vom 16.10.2011
Talkteria: Wie fühlen sich ungleich behandelte Geschwister?
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Wie fühlen sich ungleich behandelte Geschwister?

Forum: Familie & Kinder

    
Wir sind ganz gut mit einer anderen Familie befreundet. Mit ihren Kindern, ein Mädchen, 17 Jahre alt und ein Junge, 14 Jahre alt verstehe ich mich auch ganz gut. Die große Leidenschaft vom Jungen war schon immer das Fußballspielen. Der Vater, ganz stolz auf seinen Sohn, da er früher auch leidenschaftlicher Fußballer war, möchte seinen Sohn so gut wie möglich unterstützen. Dazu hat er ihn jetzt auf ein Sportinternat geschickt. Dort bleibt er dann ein Jahr, macht die neunte Klasse zu ende und hat nebenbei jeden Tag mehrmals Training. Die Chance dort entdeckt zu werden ist natürlich größer als auf seinem kleinen Heimatdorf. Wie ich gestern erfahren habe, wurde er bereits auch schon von einem Verein angesprochen. Der Vater jammert nun über die steigenden Internatskosten, denn natürlich muss dies die Familie tragen, da es sich um keine staatliche Schule handelt.


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Das Mädchen ist eigentlich schon immer etwas auf der Strecke geblieben. Von ihrem Vater bekam sie nie so richtig Aufmerksamkeit, die galt voll und ganz seinem Sohn, dem Fußballer. Ich denke einfach, der Vater möchte mit seinem Sohn das erreichen, was er früher nicht erreicht hat. Er möchte, dass sein Sohn entdeckt wird und als Profifußballer spielt. Das ist ja alles schön und gut aber ich habe schon immer etwas Mitleid mit der 17-jährigen Tochter, wenn ihr Vater dann auf Geburtstagen immer von den Toren seines Jünglings schwärmt und ihn hoch anpreist. Die Tochter bekommt nie so viel Aufmerksamkeit.

Nun hat sie einen eigenen kleinen Hauskater bekommen, denn sie wollte natürlich auch etwas. Ihr Bruder bekommt das teure Internat finanziert und dann ist klar, dass man als Schwester auch ein Stück vom Kuchen ab haben will. Ich weiß nicht, ob sie für den Unterhalt ihres Kätzchens jetzt alleine sorgen muss, denn sie arbeitet ja schon.

Meine Mutter erzählte mir auch schon einmal, dass die Familie zusammen mit ihren Großeltern waren. Die Stiefoma war noch nie gut auf ihre Stiefenkelin zu sprechen und so brachte sie es tatsächlich und übernahm am Ende vom Essen nur die Rechnung für den Enkel, nicht aber für die Enkelin. Natürlich ist die 17-Jährige nicht gut auf ihre Stiefoma zu sprechen und kritisiert diese eigentlich die ganze Zeit. Wäre ich auch nicht.

Ich habe mich schon oft gefragt, wie es für sie sein muss immer das zweite Licht bilden zu müssen. Ihr Bruder wird immer hoch gehalten, weil er etwas gut kann, was früher auch der Traumsport seines Vaters war und die Tochter steht immer hinten an.

Habt ihr vielleicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennt ihr Familien, in denen es ähnlich zugeht, wo eben einer bevorzugt wird? Wie werden sich die Geschwister von solchen "Helden" eurer Meinung nach fühlen?
  
:: iCandy :: Beiträge 1584:: 0.40 Talkpoints :: Auszeichnung für 1000 Beiträge Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
Eine solche Familie kenne ich sogar sehr gut. In dieser ist es allerdings der Bruder; die Schwester wird in ihrer Musikkarriere vollkommen unterstützt, während ihr Bruder noch nicht einmal weiß, was er werden will (beide 15 Jahre). Mir kam auch immer vor, dass sich ihr Bruder wohl schlecht fühlt, bis ich dann herausfand, dass das überhaupt ganz anders sein könnte. Offensichtlich möchte er gar nicht bevorzugt werden. In einem Gespräch, das ich zufällig bemerkte, machte er klar, dass es ihm viel lieber ist, wenn er viele verschiedene Dinge mit sich selbst ausmacht und tut, anstatt dass ihm irgendjemand ständig hinterrennt und ihn das und das machen lässt.

Natürlich muss das nicht unbedingt die Wahrheit sein, mir erscheint sein Standpunkt allerdings schon logisch. Außerdem muss sich die Situation nicht eins zu eins auf diese übertragen lassen. Vielleicht sollte sie gefragt werden, inwiefern sie sich benachteiligt fühlt und ob sie das überhaupt interessiert - es könnte ja sein, dass sie sich ähnlich "austoben" will.
  
