ein erhebliches Eigeninteresse - den Käufer vom Kauf abzuhalten und davor zu warnen. Daher geht auch ein Großteil der Ausstellungsstücke im Grunde auf den "Plagiarus" zurück, Namensgeber für das Museum und einen Preis, der seit 1977 an Produktpiraten geht. Im Grunde so etwas wie die "Goldene Himbeere" der Industrie. Das sich der "Plagiarus" geringer Beliebtheit erfreut, ist damit wohl auch jedem klar .
Natürlich geht den Unternehmen durch dreisten Diebstahl geistigen Eigentums nicht nur Geld, sondern auch Ansehen verloren. Denn wer läuft immer gleich zum Support, wenn er mit billig gekauften Artikeln ein Malheur erlebt, da wird dann doch eher im Bekanntenkreis getratscht und der Name verliert an Kundenvertrauen, ohne das die Betroffenen wissen (obwohl: es gibt eben keine echte Rolex für 50 $, Thema Menschenverstand), das es sich dabei um eine Fälschung handelt.
Ich gehe auf jeden Fall einmal hin, einfach, um noch etwas mehr zu erfahren und sich wissenstechnisch noch besser zu wappnen, denn Fälschungen sind kein Phänomen der Neuzeit, gefälscht wird schon seit Menschengedenken, ob nun im Altertum Münzen, im Mittelalter chinesisches Porzellan und sogar unter Kaiser Wilhelm wurde ordentlich im Kaiserreich die Nachfrage nach historischen Stücken durch, nennen wir es "Wiederauflage" , befriedigt. Man denke nur an diejenigen, die beim Antiquitätenhändler auf großes Glück hofften und dann nur ein wertloses Plagiat in den Händen hielten .
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:: Midgaardslang
:: Beiträge 4333:: 100.43 Talkpoints ::  |
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Also ich war jetzt mal in dem Museum in Solingen, ich wollte mir eigentlich das Waffenmuseum ansehen, nur da war ich am Ende doch schneller durch als gedacht, da ich mir das ganze etwas größer vorgestellt habe. Hab dann an den Tipp hier im Forum gedacht und hab mal dorthin einen Abstecher gemacht - schon ganz nett was man da so findet.
Nur war ich danach leicht sauer, weil ich dann eben auf der Rückfahrt weniger an Steinschloßgewehre dachte, sondern eher daran, dass uns die Chinesen ohne eigene Leistung unsere Erfindungen unterm Hintern wegklauen und wir da so zusehen müssen, weil unsere geliebte Regierung mit der Wirtschaftslobby im Nacken lieber 0,1 % höhere Marktanteile haben möchte, als unser geistiges Eigentum zu schützen.
Na man bildet sich eben immernoch ein, da unten mal eine Demokratie schaffen zu können, völliger Blödsinn - die Chinesen nutzen das solange aus, bis sie alles zusammenhaben was sie brauchen, dass ist mir nach dem Palgiarusbesuch so richtig bewusst geworden.
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:: Marco79
:: Beiträge 254:: 12.82 Talkpoints |
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| Midgaardslang hat folgendes geschrieben: |
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Zwar, woran jeder bestimmt gleich denkt, kommen viele Plagiate aus Südostasien, im Rahmen der Dauerausstellung wird aber natürlich darüber aufgeklärt, das die Importeure, und somit die die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, oft aus den westlichen Ländern stammen, und die meisten Sachen sogar per Auftrag produzieren lassen, also nicht der "böse Chinese" dahinter steckt, der einem die Ideen klaut.
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Interessante Anmerkung. Allerdings stimme ich Dir zu, dass nicht (nur) "der Chinese" böse ist. Wenn der nämlich keine Abnehmer finden würde, würde das Fälschen auch schnell aufhören. Mal wieder der Konsument, der kauft, wenn's nur billig ist.
Wenn ich demnächst mal wieder in der Nähe bin, werde ich sicher auch mal reinschauen. Gespannt bin ich schon 
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:: JotJot
:: Beiträge 13223:: 61.41 Talkpoints |
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