Man meint ständig, die Kaufkraft ganzer Volkswirtschaften errechne sich aus komplexen Modellen, je komplexer je genauer und aufschlussreicher. Doch gerade die Finanzexperten des anerkannten englischen Wirtschaftsmagazins „The Economist“ gründen seit Jahren ihre Erkenntnisse auf einem völlig anderen, einzelnen Faktor: den Big Mäc. Kein künstlicher, kein virtueller, sondern eben jener der von McDonalds überall auf der Welt vermarktet und angeboten wird.
In der Einfachheit dieses Faktors liegt seine tiefe Genialität: Egal wo auf der Welt, den Big Mäc gibt es stets in einer standardisierten und normierten Einheitsgröße in stets gleicher Zusammensetzung und Qualität und das stets zum gleichen Preis in einem Land mit national angepassten Differenzen - ein vielseitiger Faktor von unglaublicher Konstanz und Beständigkeit. Damit warf er damals sogar die Brause von Coca Cola aus dem Rennen – diese gibt es weltweit in verschiedenen Größen und Zusammensetzungen sowie Packungsformaten. Der „Economist“ verlieh seiner weltweit sehr ernst genommen und respektierten Indexierung eigens zu Ehren dieses Wunderproduktes den Namen „Big Mac Index“.
 | :: Midgaardslang :: Beiträge 4333:: 100.43 Talkpoints |
 |
Normalerweise werden zur genauen Analyse der Kaufkraft der Nationen virtuelle Warenkörbe gebildet die den durchschnittlichen Konsum festlegen (sollen) – und dann wird weltweit verglichen, wo welche Körbe was Wert sind. Da kommt auf oft auf die berühmten 4,404 CD´s pro Jahr und Konsument, sowie 2136 Gramm Butter. In der Komplexität der Dinge liegt ihre Fehleranfälligkeit – ist eine in China gekaufte Hose gleichwertig mit einer aus Venezuela oder Island?
Trotz geringer nationaler Unterschiede - in Indien gibt`s statt Rinder- Hähnchenfleisch, in Saudi Arabien koscheres (halal) Rinderfleisch auf`s Sesambrötchen – besteht der Big Mäc in fast allen Ländern aus 25 Gramm Fett; 2,3 Gramm Salz, dem erwähntem Sesambrötchen, Rinderhackfleisch, Gurkenscheiben, Salat, Zwiebeln, Schmelzkäse und der bekannten Big Mac Sauce, insgesamt 500 kcal. Der BigMac ist zudem fast überall auf der Welt erhältlich.
Nachdem man nun diesen „realen“ Warenkorb mit einem Sammelsurium der verschiedensten Waren zusammen hat, kosten natürlich die verschiedenen Komponenten überall trotzdem nicht das gleiche Geld – außerdem muss man die Kauffreudigkeit der Kundschaft berücksichtigen und ihre Kaufkraft. Das „nimmt“ McDonalds dank seiner findigen Kalkulation sozusagen den Wirtschaftsexperten ab, denn, ein Unternehmen, das den Gewinn maximieren möchte, liefert natürlich auch besser kalkulierte Zahlen als reine „Schreibtischtäter“.
So kostet der Big Mac in seinem Heimatland, den USA, 3,41 $, was man einfach als Basis zugrunde gelegt hat. In Deutschland kostet er (an der Basis gemessen) satte 4,06, in Schweden 4,86 $, in Dänemark schon 5,08 $, $, in der Schweiz 5,20 $ in Norwegen 6,88 $ und in Island ganze 7,61 $ (weltweit am meisten). Wesentlich weniger verlangt wird für ihn in China mit 1,45 $, in Malaysia 1,60 $ und auch im traditionell antiamerikanischen Ägypten wird er gern für umgerechnet 1,68 $ gerne gekauft. Ähnlich niedrig (unter 2 $) angesetzt ist er auf den Philippinen, in Indonesien, in Thailand, in der Ukraine und in Sri Lanka.
Man kann also daraus folgern, daß das Leben in den skandinavischen Ländern besonders teuer, das Leben in den südostasiatischen Ländern wiederum „billiger“ ist. Da ein oder mehrere Big Mäcs nicht international gehandelt wird (Transaktionskosten wie Zölle, Einfuhr- und Ausfuhrbestimmungen, die relativ kurze Haltbarkeit und die anteilig hohen Transportkosten, sowie die Bestimmungen von McDonalds).
Der einzige Haken an diesem Index ist, daß es in vielen Ländern oftmals billiger ist, „heimische“ Gerichte in landestypischen Restaurants und Imbissen zu verzehren, anstatt einen BigMäc zu kaufen. Im Gegensatz zu den Industriestaaten ist dort (Schwellen- und Entwicklungsländer) der BigMac ein Luxusgut und kein „Gebrauchsgut“, dahingehend hinkt ein internationaler Preisvergleich. Somit ersetzt der BigMac Index nicht völlig althergebrachte Erhebungen mit virtuell zusammengestellten Warenkörben, doch beide ergänzen sich sehr gut.
Neben dem BigMac Index gibt es übrigens noch die Coca Cola Landkarte, den iPod Index und den Tall Latte Index. Der BigMac Index bedient aufgrund seiner Einfachheit natürlich, wie erwähnt, fast perfekt die Theorie von Ockhams Rasiermesser / Ockhams Razor, was seine Beliebtheit und starke Aussagekraft untermauert.
|
| |
 |
:: Midgaardslang
:: Beiträge 4333:: 100.43 Talkpoints ::  |
|
|
|
|
| |
| |
| |
|