Wenn ihr die zwanzig flächengrößten Städte Deutschlands aufzählen müsstet, welche würdet ihr nehmen? Berlin ist klar gesetzt, und dann? Hamburg? München? Dortmund?
Weit gefehlt, Sachsen- Anhalts umfassenden Gemeindereformen haben die Rangliste ordentlich durcheinandergewirbelt. Nach Berlin und Hamburg tummelt sich auf dem dritten Platz das kleine Gardelegen, dicht gefolgt von Möckern, Zerbst/ Anhalt und Wittstock/ Dosse. Wer noch nie von diesen „Großstädten“ gehört hat brauch sich aber nicht schämen. Deren Einwohnerzahlen bewegen sich zwar nur zwischen 15650 und 24315 Bewohnern (im Vergleich Berlin 3,4 Millionen, Hamburg 1,7 Millionen) aber flächenmäßig liegen sie zwischen 468 und 632 km2 (im Vergleich Berlin 892 km2, Hamburg 755 km2). Dortmund liegt mit 280 km2 auf Platz zwanzig und München auf Platz 15 (310 km2). Wer schon mal durchgerechnet hat kommt auf ungefähr 38 Einwohner pro Quadratkilometer in Gardelegen (Landesdurchschnitt Sachsen- Anhalt 116, Stadt Berlin 3847 Einwohner).
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Schuld daran sind die Vorgaben zu den Mindestgrößen der Verwaltungsgemeinschaften (hier aber gemeint die Einwohnerzahl) um effiziente Verwaltungsstrukturen zu erreichen. Im Fall Gardelegen sind bereits elf Dörfer friedlich eingemeindet worden, achtzehn weitere sollen per Landtagsbeschluss 2010 noch folgen. Dazu kommen dann aber noch etliche Ortsteile. Das stelle ich mir dann ganz lustig mit den offiziellen Kopfbögen der Stadt vor, es muss ja jede Gemeinde einzeln aufgelistet werden. Die erste Seite ist dann schon voll und es bleibt nicht mehr viel Platz für den Text. Auch das kommunale Straßennetz wird gewaltig sein, ich bin mal gespannt wie das insgesamt gelöst wird.
In Sachsen- Anhalt wurde beschlossen dass ab 2011 in den Städten und Gemeinden mindestens zehntausend Menschen leben müssen um weiter Bestehen zu dürfen, in schwach besiedelten Gebieten achttausend. Duch die Eingemeindungen reduziert sich die Anzahl der Gemeinden von 1036 auf höchstwahrscheinlich 219. Das so etwas nicht immer friedlich abläuft kann sich jeder sicherlich vorstellen. Die unterschiedlichen Befindlichkeiten zwischen den Dörfern kennt sicherlich jeder der auf dem Land wohnt. Bei uns ging es sogar so weit dass einem Bürgermeister die Schlüssel abgenommen wurden und er Hausverbot bekam. Wo kein friedlicher Zusammenschluss möglich ist soll dann die Zwangseingemeindung erfolgen, ohne Wahlmöglichkeit.
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