:: dalticous :: Beiträge 106:: 57.38 Talkpoints Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
Wie sollen sich diese Geschwister schon fühlen, die das Gefühl haben, stets zurückstecken zu müssen und nicht wirklich wahr genommen zu werden? Ungeliebt und klein, unbeachtet und in manchen Fällen auch nicht wirklich existent. Ich kenne solche Familien und ich muss sagen, dass ich auch in einer solchen aufgewachsen bin. Inzwischen wohne ich schon lang nicht mehr zu Hause und auch haben sich diverse Fakten geändert, aber das hängt mir eben schon noch immer nach und wird wohl auch immer ein Teil von mir sein und bleiben, leider.

Letztendlich wird jedes Kind traurig darüber sein, dass es nicht die Aufmerksamkeit erhält, wie es eigentlich sein sollte. Die einen Kinder nehmen sich das zu sehr zu Herzen und versuchen wirklich alles, um auch mal wahr genommen zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen. Da wird nichts ausgelassen, um eben auch mal in diese Lage zu kommen. Erst wird es in den meisten Fällen im Guten versucht, aber damit stößt man wohl auf Granit. Dann wird eben alles Negative versucht, egal wie, Hauptsache, man hat die Aufmerksamkeit erlangt.

Andere Kinder hingegen lassen sich nicht mehr davon beeindrucken und gehen ihre eigenen Wege, kapseln sich ab und verfolgen eben ihren Weg. Sie lernen damit umzugehen, sind zu Hause meistens nur in ihrem Zimmer anzutreffen oder eben nur außerhalb des Hauses unterwegs und gehen den anderen Familienmitgliedern aus dem Weg, weil sie wissen, es bringt sowieso nichts, wenn sie sich mit ihnen auseinandersetzen. In den meisten Fällen ist dies aber das Resultat, wenn die Versuche, sonst wie an Aufmerksamkeit zu kommen, gescheitert sind.

Sicherlich wird es noch andere Methoden gehen, damit umzugehen, aber im Grunde sind eben diese beiden Dinge auch Methoden, die ich angewandt habe und es auch so von anderen Familien kenne. Gespräche führen hat bei uns leider nichts gebracht, weil ich dann gesagt bekommen habe, ich würde mir diese Dinge nur einbilden oder aber mir wurde gesagt, dass ich mich selbst ja nicht darüber wundern müsse und solche Dinge. Was soll man da als Kind auch schon großartig tun, als sich zurückzuziehen? Mir fällt nichts ein.
  
*steph* :: *steph* :: Beiträge 12300:: 655.47 Talkpoints Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
Was ist denn aber mit der Mutter der Familie? Ich kann es schon verstehen, dass der Vater eventuell mit dem Sohn mehr anfangen kann. Gerade gemeinsame Interessen verbinden doch enorm und wenn die beiden fußballbegeistert sind, dann hat das mit mangelndem Interesse an der Tochter eventuell nur bedingt etwas zu tun. Der Vater kann dann schlicht und ergreifend mit dem Sohn mehr anfangen. Aber wieso finden dann zum Ausgleich nicht einfach Mutter und Tochter etwas, was sie gemeinsam unternehmen können? Man kann durchaus dann mal zusammen shoppen gehen, wenn man schon sonst nichts anderes findet.

Das mit der Stiefoma, wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen kann, ist jawohl die Krönung. Was denkt diese sich denn dabei, jemanden so offensichtlich zu schikanieren? DAS geht wirklich gar nicht, dass man nur die Rechnung für den einen, nicht aber für den anderen übernimmt. Wenn ich so etwas als Vater mitbekommen würde, würde ich aber mal was dazu sagen. Man kann durchaus für den einen Enkel mehr Sympathie hegen, aber zeigen darf man das so offensichtlich definitiv nicht.

Sicherlich fühlt man sich nicht gut dabei, wenn man so offensichtlich schlechter als das Geschwisterkind behandelt wird. Das Problem ist auch, dass sich die Wut dann schon auf das Geschwisterchen richtet, obwohl es in den meisten Fällen (es gibt da sicherlich aber auch Ausnahmen) nicht einmal etwas dafür kann. Ich denke da sollten sich alle Beteiligten auf jeden Fall um 180 Grad drehen, denn ansonsten würde ich den Kontakt abbrechen, sobald ich die Möglichkeit dazu habe.
  
winny2311 :: winny2311 :: Beiträge 11535:: -11.07 Talkpoints Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
Ich persönlich finde die ungleiche Behandlung zweier Geschwister äußerst furchtbar und würde wohl auch nie auf die Idee kommen, meinen Kindern etwas ähnliches an zu tun. Ich kenne es nämlich leider nur zu gut aus meinem eigenen Familienhause, wie sich so etwas an fühlen kann, und insbesondere, mit wie vielen Enttäuschungen und auch Selbstzweifeln man so etwas verbinden kann. Schlimm für die Kinder ist es in jedem Fall, wenn sie absolut keine Aufmerksamkeit von den eigenen Eltern oder sonstigen Familienmitgliedern bekommen, und sich stattdessen ausgerechnet die eigene Schwester oder der eigene Bruder über all diese fehlende Aufmerksamkeit keineswegs beschweren kann.

