Wenn jemand im Bekanntenkreis gestorben ist, dann wird oft gesagt "Er hat den Löffel abgegeben". Das klingt meines Erachtens immer sehr abfällig und ich kann mit dem Satz auch nicht viel anfangen. Ich frage mich schon seit langer Zeit, woher dieser Satz überhaupt kommt. Warum sagt man, dass jemand den Löffel abgegeben hat oder wenn jemand im Sterben liegt, dass er bald seinen Löffel abgibt? Aus welcher Zeit stammt diese Redensart und ist sie wirklich abfällig gemeint oder hört es sich nur so an?
Eine Bekannte meinte neulich, als wir darüber sprachen, dass es evenuell davon kommt, dass man toten Hasen oder Kaninchen früher die Ohren abgeschnitten hat und da man diese Ohren ja auch Löffel nennt, mussten sie die Löffel abgeben. Aber ich kann mir das nicht vorstellen. Vielleicht könnt ihr mir da weiterhelfen.
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:: Diamante
:: Beiträge 28350:: 455.41 Talkpoints |
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Ich kenne diese Redensart auch und habe mir das auch schon einmal überlegt. Ich könnte mir vorstellen, dass damit statt dem Löffel vielleicht die Schaufel gemeint ist, mit der das Grab eben wieder zugeschaufelt wird? Ein Löffel und eine Schaufel sehen sich ja doch ein wenig ähnlich.
Beziehungsweise ist es bei einem Begräbnis ja auch so, dass alle Anteilnehmenden einen Löffel voll Erde symbolisch ins Grab werfen. Vielleicht kommt auch von daher der Löffel? Da man als Toter nun mal nicht mehr selber schaufeln kann, muss man eben den Löffel beziehungsweise die Schaufel abgeben.
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:: tournesol
:: Beiträge 4976:: 302.19 Talkpoints ::  |
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Tatsächlich stammt diese Redewendung aus dem Mittelalter und ist ursprünglich alles andere als abfällig gemeint. Im Mittelalter war es noch üblich mit den Fingern zu essen und Besteck hat sich erst langsam durchgesetzt und war sehr, sehr teuer. Man konnte nicht einfach wie heute ein Besteckset günstig erstehen. Fleisch konnte beispielsweise noch mit der Hand zerteilen und zum Mund führen. Etwas Flüssiges ohne Löffel zu essen, dürfte sich aber als weitaus schwieriger erweisen.
Wer also einen Löffel besaß, der sah ihn als etwas Kostbares an und führte in bei besonderen Anlässen wie Festmahlen mit sich. Stirbt dann die betreffende Person, wird der Löffel nicht weggeschmissen, sondern in der Familie vererbt. Der Verstorbene gibt also wortwörtlich den Löffel ab.
Eine weitere mögliche Herleitung besagt, dass im Mittelalter Brei das Essen der armen Leute gewesen ist und jeder bei Tisch seinen eigenen, oft auch selbst geschnitzten Löffel mitführte. Da Brei mit dem Löffel gegessen wurde und auch Hauptbestandteil der Nahrung war, kam das Abgeben dieses Löffels mit dem Lebensende gleich.
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:: nirandor
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