Angesichts des drohenden und immer wieder angeführten Fachkräftemangels will die Bundesregierung nun eine großangelegte Qualifizierungsinitiative starten welche mit Investitionen von über 500 Millionen Euro in den nächsten 3 Jahren den Mangel an Fachkräften eindämmen soll.
Das der Fachkräftemangel schon lange vor der Tür steht ist kein Wunder angesichts der Tatsache, dass fast jedes dritte Unternehmen derzeit darüber klagt, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden – in technischen und in Ingenieurberufen bestünde nach wie vor noch der größte Bedarf.
Nun sollen mehr als 100.000 Ausbildungsplätze für schwer vermittelbare Jugendliche geschaffen werden sowie 1.000 Aufstiegsstipendien für derzeit berufstätige Arbeitnehmer, welche sich mangels Abitur gegen ein Studium entschieden. Über weitere Maßnahmen soll im Herbst diesen Jahres entschieden werden – derzeit ist in Diskussion, mehr Abiturienten für Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften und Informatik zu begeistern. Außerdem will man, wie in einem anderen Thread bereits angesprochen, daran arbeiten, die Quote der Schulabbrecher abzusenken (momentan 8%), die Studienzulassungen für Berufstätige ohne Abitur zu lockern und die ZVS weiter auszubauen um auch Hochschulen mit Bundesunterstützung stärker einzubinden. Vor allem durch letztere Maßnahme soll das Zulassungschaos, welches zu Mehrfachbewerbungen und auf der anderen Seite zu freien Studienplätzen führt, zu beenden – momentan werden dazu umfangreiche Verhandlungen mit den Bundsländern angestoßen.
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Die deutsche Wirtschaft begrüßte das angekündigte Maßnahmenpaket und wertete es als wichtigen Schritt für die Zukunft, auch wenn man der Neuschaffung von 100.000 Ausbildungsstellen für „Altbewerber“ skeptisch gegenüber steht und darin Fehlanreize sowie Mitnahmeeffekte begünstigt sieht, vor allem, da die zusätzlichen Ausbildungsplätze durch Betriebsprämien zwischen 4.000 und 6.000 Euro, je nach Lohnhöhe, geschaffen werden sollen. Ob die dafür eingeplanten 350 Millionen Euro zweckmäßig eingesetzt werden würden bezweifelt man, jedoch zeigte man sich zuversichtlich seitens des Bundes, dass man darum bemüht sei, Missbrauch zu verhindern.
Derzeit ist vor allem die Zahl der Jugendlichen und Menschen ohne Ausbildung ein schwerer Mühlstein um den Bundeshals, da von 735.000 Bewerbern für eine Ausbildungsstelle knapp 385.000 „Altbewerber“ waren, die nicht im ersten Anlauf eine Lehrstelle fanden. Vor allem Hauptschüler sind davon betroffen, denn nach offiziellen Zahlen finden kaum mehr als 25 % nach dem Abschluss eine Lehrstelle, der Großteil steckt davon entweder weiter in der Ausbildungssuche fest oder in Qualifizierungsmaßnahmen. Insgesamt stecken 15 % der 20 – 29jährigen mit Schulabschluss in der Arbeitslosigkeit, welche nachqualifiziert werden sollen.
Neben diesem Paekt soll es ehrenamtliche „Berufseinstiegsbegleiter“ geben, die ähnlich nach Modellen aus dem Ausland eine Patenfunktion beim Wechsel von der Schule in den Beruf übernehmen sollen. Die Berufsberatungen sollen ebenfalls ausgebaut werden.
Das ganze Paket heißt momentan vielversprechend „Aufstieg durch Bildung“ und in der 35 Seiten dicken Vorlage werden auch Studien angeführt, nach denen 2014 knapp 500.000 Akademiker bei der derzeitigen Entwicklung fehlen sollen, was diese vor allem in den steigenden Anforderungen sowie in zu wenigen Studenten und dem baldigen Ausscheiden der älteren Generation begründet sehen. Wie in anderen Threads schon angesprochen, soll die Zahl der Abiturienten diesbezüglich schon 36,6 % pro Jahrgang auf 40 % erhöht werden. Das Freiwillige technische Jahr soll vor allem mehr junge Menschen für die unterbesetzten Ingenieur- und Naturwissenschaften begeistern.
Von Kritikern wurde zu den Plänen geäußert, dass es sich hierbei um ein offensichtliches Eingeständnis hinsichtlich bildungspolitischer Hilflosigkeit handelt, welches offenbart, dass nach der Förderalismusreform weder das Bildungsministerium noch die Regierung genug Macht hätten um die Länder dazu zu bewegen, mehr gegen Schulabbrecher und mehr für mehr Abiturienten und mehr Akademiker zu leisten sowie Migranten besser zu integrieren um deren Aufstiegschancen zu fördern.
Die Opposition sieht in den Betriebsprämien ein einseitiges Mittel und fordert, gleichzeitig von Unternehmen, welche keine Ausbildungsstellen anbieten eine Sonderabgabe (die Linke), erkennt darin ein Klein-Klein ohne echten Mut (Grüne) oder meint, das ganze sei ein Sammelpaket aller möglichen Maßnahmen ohne echtes Ziel (FDP).
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