Der Rassismus ist einer Erscheinung der modernen kapitalistischen Gesellschaft. Vor der Entstehung des Kapitalismus hatten die Begriffe Nation und Rasse keine wirkliche gesellschaftliche Bedeutung. In der feudalen Dorfgemeinschaft waren Vorurteile zwar sogar viel heftiger und tiefer verwurzelt als heute, der kleinen, abgeschlossenen Welt der Dorfgemeinde entsprach ein äußerst provinzielles, beschränktes Bewusstsein.
Da die Mehrzahl der menschen fast das ganze Leben am gleichen Ort verbrachten, entwickelte sich eine überstiegerte lokale Identität. Die Härte des Überlebenskampfes verstärkte den inneren Zusamenhalt der dörflichen Gemeinschaft, und ihr Misstrauen gegenüber der Aussenwelt.
In dieser rückständigen Welt waren Aberglaube und Vorurteil die zwangsläufige Reaktion auf alles Unbekannte. Menschen aus der entfernteren Umgebung, wurden besondere Charakterzüge wie Unerhlichkeit oder Raffgier angedichtet, während Menschen mit ungewöhnlichen Talenten, etwas der Schmied, oft als Hexer oder Zauberer galten. Aus diesen Vorurteilen entwickelten sich mit der Zeit Stereotypen, die ihrerseits die Austragung von Konflikten zwischen den Angehörigen verschiedener Daörfer oder Regionen, beeinflussten und sogar verstärkten. Der traditionelle Streit zwischen Yorkshire und Lancashire ist ein typsiches Beispiel solcher, in der feudalen Gesellschaft verwurzelten, regionalen Antagonismen. Furcht vor dem Fremden äußerte sich im vorkapitalistischen Europa auch in tiefsitzenden Vorurteilen gegenüber Menschen mit fremder Redeweise, Sprache oder Religion, und gegenübersolchen mit ungewohnter Hautfarbe oder Erscheinungsbild.
Es scheint auf den ersten Blick, als seien der moderne Rassismus und das vorkapitalistische Vorurteil in vielerlei Hinsicht equivalent. In beiden Fällen kommt es zum Konflikt verschiedener Bevölkerungs- gruppen; in beiden beruht der Antagonismus auf irrationalen Vermutungen, und bei beiden kommt es zur Gewaltanwendung gegen Fremde. Dennoch sind Vorurteil und Rassismus grundsätzlich zwei von einander verschiedene gesellschaftliche Phänomene.
Warum, dazu komme ich im nächsten Teil.
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:: vivakoepi
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