Ab wann bezeichnet man eine Religion auch eine Sekte? Ist eine freie evangelische Gemeinde oder die katholische Kirche oder die evangelische Kirche auch schon eine Sekte? Was macht eine Sekte aus? Viele, die gar nichts mit der Kirche am Hut haben sind ja schnell der Meinung, dass alles, was mit einem Glauben zu tun hat auch eine Sekte ist.
Ab wann kann man wirklich von einer Sekte sprechen? Es gibt ja auch in der katholischen Kirche fanatische Leute, die alles glauben, was der Priester predigt. Und ich bin damals streng katholisch aufgewachsen und als ich erwachsen wurde, habe ich oft gedacht, dass die Predigten, welche der Priester auf seiner "Bühne" von sich gibt doch sektenähnlich sind. Aber da ich mit Sekten so nie was am Hut hatte, weiß ich nicht, ob ich da richtig denke.
Für manche Menschen sind Sekten nur diese Glaubensgemeinschaften, die ihrer Ansicht auch Schaden anrichten. Aber wo kann man da eine Grenze setzen? Ist die katholische Kirche auch schon gefährlich? Warum hat das Wort "Sekte" so einen bitteren Beigeschmack und warum lehnen selbst die Glaubensgemeinschaften, die in den Medien schon Sekten genannt werden diese Bezeichnung ab?
|
| |
 |
:: Diamante
:: Beiträge 28350:: 455.41 Talkpoints |
|
|
|
|
| |
| |
| |
|
Sekten sind Religionsgemeinschaften. Es gibt sehr viele von ihnen, die sich unterscheiden in ihrer Lehre und ihrem Kult. Ihre Lehre weicht von denen anerkannter Kirchen ab. Die katholische Kirche bezeichnet alle Religionsgemeinschaften als Sekten, die nicht die von ihr gepredigte Wahrheit vertreten.
Ursprünglich wurde auch die katholische Kirche als Sekte bezeichnet. Schon zu Neros Zeiten wurde das Christentum als ein unheilvoller, abscheulicher Aberglaube aus Judäa benannt. Die Anhänger dieser "neuen Sekte", die geheimnisvoll und wenig bekannt war, nannten sich Christen. Sie wurden verhaftet und hingerichtet. Diese neue Sekte bekam immer mehr Anhänger.Sie vereinigten sich im "Haus des Herrn", was Kirche bedeutet.
Wenn sich Gleichgesinnte, also Glaubensbrüder, zu einer Religionsgemeinschaft zusammenschließen, nennt man diese Vereinigung Sekte. Viele dieser Sekten haben einen negativen Ruf.
|
| |
:: Cid
:: Beiträge 4912:: 951.97 Talkpoints ::  |
|
|
| |
| |
| |
|
Also ich denke, dass die katholische oder evangelische Kirche an sich natürlich keine Sekten sind, da man dort weder jemanden zwingt hinzugehen, noch sonst irgendwelche seltsamen Praktiken anbietet, wie das bei vielen Sekten üblich ist. Bei der katholischen und evangelischen Kirche ist das einfach so, dass man hingeht oder es eben sein lässt. Richtige Sekten hingegen sind da etwas anders. Die meisten Mitglieder sind aufdringlich und versuchen andere Leute auch gewaltsam dazu zu überreden, in die Sekte einzutreten. Und ist man einmal drinnen, kommt man nicht mehr so einfach raus. In einer Doku habe ich mal gesehen, wie ehemalige Sektenmitglieder sich geäußert haben und beschrieben haben, dass innerhalb einer Sekte oftmals kaum jemand mehr sein eigenes Leben führt, sondern alle tun, was der Sektenführer verlangt und so häufig ihr ganzes Leben ruinieren und ihr Geld hergeben oder so ähnlich.
Das ist natürlich nicht der Fall, wenn man in die katholische oder evangelische Kirche geht. Aber auch dort gibt es einige Organisationen und Gemeinden, die einem das Gefühl geben, sich vor zu kommen, wie in einer Sekte. Schauen wir zum Beispiel einmal auf die Kirche, wie sie in Polen ist. Wenn man dort nicht die Messe besucht (vor allem in kleinen Orte, wo jeder jeden kennt), passiert es häufig schon mal, dass man deswegen kritisiert und schief angeschaut wird. Da hat man schon ein bisschen so das Gefühl, die Kirche sei eine riesengroße Sekte.