Ich finde daher auch den Fall der Familie in deiner Nachbarschaft ganz schön krass und die 17-jährige Tochter tut mir auch Leid dafür, dass sie einer solchen ungerechten Behandlung ausgesetzt ist. Besonders das Verhalten der Stiefgroßmutter, nach welchem sie nur das Essen ihres Enkels, nicht aber das ihrer Enkelin bezahlt hat, empfinde ich als äußerst kränkend und wäre an der Stelle des Mädchens wohl auch ganz schön baff über ein so dreistes Verhalten. Dass der Vater den Sohn bevorzugt, weil er dessen Träume erfüllen und einen echten Profifußballspieler aus diesem machen möchte, ist ja nichts Ungewöhnliches, so etwas hört man ja immer mal wieder - aber ein solches Beispiel dann im realen Leben zu haben, finde ich schon ganz schön heftig. Ich denke, an der Stelle seiner Tochter würde ich mit dem Vater kaum noch Kontakt haben wollen, wenn sie irgendwann mal ausgezogen ist und auf eigenen Beinen steht. Wenn er so weitermacht wie bisher, dürfte ihn dies ja dann wahrscheinlich nicht mal sehr kränken, was ja schon traurig genug ist.

Wie bereits geschrieben, kenne ich diese Fälle von der ungerechten Behandlung zweier Geschwister allerdings selbst nur zu gut. Angefangen hat das bei mir wohl schon, als ich auf die Welt kam - ich war sofort eine Art kleiner Star für meine Eltern, und wie das denn in den meisten Fällen dann auch so der Fall ist, beachteten sie mich mehr als meine ältere Schwester. Die hatte es ohnehin während ihrer Schulzeit nicht leicht, wie ich später erfuhr, und daher finde ich es besonders traurig, dass sie dann nicht einmal mehr zu Hause mit der Unterstützung und Aufmerksamkeit ihrer Eltern rechnen konnte. Während der Pubertät baute sie dann auch ein derart schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter auf, weil diese ja anscheinend immer nur mich im Kopf hatte, und nie sie, dass sie sich gehasst fühlte. Die besondere Aufmerksamkeit von meinen Eltern bekam ich noch etwa bis zu meinem zehnten Lebensjahr, dann war Schluss damit und ich verstand mich ebenfalls immer weniger mit meinen Eltern, besonders mit meiner Mutter.

Dann zog meine Schwester von zu Hause auf, als ich etwa zwölf Jahre alt war, und die Sache mit der ungerechten Behandlung änderte sich schlagartig. Ich selbst war immer noch total mit meinen Eltern zerstritten, und jedes Mal, wenn meine Schwester zu Besuch kam, wurde ich dann als nervend abgestempelt und ignoriert, ihr dagegen, die sich immer besser mit meinen Eltern verstand, wurde die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Dass mich das kränkte und dazu führte, dass die Beziehung zu meinen Eltern immer schlechter wurde, kann man sich ja vorstellen. Und eigentlich hält dieser Zustand auch noch bis heute an. Ähnlich verhält es sich mit meinem Cousin: Dieser wird von meiner Großmutter mit Taschengeld und kleineren Geschenken überhäuft, wir dagegen, die "anderen beiden" Enkelinnen, bekommen gerade mal zum Geburtstag eine Kleinigkeit von ihr. Ich meine, ich freue mich ja darüber, dass ich dann überhaupt etwas bekomme - aber ungerecht ist es im Vergleich mit meinem Cousin schon.
  
porcelain :: porcelain :: Beiträge 967:: 0.39 Talkpoints Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
Menschen sind nie gleich, selbst eineiige Zwillinge nicht. Insofern ist eine gleiche Behandlung schwierig. Ein Kind hat Probleme in der Schule und braucht Nachhilfe- deshalb kann man für das Geschwisterkind doch nicht auch Nachhilfestunden buchen, wenn dieser gar keine benötigt. Gäbe man dem "schlaueren" nun das Geld für die Nachhilfe, würde sich der Nachhilfeschüler ungerecht behandelt fühlen.

Und natürlich spielen doch auch die Interesse des Kindes eine Rolle. Wenn man selbst singen kann, kann man mit seinem Teenie für Castings üben. Wenn das Geschwisterkind nun für die Japanischstunden lernt, kann man als Elternteil dabei unter Umständen gar nicht weiterhelfen. Und wenn ein Kind in irgendetwas besonders gut ist und Spaß daran hat, sollte man sein Kind doch fördern oder? Macht es dabei einen Unterschied, wenn es ein untalentierteres Geschwisterkind gibt, was vermutlich niemals dieselben Leistungen erbringen und es oft auch gar nicht möchte?

In einer Familie muss man sich doch immer arrangieren miteinander. Es kann kaum für alle dasselbe geben. Und unabhängig von der Familiensituation gibt es fast immer Dinge, die man nicht ermöglichen kann. Dann gilt es Kompromisse zu machen.
  
Trisa :: Trisa :: Beiträge 1392:: 57.21 Talkpoints :: Auszeichnung für 1000 Beiträge Zum Antworten mit Zitat bitte einloggen
 
 
 
   
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