vom 28.03.2007
Talkteria: Ostdeutschland boomt - jedoch nur punktuell
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Ostdeutschland boomt - jedoch nur punktuell

Forum: Wirtschaft

    
Laut einer neuen Studie, die das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos in seinem Zukunftsatlas 2007 für das "Handelsblatt" veröffentlichte, holt Ostdeutschland mehr und mehr auf - jedoch nur punktuell und regional immernoch mit starken Unterschieden. So überholten in den letzten 3 Jahren beispielsweise Dresden, Jena und Potsdam in den Top 20 Frankfurt/M. und Köln, Spitzenreiter bleibt der Landkreis München. Jedoch liegen 8 von 10 Städten und Kreisen in ganz Deutschland, die den stärksten Zuwachs verbuchen konnten, im Osten Deutschlands. Den größten Zuwachs konnte die Universitätsstadt Greifswald im ansonsten sehr strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern verbuchen.

Die 3 Jahre kommen dadurch zustande, da Prognos 2004 die erste Studie dieser Art anfertigte. In dieser Studie wird die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit aller 439 kreisfreien Städte und Landkreise Deutschlands untersucht. Die Grundlage für diese Studie bilden 29 verschiedene Indikatoren, z. B. Daten zur Konjunkturentwicklung und zum Arbeitsmarkt, zur demographischen Entwicklung, zur sozialen Lage und die Innovationskraft der einzelnen Städte und Kreise betreffend. Bedingt durch die enge Zusammenarbeit von Universität und der Wirtschaft verbesserte Greifswald sich z. B. innerhalb dieser 3 Jahre um 224 Plätze auf Rang 101.


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Die seit Anfang der 90er Jahre stark betriebene Ansiedlung und Förderung von Herstellern von Chiptechnologie und Mikroelektronik, wie z. B. AMD im Elbtal, sicherte Dresden einen Platz weit vorne, der Ausbau zum "Silicon Valley" Sachsens und Deutschlands war von Anfang an Primärziel. Zusätzlich kann Dresden durch die "Gläserne Manufaktur" von VW (Phaeton) sowie den stetigen Ausbau des Tourismus für sich verbuchen. Potsdam, dem die besten Chancen für die Zukunft bescheinigt werden, schaffte im Schatten Berlins durch die Ansiedlung von Dienstleistungsunternehmen den Anschluß an die boomende Hauptstadt, die im Moment den Aufbau des Großflughafens Berlin trotz aller Schulden im Auge hat.. Jena glänzte durch den Erhalt und Ausbau der Carl-Zeiss-Jena-Werke, die mittlerweile wieder führend auf dem Weltmarkt sind.

Jedoch: Wo Licht ist, ist auch Schatten, denn das extreme Wachstum ist nur sehr punktuell in eng abgegrenzten Regionen spürbar, das Umland profitiert deutlich weniger von den Zuwächsen, als vergleichbare Regionen im Westen. Prognos stellte jedoch fest, das insgesamt die Zahl der "absoluten wirtschaftlichen Problemfälle" stetig abnimmt. In der letzten Studie, die 2004 veröffentlicht wurde, sah Prognos bei 101 der 113 Städte und Kreise in Ostdeutschland eher Risiken als Chancen, diese Zahl hat sich auf mittlerweile 81 Städte und Kreise reduziert. Trotz aufstrebender Hansestädte wie Greifswald bleiben immernoch die stark ländlich geprägten und strukturschwachen Regionen, wie z.B. Mecklenburg-Vorpommern Schlußlicht mit den meisten Schwierigkeiten.
  
Midgaardslang :: Midgaardslang :: Beiträge 4333:: 100.43 Talkpoints :: Auszeichnung für 4000 Beiträge Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
Das ist leider so wie beschrieben und in ländlichen Regionen ist manchmal von einer Infrastruktur nichts zu spüren. Greifswald ist eine Universitätsstadt mit einen Anteil der Uni von ca. 30 Prozent der vorhandenen Jobs. Diesen Zustand haben in Greifswald natürlich auch andere Gewerbetreibende für sich positiv nutzen können. Hier sei als ein Beispiel die Baubranche genannt. Es wurden eine Vielzahl von Wohnungen für Studenten und für Mitarbeiter der Universität neu gebaut.

Allerdings wurde auch seitens der Politik das ländliche Umland nicht mit einbezogen. Dies ist ein schwerer Fehler, der auch schwer wieder zu korrigieren ist. Die Hansestadt Greifswald wird in den nächsten 5 Jahren vollständig ausgebaut sein, sodass hier auch keine neuen Zuwächse mehr zu erwarten sind. Der ländliche Bereich liegt aber in seiner strukturellen Entwicklung mindestens 10 Jahre zurück. Gerade in diesem Bereich ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch und neue Jobs kaum in Sicht. Ich bin Greifswalder und hoffe das sich hier einiges zum positiven ändert.
  
karlchen66 :: karlchen66 :: Beiträge 2655:: 264.79 Talkpoints :: Auszeichnung für 2000 Beiträge Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
   
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