Aber auch in Deutschland in der evangelischen Kirche, gibt es eine Organisation, die einer Sekte schon sehr nahe kommt, nämlich das CVJM, der christlicher Verband junger Menschen. In einigen Teilen Deutschlands ist dieser Verein durchaus schon so ausgeprägt, dass er einer Sekte sehr ähnlich ist. Ich selbst bin als Kind von einer Freundin häufig dazu überredet worden, zum CVJM zu gehen, weil ihr Vater dort Vorsitzender war. Ich habe mich bei den Bibelstunden gelangweilt und die Spiele waren mir alle irgendwie ein bisschen zu privat dafür, dass ich die Leute noch nicht so gut kannte. Später habe ich diese Freundin dann dadurch verloren, dass ich da nicht mehr hingehen wollte und ich bin erst in meiner späteren Schulzeit wieder auf das CVJM gestoßen, nämlich in Verbindung mit der ''Hour of Power'', einer Jugendmesse. Und was ich dort erlebt habe, hat mich doch ziemlich geschockt. Eins der Schlüsselerlebnisse war für mich der Moment in der jemand die Menge gefragt hat ''Habt ihr jetzt den Weg Gottes gefunden?'' und der ganze Verein auf einmal mit vollem Ernst ''Ja'' kreischte.
Man sage, was man wolle, aber ich bin sicher, dass der CVJM in einigen Teilen Deutschlands sich wirklich zu einer Art Sekte entwickelt. Natürlich ist das harmlos im Vergleich zu Sekten wie Scientology, aber es ist trotzdem nicht zu ignorieren.
|
| |
 |
:: Crispin
:: Beiträge 4607:: 5.28 Talkpoints ::  |
|
|
| |
| |
| |
|
Hallo Siliana,
Du verwechselst da was. Satanisten sind Menschen ohne moralische Verantwortung. Der Satanismus ist keine Sekte, das mußt Du falsch verstanden haben, ebenso ist die Kirche keine Sekte. Sie war es in ihren Anfängen, aber das ist schon sehr lange her.
Der Satanismus ist das Gegenteil einer relegiösen Strömung, er ist nur eine Bewegung. Übrigens sind viele Satanisten nach den letzten verübten Greueltaten zum Glauben übergetreten. Das war selbst ihnen zu viel.
|
| |
:: Cid
:: Beiträge 4912:: 951.97 Talkpoints ::  |
|
|
| |
| |
| |
|
Ich glaube hier herrscht einiger Irrglaube über Satanismus, der beispielsweise in den USA sogar als eigene Religion anerkannt ist. Ihr redet von brutalen Taten angeblich satanischer Kulte, die mit dem "echten" Satanismus an sich aber überhaupt nichts zu tun haben und sehr schlechtes Licht auf die eigentlich relativ harmlose Bewegung werfen. Aber das ist ja nicht Thema dieses Threads.
Nein, die Kirche ist eindeutig keine Sekte. Umgangssprachlich hat das Wort "Sekte" eine sehr negative Konnotation bekommen, aber im eigentlichen Sinne ist es eine absolut wertfreie Bezeichnung. Religionswissenschaftlich lassen sich zwei Stadien unterscheiden: Religiöse Tradition sowie Neue Religiöse Bewegung (Sekte). Das sind allerdings nicht zwei unterschiedliche, sich gegenüberstehende Prinzipien, sondern Entwicklungsstadien.
Jede große Religion fängt einmal klein an - als Sekte. Einer relativ kleinen Gruppe von Menschen, die dieselben Glaubensansichten teilen (zum Beispiel die Lehre vom kommenden Reich Gottes), sich oft um eine Art "Anführer" (zum Beispiel Buddha) scheren und nach seinem Tod seine Lehre in die Welt hinaustragen. Irgendwann (mekist nicht vor Ablauf von zweihundert Jahren) schafft die Sekte, die Neue Religiöse Bewegung, die Entwicklung zu einer Religiösen Tradition, die sich etabliert hat und für deren Zugehörigkeit man nicht mehr unbedingt schief angeguckt wird.
Die Kirche hat als Sekte begonnen, ist aber mittlerweile, wie sicher jeder von euch nachvollziehen kann, keine mehr, sondern hat sich zu einer Religiösen Tradition entwickelt. Unsere Gesellschaft muss aufhören, das Wort "Sekte" gleich mit bösen Menschen, Gehirnwäsche, Zwang und moralischer Verwerflichkeit in Verbindung zu bringen. "Sekte" ist ein absolut wertfreies Wort und die meisten Sekten sind lediglich Abspaltungen von größeren, bereits etablierten, traditionellen Religionsgemeinschaften, die sich garantiert auch eines Tages als Religiöse Tradition bewiesen haben werden.
|
| |
 |
:: koeniglich
:: Beiträge 331:: 21.79 Talkpoints |
|
|
| |
| |
| |
|